Telekommunikation Netzagentur startet Milliardenpoker um Mobilfunklizenzen

Vier Bieter, 360 Megahertz und ein heftiger Kampf um das Geschäft der Zukunft: Am Montag fällt der Startschuss für die große Versteigerung neuer Mobilfunklizenzen. Die Bundesnetzagentur rechnet mit Einnahmen in Milliardenhöhe, und die ländlichen Regionen hoffen auf eine bessere Versorgung.

Anschlüsse an einem DSL-Router: Mobilfunker hoffen auf Milliardengeschäft
dpa

Anschlüsse an einem DSL-Router: Mobilfunker hoffen auf Milliardengeschäft


Bonn/Mainz - An diesem Montag fällt der Startschuss für den Aufbruch in ein neues Internetzeitalter: Mit der bislang größten Versteigerung von Funkfrequenzen in Deutschland legt die Bundesnetzagentur den Grundstein für den zügigen Ausbau des mobilen Internets und ein Ende der Versorgungslücken auf dem Land. Zur Auktion in Mainz sind nur die vier Mobilfunkbetreiber T-Mobile Chart zeigen, Vodafone Chart zeigen, E-Plus und Telefonica Chart zeigen O2 zugelassen.

Experten rechnen mit Versteigerungserlösen im einstelligen Milliardenbereich. Vor zehn Jahren hatten sechs Bieter bei der spektakulären UMTS-Auktion vor dem Hintergrund der Euphorie in der Telekommunikations- und Internetbranche mehr als 50 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült. Diesmal kommen in Mainz insgesamt gut 360 Megahertz Funkfrequenzen unter den Hammer. Dabei ist Deutschland das erste Land in Europa, das ein solches Frequenzpaket in einer Versteigerung auf den Tisch gelegt hat. Darunter befinden sich auch Frequenzen aus dem Bereich 800 Megahertz, die durch die Umstellung des Rundfunks auf die Digitaltechnik freigeworden sind.

Diese Frequenzen sind unter den vier Bietern deshalb so begehrt, weil die Kosten zum Ausbau des Netzes wegen der größeren Funkreichweiten reduziert werden können. Die Netzbetreiber müssen sich an strenge Vorgaben halten: Jeder verpflichtete sich, im Falle des Kaufs ab dem 1. Januar 2016 in allen Bundesländern einen Versorgungsgrad von 90 Prozent zu erreichen. Erst wenn Gemeinden und Städte mit höchstens 5000 Einwohnern schnelle Internetanschlüsse bekommen haben, dürfen die Unternehmen die lukrativere Versorgung von größeren Städten angehen.

Umweltschützer protestieren

Umweltschützer kritisierten den geplanten massiven Ausbau der Mobilfunknetze. Vor allem in ländlichen Regionen, wo es an leistungsfähigen Glasfaserkabeln mangele, sei mit erhöhten Elektrosmog-Belastungen zu rechnen, erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Sonntag. Die gesundheitlichen Langzeitwirkungen seien bisher noch nicht richtig erforscht, sagte BUND-Mobilfunkexperte Bernd Rainer Müller. Jedoch zeige eine Reihe von Studien bereits, dass die Mobilfunkstrahlung Menschen, Tieren und Pflanzen schade.

In Deutschland gibt es laut BUND derzeit rund 260.000 große und rund zwei Millionen kleinere Mobilfunksendeanlagen. Hinzu kommen rund hundert Millionen Mobiltelefone sowie etwa 50 Millionen häusliche Sender wie W-Lan, Schnurlostelefone und Anlagen zur Daten- und Videoübertragung. Lediglich für fest installierte Sendeanlagen existierten Grenzwerte gemäß Bundesimmissionsschutzverordnung für elektromagnetische Felder. Die in der Europäischen Union geltenden Grenzwerte für Elektrosmog aus Mobilfunkanlagen halte auch das EU-Parlament für unzureichend, betonen die Umweltschützer. Außerdem fehlten Schutzmaßnahmen für die Anwohner der Sendestationen.

Nach Einschätzung des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, könnte die Versteigerung den deutschen Mobilfunkmarkt grundlegend verändern. Derjenige, der für das mobile Internet als Erster das beste und schnellste Netz baue, werde auch die meisten Kunden gewinnen oder abwerben, sagte er in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag". Die Bundesnetzagentur versteigert die Frequenzen, obwohl mehrere Unternehmen und Organisationen dagegen klagen, darunter auch einige Rundfunkgesellschaften. Kurth verteidigte in der "Welt am Sonntag" dieses Vorgehen. "Wir dürfen uns doch nicht erpressbar machen", sagte er. Es könne nicht mit jeder beliebigen Klage die Vergabe wichtiger Frequenzen, an denen die Zukunft der gesamten Volkswirtschaft hänge, durch angebliche, zweifelhafte Ansprüche Einzelner blockiert werden.

