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14. Juli 2010, 19:18 Uhr

Teure Arztbesuche

Regierungsberater fordern Patienten-Abgabe

Patienten sollen künftig einen Teil ihrer Arztrechnung aus der eigenen Tasche bezahlen - und so eher auf teure Behandlungen verzichten. Dies fordert eine Beraterkommission der Bundesregierung. Auch den Preiskampf zwischen den Apotheken wollen die Experten verschärfen.

Berlin - Patienten könnten schon bald einen Eigenanteil an ihren Behandlungskosten übernehmen müssen - zumindest, wenn es nach der regierungsnahe Monopolkommission geht. Das Gesundheitssystem solle "um ein Element einer zwingenden Beteiligung von Patienten an den von ihnen verursachten Kosten" ergänzt werden, sagte der Kommissionsvorsitzende Justus Haucap am Mittwoch in Berlin.

Bislang entschieden sich Patienten unabhängig von Kostenerwägungen für bestimmte Behandlungen. Eine allgemein verpflichtende Eigenbeteiligung könne dazu beitragen, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Auch hier müsse aber das Solidarprinzip gelten, dass Gutverdiener stärker belastet werden als sozial Schwache.

Die Kommission, die die Bundesregierung in Fragen der Wettbewerbspolitik und Regulierung berät, will außerdem einen Preiskampf zwischen Apotheken zugunsten der Patienten schüren. "Wir empfehlen einen sanften Preiswettbewerb auch bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln", sagte Haucap.

Die vorgeschriebene feste Zuzahlung bei Medikamenten für gesetzlich versicherte Patienten solle wegfallen. Stattdessen sollten die Apotheken bis zu einer bestimmten Obergrenze selbst eine Gebühr für ihre Dienstleistungen erheben. Dadurch könnte ein "wirksamer Preiswettbewerb zwischen den Apotheken ermöglicht werden".

Die Bundesapothekenkammer kritisierte den Vorstoß, weil er zu uneinheitlichen Arzneimittelpreisen führe. "Nicht der Geldbeutel darf darüber entscheiden, ob jemand vor der Einnahme eines rezeptpflichtigen Medikaments umfassend informiert wird oder nicht", sagte Präsidentin Erika Fink.

Die Monopolkommission sprach sich auch dafür aus, Apothekenketten zuzulassen. Des erhöhe ebenfalls den Wettbewerb zugunsten der Patienten. Bislang darf ein Apotheker maximal vier Filialen betreiben.

jok/Reuters

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