Teure Rettungspakete Top-Ökonomen prophezeien Herabstufung Frankreichs

Teure Hilfe für schuldengeplagte Euro-Länder werden Frankreich in den kommenden Monaten das Spitzen-Rating kosten. Das sagen Experten großer Banken voraus. Die Bestnote bei der Kreditwürdigkeit werde schon im kommenden Jahr fallen. Auch Deutschlands Top-Position ist bedroht.

Börsenhändler in Frankfurt: Schlechte Prognose für Frankreichs Rating
REUTERS

Börsenhändler in Frankfurt: Schlechte Prognose für Frankreichs Rating


Düsseldorf/Paris - Deutschland und Frankreich gelten als Zugpferde bei der Lösung der europäischen Schuldenkrise. Ökonomen sehen jedoch die Gefahr, dass die finanziellen Lasten beide Länder selbst in eine schwierige Lage bringen könnten. So rechnen Chefvolkswirte großer Banken damit, dass Frankreich seine Top-Kreditwürdigkeit verlieren wird.

"Ein neues Rettungspaket für die Schuldenländer im Süden der Währungsunion wird auch die französischen Staatsfinanzen belasten", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der Web-Seite Handelsblatt Online. Er sehe daher die Gefahr, dass die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonitätsnote Frankreichs bereits in den kommenden Wochen mit einem negativen Ausblick versieht.

"Im kommenden Jahr könnte dann die Bestnote von AAA endgültig fallen", prognostizierte Krämer. So werde wohl das Wirtschaftswachstum deutlich nachlassen. "Zum anderen dürften die Politiker wegen des Präsidentenwahlkampfs zögern, Steuern zu erhöhen oder Ausgaben zu senken", sagte Krämer mit Blick auf die Wahl im kommenden Jahr.

Thorsten Polleit, der Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland, sieht vor allem die Schwäche französischer Institute als Gefahr für das Land. "Die Probleme der heimischen Banken können zu massiven zusätzlichen Belastungen für die Finanzlage des französischen Staates werden", sagte Polleit.

"Griechenland ist kein Problem für die französischen Banken"

Dagegen mühte sich der französische Notenbankchef Christian Noyer, Optimismus zu verbreiten. Die Banken des Landes könnten Verluste durch Abschreibungen auf griechische Schulden problemlos verkraften, sagte er in einem Interview mit dem Radiosender RFI und TV 5Monde. "Griechenland ist kein Problem für die französischen Banken." Im ersten Halbjahr verbuchten sie Gewinne von elf Milliarden Euro. Die Geldhäuser seien in der Lage, ihre Kapitalreserven ohne öffentliche Gelder aufzustocken, sagte Noyer. Seinen Angaben zufolge haben französische Kreditinstitute griechische Schuldenpapiere in Höhe von acht Milliarden Euro in ihren Büchern.

Doch Experten sorgen sich nicht nur um die Kreditwürdigkeit Frankreichs. Polleit warnte, auch Deutschland könnte ins Visier der Rating-Agenturen geraten. Bisher sehe es für die Bundesrepublik zwar gut aus, denn mit der bisherigen Haushaltsplanung könnte die Regierung in den kommenden Jahren die Schuldenlast bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) absenken. Voraussetzung sei jedoch, dass es keine neuen Belastungen gebe.

"Die Hilfeleistungen aber, die die Bundesregierung nun anderen Euro-Raum-Ländern geben will, können zu einer drastischen Verschlechterung der Entwicklung der Schuldenlasten führen, die dann in der Tat auch Zweifel am AAA-Rating Deutschlands wecken könnten", sagte Polleit.

Versicherungskonzern befürwortet Schuldenschnitt

In der Debatte um eine Lösung der Schuldenkrise wird derzeit wieder ein teilweiser Schuldenerlass für Griechenland diskutiert. Die Sorge vor einer Verschärfung der Krise lässt Konzerne beim Thema Schuldenschnitt offenbar umdenken. So befürwortet der Deutschland-Chef des italienischen Versicherers Generali, Dietmar Meister, einen solchen Schritt. "Ich glaube, das wäre inzwischen für ganz Europa und sogar die Welt die richtige Richtung", sagte Meister der "Financial Times Deutschland".

mmq/dpa-AFX/Reuters

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H-Vollmilch 17.10.2011
1. .
So beginnt dann nun Kapitel 2....
JohnBlank, 17.10.2011
2. Ausreden des Bundestags werden der Hit!
Alles nur eine Frage der Zeit. Wie immer wurden die Politiker gewarnt. VOR den Rettungsmillarden (und den noch kommenden) muss man harte Gesetze auf den Weg bringen. Aber der Bundestag will ja wie 2008 die gleichen Fehler machen. Dumm nur, dass kaum mehr Spielraum ist. Ich bin schon auf die Ausreden der Politikelite Berlins gespannt, wenn Frankreich fertig hat :) . Man kann den Mist der EU-Politik nur noch durch Hähme ertragen. Die Politik schießt sich nun selber ab *hahahaha
National-Oekonom, 17.10.2011
3. Eine Herabstufung Deutschlands wäre ein Segen für den Steuerzahler
...da dann das Gequatsche von Rettungsschirmen endlich aufhören würde und die selbsternannten und -hochstilisierten "EuroRetter" blamiert dastünden. Ackermann hat schon ganz recht: Er wird "der Politik" den geforderten Abschlag der "Privatbanken" auf die Griechenanleihen bieten. Dann darf man sich in Berlin überlegen, was man mit den öffentlich-rechtlichen Banken macht. Denn die müssten ja auch auf Anteile an den Griechen-Anleihen verzichten. Vor allem bin ich gespannt darauf, wie es mit der "Griechen-Rettung" dann weitergeht, denn der Geldbedarf Athens wird sich durch die Bankenbeteiligung nicht verbessern, ganz im Gegenteil, denn die Banken Griechenlands sind dann wahrscheinlich hinüber, und wer "rettet" die gr. Banken? Solange die Krise im Euro-Raum nicht systemisch begriffen wird, sondern nur als Folge populistischer Schlagzeilen, wird man der Lösung des Problems nicht näherkommen.
bauleiter 17.10.2011
4. Hilfe durch die Bürger möglich?
Falls durch eine Herabstufung der Bonität Deuschlands, was wohl auch kaum seriös wäre, die Zinsen für Staatsanleihen auch für Deutschland steigen würden, könnte die Regierung nicht verstärkt Bundesschatzbriefe herausgeben und sich das Geld zinsgünstig von seinen Bürgern leihen?? Ich würde auch einen Teil meines Geldes unserem Staat leihen, bevor unser Land auch in den Strudel der Finanzmafia gerät. Mich würde mal interessieren, was andere Forumsteilnehmer darüber denken.
mainzelmännchen 1 17.10.2011
5. Jahrelang hat man auf Top-Ökonomen...
...wie z.B. Prof. Homburg nicht gehört, stattdessen auf die Einblaserei von Ackermann et.al. - jetzt müssen wir alle büßen für die Unfähigkeit der Politik. Wir sollten es beiden jetzt richtig unangenehm machen - der Politik und den Banken.
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