Völliges Werbeverbot und höhere Steuern Zwei Drittel der Bürger für schärferes Vorgehen gegen Tabak

Die Meinung der Bürger ist klar: 69 Prozent wollen, dass ein vollständiges Werbeverbot für Tabak durchgesetzt wird. Kommt nun Bewegung in die Debatte, nachdem der größte CDU-Blockierer seinen Posten verloren hat?
Konzertbesucher vor Tabakwerbung (Archiv)

Konzertbesucher vor Tabakwerbung (Archiv)

Foto: Friso Gentsch/ picture-alliance/ dpa

In der Diskussion um Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ist laut einer Umfrage eine große Mehrheit der Bundesbürger für ein vollständiges Verbot von Tabakwerbung.

69 Prozent würden einen solchen Schritt befürworten, hat eine Umfrage im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft ergeben. Gegen ein Verbot sprechen sich demnach lediglich 27 Prozent aus. Eine Mehrheit würde auch ein Komplettverbot von Alkoholwerbung begrüßen, allerdings ist sie nicht ganz so groß wie beim Tabak: 58 Prozent der Befragten sprachen sich für ein Verbot aus, 36 Prozent lehnten dies ab.

Auch eine höhere Besteuerung fände der Umfrage zufolge Unterstützung. Für Tabak befürworten dies 75 Prozent (23 Prozent dagegen), für Alkohol 59 Prozent (37 Prozent dagegen). Für die Erhebung wurden vom 4. bis 8. Februar 1003 Menschen ab 18 Jahren vom Institut Forsa befragt.

Volker Kauder entmachtet

In die lange festgefahrene Debatte um ein Verbot der Tabakwerbung auf Plakatflächen könnte Bewegung kommen. Die Fachpolitiker der Koalitionsfraktionen von Union und SPD einigten sich darauf, dass die bestehenden Beschränkungen auch auf Außenwerbung ausgeweitet werden sollten. Es soll aber nicht um ein Pauschalverbot gehen.

Das Kabinett stimmte 2016 einem Entwurf zu, ein Gesetz wurde daraus nie. Verboten ist Tabakwerbung etwa schon in Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. Bislang waren Vorstöße zur Durchsetzung des Verbots allerdings stets am Widerstand einflussreicher Unionskreise gescheitert. Insbesondere Volker Kauder, enger Merkel-Vertrauter und über lange Jahre Chef der CDU-Fraktion, hatte eine Ausweitung des Werbeverbots verhindert. Kauder hat seinen Posten im vergangenen Herbst verloren.

Mehr über die Unionsblockade lesen Sie hier: Warum der CDU Tabakwerbung wichtiger ist als Jugendschutz

beb/dpa