mik/dpa-AFX/apn



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Seite 1
silenced 12.04.2010
1. <->
---Zitat--- Umweltschützer kritisierten den geplanten massiven Ausbau der Mobilfunknetze. Vor allem in ländlichen Regionen, wo es an leistungsfähigen Glasfaserkabeln mangele, sei mit erhöhten Elektrosmog-Belastungen zu rechnen, erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Sonntag. ---Zitatende--- Ich hab selbst jahrelang in einer Gegend gewohnt in welcher schnell & Internet zu den Fremdwörtern zählt. Erst mit Richtfunkantenne kommt man bis heute in den Genuß von Internet via UMTS, ohne dessen wäre maximal GPRS möglich. Etwas andere gibt es einfach nicht. Satellit ist zu teuer und impractical, per ISDN sowieso. Auch der Begriff des "Elektrosmog" geistert seit sehr vielen Jahren durch die Gefilde, nachgewiesen ist dessen schädliche Wirkung bis heute nicht, falls dieses Etwas überhaupt in der Form existiert. Aber Menschen werden ja schon krank wenn die Telekom nur einen Funkmast aufbaut, es häufen sich die bekannten Symptome und die Ärzte kommen mit behandeln nicht nach. Was soll das nur werden wenn dieser Funkmast erstmal in Betrieb ist? Ein weiterer toller Punkt immer wieder: Es wird geklagt über schlechten Mobilfunkempfang auf den Dörfern, dadurch miese Sprachqualität und manche SMS muß man 3 - 4x absenden bis sie auch wirklich gesendet wurde. Lösung: zusätzlicher Funkmast. Reaktion der geplagten Bevölkerung: Bloß nicht! Da wird man von krank! Wenn manche sich einmal vor Augen führen würden was heutzutage schon alles an Funkwellen durch die Luft wandert, in welcher Masse und in welchem Umfang, dann würden sie erkennen, daß dieses wenig mehr Mobilfunk genaugenommen als Peanuts einzustufen ist. Zumal sich nicht viel ändern dürfte, es werden ja nur Frequenzen recyclet. Kurz: Das Gleiche wie bisher nur anders in der Nutzung.
ADie 12.04.2010
2. Die schweren Fehler der UMTS-Versteigerung werden wiederholt
Zitat von sysopVier Bieter, 360 Megahertz und ein heftiger Kampf um das Geschäft der Zukunft: Am Montag fällt der Startschuss für die große Versteigerung neuer Mobilfunklizenzen. Die Bundesnetzagentur rechnet mit Einnahmen in Milliardenhöhe und die ländlichen Regionen hoffen auf eine bessere Versorgung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688384,00.html
Wann merkt man endlich, dass das nicht zusammenpasst?? Es ist kontraproduktiv, wenn man durch eine technisch unbegründete Verknappung des Angebots die Preise maßlos in die Höhe treibt. Niedrige Preise für den Endkunden sind so nicht zu erreichen und damit eben auch keine schnelle Akzeptanz. Zum Schluss müssen die Auktionskosten wieder abgeschrieben werden; dann geraten die Mobilfunkanbieter wieder unter Kostendruck und am Ende werden wieder Mitarbeiter entlassen, um die Kosten zu senken. Das Spielchen hatten wird doch erst vor ein paar Jahren. Jeder kann mal einen Fehler machen, aber wer denselben Fehler zweimal macht, ist ein Idiot.
lichtschalter 12.04.2010
3. Verbrechen
Die Belastung von Mensch und Umwelt mit technischer el-mag Strahlung in diesem Ausmass (flächendeckend, rund um die Uhr) ist nichts weiter als ein Verbrechen. Was hier passiert hat alle Anzeichen einer totalitären Entwicklung, und man kann es als Technofaschismus bezeichnen. Widerstand ist im Prinzip Pflicht.
huggi, 12.04.2010
4. ... eine verdeckte Abgabe
Zitat von sysopVier Bieter, 360 Megahertz und ein heftiger Kampf um das Geschäft der Zukunft: Am Montag fällt der Startschuss für die große Versteigerung neuer Mobilfunklizenzen. Die Bundesnetzagentur rechnet mit Einnahmen in Milliardenhöhe und die ländlichen Regionen hoffen auf eine bessere Versorgung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688384,00.html
... die Versteigerung ist nichts weiter als eine verdeckte Abgabe an die öffentliche Hand. Die Telekommunikationsunternehmen müssen und werden die Kosten dafür auf die Preise umlegen die schlussendlich der Verbraucher zu zahlen hat. Insofern betrachte ich diesen Vorgang als ein Unding. Sollte der flächendeckende Zugang zum Internet im Vordergrund stehen, so wäre eine zur Deckung der administrativen Aufwendungen erhobene Abgabe ausreichend. Da die wenigen Bieter aber kein Interesse an einer Marktöffnung haben und sich die Kosten ja wieder holen können, spielen sie eben mit. Genau so lief es im Mai 2000 als ca. 49,69 Mrd. Euro vereinnahmt wurden. Dies mussten die Verbraucher mit viel zu hohen Telefongebühren bezahlen.
achtmalachit TM, 12.04.2010
5. -die zukunft der volkswirtschaft-
"Wir dürfen uns doch nicht erpressbar machen", sagte er. Es könne nicht mit jeder beliebigen Klage die Vergabe wichtiger Frequenzen, an denen die Zukunft der gesamten Volkswirtschaft hänge, durch angebliche, zweifelhafte Ansprüche Einzelner blockiert werden. ...naja ...wenn sie meinen. erinnern sie sich noch daran wie ein leben ohne handy war?
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