Niederlage für ThyssenKrupp Franzosen jubeln über U-Boot-Deal

Die französische Regierung feiert den milliardenschweren U-Boot-Auftrag aus Australien. Das Nachsehen hat ThyssenKrupp, die Aktie fällt. Wirtschaftsminister Gabriel nennt das Ganze "bedauerlich".
DCNS-Prototyp für die Royal Australian Navy

DCNS-Prototyp für die Royal Australian Navy

Foto: DPA/ EPA/ DCNS GROUP

Nach der Niederlage im Kampf um einen milliardenschweren Rüstungsauftrag in Australien hat die Aktie des ThyssenKrupp-Konzerns deutlich nachgegeben. Zwischenzeitlich verlor das Papier gut fünf Prozent an Wert. Am Mittag stand die Aktie immer noch mit rund zwei Prozent im Minus.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, der Misserfolg des ThyssenKrupps-Konzerns sei "bedauerlich". Die Gründe kenne er aber nicht.

Der Essener Konzern versuchte unterdessen, das Debakel kleinzureden. Thyssenkrupp Marine Systems sei im U-Boot-Bereich gut ausgelastet und habe einen "soliden Auftragsbestand", womit eine gute Planbarkeit für die kommenden Jahre bestehe.

Ausgelassene Stimmung dagegen in Frankreich: Die französische Regierung reagierte begeistert auf den Milliardenauftrag für den Staatskonzern DCNS. Frankreichs Premierminister Manuel Valls sprach von einem "wunderbaren Erfolg". Die Aktien des wichtigen DCNS-Aktionärs Thales stiegen zwischenzeitlich um bis zu 3,9 Prozent auf ein neues Rekordhoch. Der Rüstungskonzern ist mit 35 Prozent an DCNS beteiligt.

DCNS erhält Auftrag in Wert von rund 34 Milliarden Euro

DCNS hatte den Zuschlag für den Bau von zwölf U-Booten der australischen Marine erhalten. Das Auftragsvolumen könnte sich inklusive der jahrzehntelangen Wartung auf umgerechnet rund 34 Milliarden Euro belaufen. Bereits im Januar hatten Insider ThyssenKrupp schwindende Chancen attestiert. Als Grund nannten sie technische Bedenken. ThyssenKrupp hatte noch versucht, im Rennen zu bleiben, und zuletzt damit geworben, die Boote in Australien zu bauen - wichtig für Tausende Jobs in den Werften des Landes. Doch die Anstrengung lief letztlich ins Leere.

Die Australier wollen ihre Flotte mit U-Booten in der Größe von 4000 Tonnen modernisieren. Der französische Staatskonzern bietet eine dieselelektrische Version seines 5000-Tonnen-U-Boots Barracuda an. Der Australienchef von DCNS, Sean Costello, hatte gesagt, die Erfahrungen mit großen U-Booten seien für das Projekt in Australien wichtig. Ein japanisches Konsortium um Mitsubishi Heavy Industries und Kawasaki Heavy Industries hatte sich als dritter Bieter Medienberichten zufolge kürzlich zurückgezogen. Es galt ursprünglich als Favorit.

ThyssenKrupp ist einer der größten U-Boot-Produzenten der Welt und konkurriert hier mit Rüstungskonzernen wie der britischen BAE Systems und General Dynamics aus den USA. Der Essener Konzern hatte bei seiner Bewerbung darauf verwiesen, seit Jahrzehnten im Geschäft zu sein und U-Boote für rund 20 Staaten gebaut zu haben, darunter für Israel, Italien, Korea und Brasilien. Die jetzigen U-Boote mit 2200 Tonnen könnten auf 4000 Tonnen ausgebaut werden, hatte der zuständige Bereichsvorstand Hans Christoph Atzpodien gesagt.

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Die Boote sollen überwiegend in Australien hergestellt werden, unter Einbeziehung der führenden australischen Marinewerft, der staatlichen ASC (früher: Australian Submarine Corporation). Sie baute die sechs U-Boote der Collins-Klasse, die zwischen 1994 und 2003 in Dienst gestellt wurden und jetzt abgelöst werden sollen. Die Fertigung der neuen U-Boote soll in wenigen Jahren beginnen, das erste U-Boot soll etwa 2030 übergeben werden.

DCNS-Entwurf für die Royal Australian Navy

DCNS-Entwurf für die Royal Australian Navy

Foto: DCNS/REUTERS
msc/Reuters/dpa
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