Urteil Tantra-Massagen sind vergnügungssteuerpflichtig

Auch wenn sie dem Wohbefinden dienen und strikt nach Ritual verlaufen - für Tantra-Massagen werden Steuern fällig. Stuttgarter Richter wiesen die Klage einer Masseurin ab. Sie räume "gezielt die Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen" ein.

Mann bei der Massage: 840 Euro Steuer für zwei Monate
Corbis

Mann bei der Massage: 840 Euro Steuer für zwei Monate


Stuttgart - Die Erotik-Dienstleistungbranche ist um eine steuerliche Klarstellung reicher: Das Stuttgarter Verwaltungsgericht entschied, dass es sich bei Tantra-Massagen um sexuelles Vergnügen handelt und sie somit steuerpflichtig sind.

Damit wiesen die Richter die Klage der Besitzerin eines Massagesalons gegen die Stadt ab, wie eine Gerichtssprecherin am Donnerstag mitteilte. Nach Auffassung der Richter räumt die Klägerin in ihrem Betrieb "gezielt die Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen" ein.

Wie in etlichen deutschen Städten gibt es in Stuttgart eine Vergnügungssteuer, besser bekannt als Sex-Steuer. Diese müssen etwa Bordelle, Laufhäuser oder Swingerclubs berappen. Auch die Klägerin sollte zahlen, allein für zwei Monate im Jahr 2012 wurden 840 Euro fällig. Dagegen wehrte sie sich vor Gericht.

Dass die Ganzkörpermassagen nach striktem Tantra-Ritual ablaufen und nicht in erster Linie auf das sexuelle Vergnügen, sondern auf ganzheitliches Wohlbefinden ausgerichtet seien, spielt dem Urteil zufolge keine wesentliche Rolle. Entscheidend sei, dass die Kunden gegen Entgelt eine Massage inklusive Genitalbereich buchen könnten.

Im Oktober hatte der Bundesfinanzhof die Argumentation eines Bordellbesitzer zurückgewiesen, der für seinen Betrieb nur die ermäßigte Umsatzsteuer zahlen wolle. Wer Zimmer an Prostituierte vermietet, muss dafür den vollen Steuersatz zahlen - auch wenn ähnlich wie in Hotels Verpflegung, Bettwäsche und Handtücher gestellt würden.

dab/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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dig 07.11.2013
1. Masseurin oder Masseuse?
Zitat von sysopCorbisAuch wenn sie dem Wohbefinden dienen und strikt nach Ritual verlaufen - für Tantra-Massagen werden Steuern fällig. Stuttgarter Richter wiesen die Klage einer Masseurin ab. Sie räume "gezielt die Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen" ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tantra-massagen-sind-laut-stuttgarter-richtern-steuerpflichtig-a-932356.html
Masseur und medizinischer Bademeister (weibliche Form: Masseurin und medizinische Bademeisterin) ist die Berufsbezeichnung für einen Gesundheitsfachberuf, bei dem Menschen Therapien wie Massagen, Elektrotherapien oder Bäder zur Heilung oder Linderung bei Erkrankten anwenden. Da das Wort Massage auch für sexuell ausgerichtete Tätigkeiten verwendet wird, gilt die Bezeichnung Masseuse heute als zweideutig und ungeeignet.
rubberduck59 07.11.2013
2. Irgendwann...
Zitat von sysopCorbisAuch wenn sie dem Wohbefinden dienen und strikt nach Ritual verlaufen - für Tantra-Massagen werden Steuern fällig. Stuttgarter Richter wiesen die Klage einer Masseurin ab. Sie räume "gezielt die Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen" ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tantra-massagen-sind-laut-stuttgarter-richtern-steuerpflichtig-a-932356.html
... wird auch das Lesen von Urteilen deutscher Gerichte (nebst Tenor) Vergnügungssteuerpflichtig. Sie dienen zwar selten dem Wohlbefinden, erheitern aber zuweilen ungemein.
renee gelduin 08.11.2013
3. optional
Wenn das Urteil tatsächlich so lautet, wie hier dargestellt wird, dann handelt es sich um GEZ-Manier. Die Grundlage für die Besteuerung wäre nicht, ob und was man tatsächlich konsumiert, sondern ob man es KÖNNTE.
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