Tarifstreit Ärzte an Uni-Kliniken wollen ab November streiken

Patienten in 23 deutschen Uni-Kliniken müssen sich ab 7. November auf Streiks der Ärzte einstellen: In einer Urabstimmung der Mediziner-Gewerkschaft Marburger Bund stimmte eine überwältigende Mehrheit für Arbeitsniederlegungen. Die Ärzte kämpfen für einen neuen Tarifvertrag.

Ärzte während eines Streiks: Arbeitsniederlegungen stehen bevor
dapd

Ärzte während eines Streiks: Arbeitsniederlegungen stehen bevor


Berlin - Die Mediziner an deutschen Uni-Kliniken gehen im Tarifstreit mit den Ländern auf Konfrontation: Am 7. November sollen flächendeckend Streiks beginnen, kündigte der stellvertretende Vorsitzende der Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund, Andreas Botzlar, an. In einer Urabstimmung votierten 97,4 Prozent der Mediziner für einen Arbeitskampf.

Von den Arbeitsniederlegungen sollen 23 deutsche Universitätskliniken betroffen sein, unter anderem in Düsseldorf, München, Köln und Heidelberg. Ausgenommen sind Hessen und Berlin. Diese beiden Länder gehören nicht der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) - der Organisation der Arbeitgeber - an.

Fünf Jahre nach den ersten großen Ärztestreiks an Uni-Kliniken droht damit erneut ein unbefristeter Mediziner-Ausstand. "Die Ärztinnen und Ärzte in den Uni-Kliniken haben vor fünf Jahren den ersten Arzt-Tarifvertrag an den Kliniken erkämpft. Auch jetzt sind sie entschlossen, für die Durchsetzung ihrer Forderungen notfalls einen langen Weg zu gehen", sagte Botzlar.

"Wir wollen nicht die Patienten treffen"

Der Marburger Bund hatte die Tarifverhandlungen mit den Ländern für die 20.000 Ärzte an Uni-Kliniken Ende September nach fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden für gescheitert erklärt. Das Votum der Urabstimmung zeige, wie groß der Unmut der Ärzte über das Verhalten der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) sei, sagte Botzlar. Die Arbeitgeber hätten sich in den Verhandlungen zu keinerlei Kompromissen bereit gezeigt. So habe die TdL keinen vollen Inflationsausgleich in Aussicht gestellt.

"Wir wollen nicht die Patienten treffen, sondern auf die TdL einwirken", sagte Botzlar. "Die Arbeitgeber haben es in der Hand, die Dauer dieses Konfliktes zu bestimmen."

Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Gehalt, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine bessere Bezahlung von Nachtdiensten. Der Marburger Bund ist der Verband aller angestellten und verbeamteten Mediziner. Mit rund 107.000 Mitgliedern ist er nach eigenen Angaben der größte Ärzteverband in Europa.

mmq/dpa/dapd

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.