Demo gegen "Stuttgart 21": Protest unterm Regenschirm
"Stuttgart 21"-Proteste Demonstranten entern Abrissbagger
Stuttgart - Drei Gegner des umstrittenen Bahnprojekts "Stuttgart 21" sind am frühen Morgen auf einen etwa zehn Meter hohen Großbagger geklettert. Damit haben sie den Abriss des alten Stuttgarter Bahnhofs erneut unterbrochen. Oben angekommen, entrollten sie ein Transparent mit der Aufschrift "Hallo, geht's noch?", richteten sich mit Hängematten ein und ketteten sich fest. Aus Sicherheitsgründen wollte die Polizei die Aktivisten zunächst oben lassen.
Doch dann haben die Beamten ihre Meinung geändert. Sie holten die drei Protestler mit Hebebühnen von dem Bagger und nahmen sie fest. Die Aktion sei friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Auf das Trio wartet jedoch eine Anzeige.
Zehn Aktivisten hatten es gegen 4.30 Uhr auf die Baustelle geschafft, sieben von ihnen wurden gleich festgenommen. Rund hundert Unterstützer des Protests demonstrierten schon früh morgens vor dem Bauzaun. Ein Sprecher forderte unter lautem Beifall: "Die Bahn muss endlich aufhören, Fakten zu schaffen. Heute erledigen wir das für sie." Er nannte es arrogant, dass Bahn-Chef Rüdiger Grube Gespräche anbiete, die Abrissarbeiten aber fortsetzen wolle.
Grube hatte den Projektgegnern am Freitag Gespräche angeboten. Aus Kostengründen sei es nicht möglich, die Bauarbeiten für die Dauer der Gespräche auszusetzen. Der Chef der Bürgerinitiative Leben in Stuttgart, Gangolf Stocker, machte einen Baustopp aber zur Bedingung für eine Teilnahme. Er kritisierte den Manager am Wochenende heftig. "Grube ist ein absoluter Trickser und Täuscher", sagte Stocker
Vekehrsausschuss-Vorsitzender fordert Baustopp
Auch die Grünen wiederholten ihre Forderung nach einem Baustopp. Bis heute seien schließlich noch nicht einmal alle Bauabschnitte per Planfeststellung legitimiert, sagte der Abgeordnete Winfried Hermann im Deutschlandfunk. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses begrüßte zwar den von Bahn-Chef Rüdiger Grube vorgeschlagenen Runden Tisch von Befürwortern und Gegnern. Er forderte jedoch zugleich, dass ein solches Gespräch mehr sein müsse als eine Plauderrunde.
Stuttgart 21: Ein Bahnhof wird tiefergelegt
Ohne Baustopp gehe der Protest eben weiter, sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), der seit Jahren gegen das Projekt kämpft. Immerhin lehnt er Grubes Einladung zum gegenseitigen Austausch nicht rundweg ab. "Ein solches Gesprächsangebot darf man nicht ausschlagen", sagte Palmer. Der Fraktionschef der Grünen im baden-württembergischen Landtag, Winfried Kretschmann, sagte: "Die Gesprächsbereitschaft von Grube kommt spät, aber nicht zu spät."
Auch die SPD, deren Spitze hinter dem Projekt steht, begrüßte Grubes Vorschlag. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sagte, er hoffe, "dass ein Gespräch zur Verbesserung der Atmosphäre beiträgt". Er sei aber "skeptisch, was die Erfolgsaussichten anbelangt". An dem von Grube geplanten Treffen sollen auch Ministerpräsident Stefan Mappus und Verkehrsministerin Tanja Gönner (beide CDU) teilnehmen. Sie sind Befürworter von "Stuttgart 21".
Die Bahn möchte den Stuttgarter Hauptbahnhof komplett umbauen. Das Projekt, das von der schwarz-gelben Landesregierung unterstützt wird, soll mehr als vier Milliarden Euro kosten. Am Freitag hatten in Stuttgart laut Polizei rund 30.000 Menschen dagegen demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Demonstranten.