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01. März 2012, 08:12 Uhr

Target2-System

Weidmann warnt Draghi vor Bilanzrisiken

Die milliardenschweren Forderungen im Euro-System beschäftigen Ökonomen schon länger. Jetzt schaltet sich Bundesbank-Chef Jens Weidmann in die Debatte ein. In einem Brief an EZB-Präsident Mario Draghi fordert er eine Besicherung der Risiken.

Hamburg - Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sieht es als "Falle", der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht dagegen von einer "Jammer-Diskussion". Sicher ist: Target2, das Zahlungssystem der europäischen Notenbanken, spaltet die Gemüter.

Nun greift auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann in die Debatte über milliardenschwere Forderungen im Euro-System ein. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") hat er EZB-Präsidenten Mario Draghi vor den wachsenden Risiken innerhalb von Target2 gewarnt. Weidmann schlage eine Rückkehr zu den Sicherheitsregeln vor, die vor Beginn der Finanzkrise gegolten hätten.

In einem vor einigen Tagen verschickten Brief nehme Weidmann ausdrücklich auf die wachsenden Forderungen innerhalb von Target2 Bezug. Er schlage eine Besicherung dieser Forderungen der EZB gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Euro-Systems vor, die einen Wert von mehr als 800 Milliarden Euro erreicht hätten.

Weidmann warnt dem Bericht zufolge in dem Schreiben an Draghi vor einem Reputationsverlust und regt eine Debatte über die Risiken an. Sollte ein Teil der Forderungen ausfallen, könnten die Notenbanken des Euro-Systems die Verluste eventuell nicht tragen und die Euro-Staaten würden sie möglicherweise nicht ausgleichen, schreibt Weidmann der Zeitung zufolge. Die Bundesbank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

dab/Reuters

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