Studie zu volkswirtschaftlichen Effekten Tempo 100 soll Deutschland angeblich 7,3 Milliarden Euro kosten

Ein Tempolimit könnte zum Klimaschutz beitragen und tödliche Unfälle vermeiden helfen. Doch ein Kieler Ökonom rechnet anders.
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55 Millionen Tonnen CO2 soll der Verkehrssektor einsparen, damit die Klimaziele 2030 eingehalten werden. Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen gilt dabei laut Umweltbundesamt als wichtiger Baustein. Dem Kieler Ökonomen Ulrich Schmidt zufolge hätte die Einführung aber auch bedeutende volkswirtschaftliche Kosten, man könne nicht von einem fast kostenfreien Beitrag zum Klimaschutz sprechen. Selbst wenn man berücksichtige, dass es durch die Geschwindigkeitsbegrenzung weniger Verkehrstote gebe, rechne es sich gesamtwirtschaftlich nicht. Er spricht von "Symbolpolitik".

Bei der Idee werde ignoriert, dass "der langsamere Verkehr zu Zeitverlust und damit Kosten für die Fahrenden führt", sagt der Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zu seiner Untersuchung . Bezogen auf die vom Umweltbundesamt angenommenen jährlichen Fahrleistungen auf deutschen Autobahnen hat er die durchschnittlich längeren Fahrzeiten entsprechend der vorgeschlagenen Tempolimits errechnet - und den Zeitverlust mit einem üblichen Stundenlohn multipliziert. Demnach ergeben sich unter Berücksichtigung der gesparten Treibstoffe Verluste von jährlich 1,3 Milliarden Euro bei Tempo 130 - und 7,3 Milliarden Euro bei Tempo 100.

Wenn man dies ins Verhältnis zu den Schätzungen des Umweltbundesamts setze, wie viel CO2 durch ein Tempolimit eingespart werden könne, ergebe sich ein Preis von 716 bis 1382 Euro je vermiedener Tonne CO2. Dies sei daher ein sehr teurer Weg, Emissionen einzusparen - liege der aktuelle Preis für eine Tonne CO2 im europäischen Emissionshandelssystem doch bei rund 25 Euro. "Allein aus Klimaschutzgründen lässt sich ein generelles Tempolimit auf Autobahnen aus Kosten-Nutzen-Sicht nicht rechtfertigen", sagt Schmidt.

Vier Millionen Euro für ein Menschenleben

Durch ein Tempolimit kann jedoch nicht nur CO2 gespart werden. Es kann auch zahlreiche Menschenleben durch weniger schwere Unfälle retten. Auch das hat Ökonom Schmidt versucht zu berücksichtigen, indem er einen vom Umweltbundesamt in einem anderen Kontext bereits angenommenen Wert für ein Menschenleben von vier Millionen Euro annimmt. Solch eine moralisch problematisch erscheinende Sichtweise sei bei Risikoabwägungen üblich.

Er zählt den Wert geretteter Leben zur Summe der eingesparten Emissionen und Treibstoffe hinzu, kommt aber immer noch auf einen volkswirtschaftlichen Verlust von 990 Millionen Euro bei Tempo 130 und 6,7 Milliarden Euro bei Tempo 100. Schmidt schließt: "Aus volkswirtschaftlicher Kosten-Nutzen-Sicht ist ein generelles Tempolimit zwischen 100 und 130 km/h als Maßnahme für den Klimaschutz daher abzulehnen."

apr
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