Tarifverhandlungen IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld und weniger Arbeit

"Kein Grund mehr für Zurückhaltung": Die Gewerkschaft IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld - und die 28-Stunden-Woche. Davon könnten fast vier Millionen Beschäftigte profitieren.

Arbeiter bei MTU (Archivbild)
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Arbeiter bei MTU (Archivbild)


Die IG Metall wird aller Voraussicht nach mit der Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn in die anstehenden Tarifverhandlungen mit den Vertretern der Arbeitgeber ziehen.

Der Gewerkschaftsvorstand sprach sich am Dienstag für die Forderung aus, die von den Tarifbezirken am 24. Oktober beschlossen werden müsste. Angesichts des ungebrochenen Wachstums der Branche und einer schwungvollen Konjunktur sei diese Größenordnung mehr als angemessen, sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann. "Es gibt keinen Grund zu Zurückhaltung", ergänzte er. Die 3,9 Millionen Beschäftigten erwarteten, dass sie angemessen am Erfolg beteiligt würden.

Die Gewerkschaft wolle zudem einen "Paradigmenwechsel" in der Arbeitszeit erreichen, sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann. Maßgeblich für Flexibilität bei den Arbeitszeiten sei bisher vornehmlich das Interesse der Arbeitgeber. Jetzt verlangten die Beschäftigten mehr Selbstbestimmung. Die IG Metall fordert deshalb unter dem Motto "Arbeitszeit, die zum Leben passt" zusätzlich zu Lohnerhöhungen ein individuelles Recht für die Arbeitnehmer, die Wochenarbeitszeit befristet von 35 auf 28 Stunden zu verkürzen.

Mehr zum Thema: 28-Stunden-Woche - Was heißt das?

Untere Tarifgruppen und Beschäftigte, die wegen Pflege oder Kinderbetreuung vorübergehend weniger arbeiten können, sollen einen teilweisen Entgeltausgleich bekommen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall lehnt die schon länger diskutierten Arbeitszeitforderungen ab - und verweist dabei auf den Fachkräftemangel.

Arbeitszeit in Deutschland

beb/Reuters

insgesamt 52 Beiträge
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tiefenrausch1968 10.10.2017
1. Aufgewacht?
Die Gewerkschaft wacht ein bisschen auf, aber die Begrenzung auf 2 Jahre ist Quatsch. Es kann nur positiv sein, wenn die erwirtschafteten Gewinne nicht nur in den Chefetagen und bei den Anteilseignern kulminieren. Die technischen Fortschritte sollten sich endlich auch mal auf die Wochenarbeitszeit niederschlagen. Verringerung wäre der einfachste Weg zur Abschaffung der Arbeitslosigkeit. Aber dann könnten die Arbeitnehmer ja einen echten Hebel haben für Forderungen. Deshalb braucht der Kapitalismus die Arbeitslosen. Nur mit Hilfe dieser abgehängten Masse lassen sich Löhne drücken.
hwdtrier 10.10.2017
2. Schöne Forderung
Aber die die weiterarbeiten müssen das Arbeitspensum erhöhen denn die Arbeit nimmt ja nicht ab. Oder es gibt wieder mehr befristete Arbeitsverträge denn der Ersatzarbeitnehmer muss nach Rückkehr des Kurzarbeiters wieder gehen. Dazu die Frage ob fähige. Mitarbeiter Kurzzeitjobs wollen. Aber die sind ja nicht bei der IG und damit vernachlässigbar.
bluebill 10.10.2017
3. Höchste Zeit
Endlich scheint der lähmungsartige Zustand der letzten 12 Jahre überwunden. Die Arbeitnehmer dürfen wieder etwas wollen, statt nur duldsam und dankbar sein zu müssen. Die Zeiten, wo jeder froh sein musste, wenigstens einen schlechten Arbeitsplatz zu haben und nicht in Hartz IV zu stecken, sind wohl vorbei. Die Gewerkschaften haben Recht, es wird Zeit, selbstbewusst aufzutreten. Allerdings - ob sie auch etwas kriegen, steht dahin. Besonders große Arbeitgeber sind sehr findig, was das Herumlavieren um Tarife und Gesetze angeht. Da werden Tochtergesellschaften ausgegründet, die nicht mehr in die Tarifbindung fallen, dubiose Werksverträge abgeschlossen oder Leihsklaven angeheuert, die alle X Monate ausgetauscht werden. Immer gerade eben noch im Rahmen der Gesetze. Dass die sich nicht radikal ändern, dürfte bei einer schwarz-gelben Regierung wohl garantiert sein. Dafür wird die Arbeitgeber-Lobby schon sorgen.
latrodectus67 10.10.2017
4. Ausgezeichnet
Das ich das noch erleben darf, dass die Claqueure von Gerhard Schröders Agenda2010 sich für Gehaltssteigerungen für ihre Mitglieder aussprechen. Mal sehen was rauskommt.
Forist2 10.10.2017
5. Hätten sie besser 15% mehr Geld gefordert !
Dann würden sie vielleicht 6% mehr bekommen. So viele Jahre, war die IGM nur noch handzahm, daher bin ich auch vor Jahren ausgetreten. Wird Zeit, dass Deutschland wieder etwas roter wird.
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