Supermarkt-Erpresser Festgenommener ist dringend tatverdächtig

Er vergiftete Babynahrung und forderte Millionenbeträge: Tagelang suchte die Polizei einen Supermarkt-Erpresser. Nun sind die Ermittler überzeugt, den mutmaßlichen Täter gefasst zu haben.


Der Fall des Gifterpressers von Friedrichshafen steht möglicherweise vor der Aufklärung: Der Tatverdacht gegen einen am Freitag gefassten Mann habe sich erhärtet, teilten die Staatsanwaltschaft Ravensburg und die Polizei in Konstanz mit.

Der festgenommene 55-Jährige gelte mittlerweile als dringend tatverdächtig. Er soll im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Ermittler meldet, wurden in der Nacht kriminaltechnische Untersuchungen vorgenommen. Dabei handele es sich in der Regel etwa um DNA-Abgleich und Fingerabdrücke. Der Mann soll zu den Vorwürfen bislang schweigen.

Trotz der Festnahme gibt die Polizei noch keine vollständige Entwarnung. "Die Verbraucher sollten nach wie vor beim Einkauf wachsam sein", sagte ein Polizeisprecher. Nach wie vor sollten Kunden beim Einkauf auf manipulierte Produkte achten und im Zweifelsfall die Polizei informieren. Es gebe derzeit keine Erkenntnisse, dass der Festgenommene noch weitere vergiftete Lebensmittel als platziert habe. "Die Geschichte ist aber nach wie vor aktuell", sagte der Sprecher.

Die Ermittler waren durch Hinweise aus der Bevölkerung auf den jetzt gefassten Mann aus dem Landkreis Tübingen aufmerksam geworden. Der Erpresser hatte in Geschäften in Friedrichshafen Babynahrung vergiftet und einen Millionenbetrag gefordert. Er drohte Mitte September in einer E-Mail an die Polizei, den Verbraucherschutz und mehrere Lebensmittelkonzerne damit, bei Nichtzahlung bundesweit Lebensmittel zu vergiften.

"Das ist eine ungewöhnliche Konstellation"

Nachdem der Täter einen Hinweis gegeben hatte, wurden in Friedrichshafen fünf mit Ethylenglykol vergiftete Gläser Babynahrung gefunden. Die Behörden hatten am Donnerstag ein Fahndungsfoto veröffentlicht, das von einer Überwachungskamera in einem der betroffenen Märkte stammte.

Nach Auffassung des Kriminologen und Psychologen Martin Rettenberger handelt es sich um eine äußerst seltene Verbrechensart. "Das ist auf jeden Fall eine ungewöhnliche Konstellation", sagte der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. "In der deutschen Kriminalgeschichte gibt es ein paar Fälle, die in diese Richtung gehen, aber die sind sehr selten."

Eine Gemeinsamkeit von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln sei, dass die Täter innerhalb kurzer Zeit bundesweit und zum Teil darüber hinaus einen "maximalen Aufmerksamkeitsfokus" erhielten. Er vermutet beim Täter ein "ausgeprägtes Geltungsbedürfnis". Wenn es nur um die Gier nach Geld ginge, ließen sich für Täter andere Wege finden.

Bei der Polizei waren in den vergangenen Tagen Hunderte Hinweise eingegangen. Angestellte einer Drogerie-Filiale im niedersächsischen Peine hatten etwa einen Mann beobachtet, der dem mutmaßlichen Erpresser ähnlich gesehen habe. Die Polizei zeigte sich nach Auswertung des Videomaterials jedoch sehr sicher, dass der Mann nur eingekauft habe.

mxw/AFP/dpa



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