Angst vor neuer Hungerkrise Sojapreis steigt in bedenkliche Höhe

Die Preise für Sojabohnen nähern sich rasant ihren Rekordständen von 2007 und 2008, der Zeit kurz vor dem Zusammenbruch der Finanzmärkte. Damals hatten die dadurch ausgelösten hohen Lebensmittelpreise weltweit für Unruhen gesorgt, und die Sorge vor der Wiederkehr der Krise wächst.
Vertrocknete Sojabohnen in Paraguay: Angst vor einer Lebensmittelkrise

Vertrocknete Sojabohnen in Paraguay: Angst vor einer Lebensmittelkrise

Foto: NORBERTO DUARTE/ AFP

London - Soja ist eine der am meisten verwendeten Nutzpflanzen: Weltweit werden Kühe, Schweine, Schafe und Geflügel mit den Bohnen gefüttert, als Öl wird Soja für Salate, zum Kochen, Braten und Backen verwendet - vor allem in der Industrie. Je teurer die Nutzpflanze wird, desto größer ist die Gefahr steigender Lebensmittelpreise. Der Sojapreis ist auf den höchsten Kurs seit vier Jahren gestiegen und liegt nur noch leicht unter dem Rekordstand vor Beginn der Finanzkrise.

Für die Verteuerung sind vor allem Dürren und Ernterückgänge in Lateinamerika sowie steigende chinesische Importe verantwortlich. Vor allem für China könnte der Preisanstieg laut "Financial Times" ("FT") zum Problem werden: Das Land importiert große Mengen Soja, und der Zeitung zufolge haben die Sojapreise großen Einfluss auf die chinesische Inflationsrate, die im März nach langer Zeit wieder deutlich auf 3,6 Prozent zurückgegangen war.

US-Bauern verkleinern Soja-Anbaufläche

Rohstoffhändler rechnen laut "FT" damit, dass die Preise auf 16 bis 17 Dollar je Scheffel steigen - der Rekord von 16,63 Dollar im Sommer 2008 dürfte damit gebrochen werden. Allein im vergangenen Monat hätten sich Sojabohnen um mehr als zehn Prozent verteuert - auch die Preise anderer Ölpflanzen wie beispielsweise Raps seien nahe ihrer Allzeithochs.

Vor allem in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay hat das Wetterphänomen La Niña mit heißem und trockenem Wetter die Sojaernte beeinträchtigt. In Lateinamerika wird mehr als die Hälfte der weltweiten Exporte produziert. Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums zufolge ist die weltweite Sojaernte in dieser Saison so stark zurückgegangen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1965.

Die Sojaernte sei deutlich schlechter ausgefallen als erwartet, zitiert die "FT" Alberto Weisser, den Geschäftsführer von Bunge, einem der weltweit größten Handelshäuser für Agrarrohstoffe. "Der Markt sendet ein klares Signal, dass die Landwirte besser planen müssen". Bauern in den USA, die etwa 40 Prozent der weltweiten Sojabohnen liefern, haben allerdings bereits angekündigt, mehr Mais anzupflanzen und die Anbauflächen für Soja zu verkleinern.

nck
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