Untreue-Vorwurf Middelhoff muss erneut vor Gericht

Thomas Middelhoff muss erneut vor den Strafrichter. Diesmal geht es um Anstiftung zur Untreue - der ehemalige Topmanager soll einen 2,3-Millionen-Sonderbonus zu Unrecht kassiert haben.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff
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Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff


Der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff steht ab Donnerstag wegen des Vorwurfs der Anstiftung zur Untreue vor Gericht. Mit Middelhoff werden sechs ehemalige Aufsichtsratsmitglieder des 2009 pleitegegangenen Handelskonzerns Arcandor auf der Anklagebank sitzen. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Bochum Untreue vor, wie ein Sprecher des Essener Landgerichts mitteilte.

Es geht um millionenschwere Bonuszahlungen und Abfindungen, die Middelhoff und einem weiteren Manager 2008 beim Ausscheiden aus der Unternehmensführung kurz vor der Pleite des Konzerns vom Aufsichtsrat zugebilligt worden waren. Die Zustimmung der Aufsichtratsmitglieder zu den Millionenzahlungen wertet die Anklagebehörde als Untreue, da die Manager keinen Anspruch auf das Geld gehabt hätten.

Unter den angeklagten Aufsichtsräten sind der ehemalige Chef des Kontrollgremiums, Friedrich Carl Janssen, und der Ehemann der Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz, Leo Herl. Untreue, aber auch die Anstiftung dazu kann mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Middelhoff legen die Staatsanwälte wegen seiner Mitwirkung an der Entscheidungsfindung Anstiftung zur Untreue zur Last. Middelhoffs Verteidigerin Anne Wehnert wies den Vorwurf allerdings zurück. "Wir sind zuversichtlich, dass die Beweisaufnahme die Vorwürfe rasch widerlegen wird", sagt sie.

Noch vor wenigen Jahren galt der 64-jährige Middelhoff als einer der einflussreichsten Firmenlenker Deutschlands. Als Bertelsmann-Chef brachte er dem Gütersloher Medienriesen Milliarden ein, danach machte er als Investmentbanker viel Geld in London und übernahm schließlich die Leitung des angeschlagenen Warenhaus-Konzerns KarstadtQuelle.

Doch der Einstieg bei KarstadtQuelle - später in Arcandor umbenannt - erwies sich als Wendepunkt in Middelhoffs Karriere. Es gelang ihm nicht, eine nachhaltige Erholung des Handelsriesen zu erreichen. Anfang 2009 warf er das Handtuch. Wenige Monate später meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die akribische Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters führte dann zum ersten Strafprozess, in dem Middelhoff nicht zuletzt wegen teurer Privatflüge auf Firmenkosten verurteilt wurde. Der Manager selbst, der einst Millionen verdiente, musste 2015 Privatinsolvenz anmelden.

Für den jetzt beginnenden Prozess sind insgesamt 34 Verhandlungstage bis zum 21. Dezember 2017 vorgesehen.

mik/dpa-AFX



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