Tarifverhandlungen Ärzte-Streik legt Hunderte Kliniken lahm

Mediziner-Kampf für die eigenen Interessen: Bundesweit sind 15.000 Ärzte in einen unbefristeten Streik getreten, um Lohnerhöhungen durchzusetzen. Schon in mehr als 200 Kliniken wurde der Betrieb lahmgelegt - weitere sollen folgen.

Ärzte streiken in München: Fünf Prozent mehr Geld
dpa

Ärzte streiken in München: Fünf Prozent mehr Geld


Berlin - Das ist erst der Auftakt: Mit Arbeitsniederlegungen an mehr als 200 Krankenhäusern und bundesweiten Protestkundgebungen sind die Ärzte an den kommunalen Kliniken am Montag in einen unbefristeten Streik getreten. Mehr als 15.000 Mediziner beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft Marburger Bund an dem Ausstand, mehrere tausend von ihnen versammelten sich zu einer Demonstration in der Münchener Innenstadt.

In weißer Arbeitskleidung, gewappnet mit Trillerpfeifen und Transparenten, zogen rund 4000 Mediziner aus der gesamten Bundesrepublik vom Münchner Hauptbahnhof zum Stachus. "Kein Nachtdienst zum Dumpinglohn" und "Ausgelaugt und mies bezahlt", stand auf den Plakaten. Die Ärzte ließen sich nicht mit einem Trinkgeld für Nachtarbeit und 24-Stunden-Dienste abspeisen, sagte Gewerkschaftschef Rudolf Henke. Schon jetzt seien 5000 Stellen unbesetzt, in den nächsten fünf Jahren müssten weitere 8000 besetzt werden.

Der Marburger Bund fordert für die 55.000 organisierten Mediziner eine Gehaltssteigerung um durchschnittlich fünf Prozent und eine Erhöhung der Entgelte für Bereitschaftsdienste in der Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen. Die Verhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) waren im April gescheitert. Diese hat nach eigenen Angaben eine Steigerung der Bezüge um 2,9 Prozent angeboten.

Marburger Bund: Es wird keine Streikpausen geben

Von den Streiks am Montag waren besonders Bayern und Baden-Württemberg sowie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen betroffen. Dort wurde zum Teil jede zweite Klinik bestreikt, viele Patienten mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen. In den nächsten Tagen sollen immer mehr Hospitäler einbezogen werden. Dort werden dann wie an Wochenenden und Feiertagen nur noch Notfälle behandelt. Der Marburger Bund empfiehlt Patienten, Termine für planbare Operationen zu verschieben oder zu Kliniken in privater oder kirchlicher Trägerschaft oder zu einer Uni-Klinik zu wechseln. Nicht betroffen von den Streiks sind Berlin und Hamburg, weil hier gesonderte Tarifverträge gelten.

Gewerkschaftschef Henke drohte den Arbeitgebern mit einem wochenlangen Arbeitskampf. "Wir werden, wenn es nötig ist, einen langen Atem zeigen", sagte er. Henke kündigte an, anders als beim monatelangen Arbeitskampf im Jahr 2006 werde es dieses Mal keine Streikpausen geben. Der Ausstand solle für die Arbeitgeber ökonomisch spürbar werden. Vor vier Jahren hätten die Ärzte zum Teil in den Unterbrechungen ausgefallene Behandlungen durch unbezahlte Überstunden nachgeholt. "Die Folge war, dass die Arbeitgeber das bei den Erlösen nicht gemerkt haben", sagte Henke. Dieses Mal werde es hingegen keinen "Stop-and-go"-Streik geben.

Städtetagshauptgeschäftsführer Stefan Articus warf dem Marburger Bund vor, den Streik auf dem Rücken der Patienten auszutragen. Die Ausstände seien unnötig, da ein Angebot der Arbeitgeber mit deutlichen Gehaltssteigerungen vorliege. "Überdurchschnittliche Tariferhöhungen für die Ärzte dürfen nicht dadurch erkauft werden, dass an anderer Stelle, wie der Pflege für die Patienten, noch mehr gespart werden muss oder notwendige Investitionen aufgeschoben werden", sagte Articus.

yes/Reuters



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Neuer Debattierer 22.03.2010
1.
Zitat von sysopPatienten in ganz Deutschland müssen sich auf Verzögerungen bei der Behandlung einstellen. Die etwa 55.000 Klinikärzte rufen zum Warnstreik auf. Sie fordern bis zu neun Prozent mehr Lohn. Müssen Ärzte mehr verdienen?
Nein, nicht schon wieder ein "Ärzte-verdienen-zu-wenig/genug/zu-viel"-Thread. Lasst die Tarifparteien einfach mal verhandeln. Die Debatte wird im anderen Thread ohnehin ständig geführt.
mischamai 22.03.2010
2. Mehr Geld für Ärzte
Grundsätzlich sollten die Ärzte angemessen entlohnt werden,ohne jedoch irgendwelche neuen Forderungen an die Bürger zu stellen.Kosten an anderer Stelle einsparen und sich nach internationalem Vorbild der Dichte von Krankenhäusern anpassen.Nicht jedes kleine Kaff sollte ein eigenes Krankenhaus betreiben,hier ist dringend eine kostenentlastende Konzentration nötig.
Baikal 22.03.2010
3. Nein!
Zitat von sysopPatienten in ganz Deutschland müssen sich auf Verzögerungen bei der Behandlung einstellen. Die etwa 55.000 Klinikärzte rufen zum Warnstreik auf. Sie fordern bis zu neun Prozent mehr Lohn. Müssen Ärzte mehr verdienen?
Nein, sollen sie doch gehen,es gibt ohnehin zuviele. Eine verbesserte Kompentenzaufteilung zwischen Diagnose und Therapie, zwischen den originär ärztlichen Leistungen und denen des Pflegepersonals ist dagegen fällig und bringt bessere Ergebnisse als noch mehr multiple-choice-Doktoren.
schensu 22.03.2010
4.
Zitat von sysopPatienten in ganz Deutschland müssen sich auf Verzögerungen bei der Behandlung einstellen. Die etwa 55.000 Klinikärzte rufen zum Warnstreik auf. Sie fordern bis zu neun Prozent mehr Lohn. Müssen Ärzte mehr verdienen?
Im Vergleich zu wem?
jsmd 22.03.2010
5.
Zitat von sysopPatienten in ganz Deutschland müssen sich auf Verzögerungen bei der Behandlung einstellen. Die etwa 55.000 Klinikärzte rufen zum Warnstreik auf. Sie fordern bis zu neun Prozent mehr Lohn. Müssen Ärzte mehr verdienen?
Ja. Ca. 13 Euro netto (Ledig/keine Kinder) ist nicht angemessen. Und da sind die ganzen unbezahlten Überstunden, die jeden Tag in jeder Klinik gemacht werden nicht eingerechnet. Und natürlich behaupten die Arbeitgeber, dass es keinen Verhandlungsspielraum gibt. Was sollen sie sonst auch sagen? Viele Krankenhäuser schreiben rote Zahlen - das liegt aber nicht an den Ärzten und deren jetzt geforderter Gehaltsverzicht wird sicher nicht die notwendigen Veränderungen in der Krankenhäusern bringen, sondern den status quo eher zementieren.
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