Immobiliengesellschaft Bund verkauft mehr als 11.000 Wohnungen

Der Bund hat seine Immobiliengesellschaft TLG Wohnen für mehr als 470 Millionen Euro an einen Investor verkauft. Die 11.350 Wohnungen werden von einer Hamburger Firma übernommen. Die Mieter sollen mit einer Sozialcharta vor Kündigungen und Luxussanierungen geschützt werden.

Plattenbau in Dresden: Bund verkauft 11.350 Wohnungen in Berlin, Dresden und Rostock
DPA

Plattenbau in Dresden: Bund verkauft 11.350 Wohnungen in Berlin, Dresden und Rostock


Berlin/Hamburg - Der Bund verkauft erneut eine staatliche Immobiliengesellschaft: Die TLG Wohnen mit 11.350 Wohnungen vor allem in Berlin, Dresden und Rostock wird an die Hamburger TAG Immobilien AG verkauft. Der Kaufpreis betrage 471 Millionen Euro, teilte TAG Immobilien am Montag mit. Darin seien Verbindlichkeiten in Höhe von rund 256 Millionen Euro enthalten. Zur Finanzierung des Barkaufpreises von rund 218 Millionen Euro werde eine Kapitalerhöhung über bis zu 30 Millionen neue Aktien durchgeführt, teilte der Konzern mit. Vollzogen werden soll die Übernahme in den nächsten Wochen.

Für die auf Ostdeutschland spezialisierte frühere Treuhand-Tochter hatten mehrere Immobilien- und Finanzinvestoren geboten, die vor allem an den Wohnungen mit einer Mietfläche von etwa 697.000 Quadratmetern interessiert sind. Die derzeitige Jahres-Miete liegt bei rund 42,4 Millionen Euro, der Leerstand beträgt 4,7 Prozent. Die Mieten in Deutschland gelten im internationalen Vergleich als günstig. Neben finanzstarken Geldgebern hatte sich auch die Linkspartei über eine Genossenschaft an dem Bieterwettbewerb beteiligt.

Zum Schutz der Mieter ist dem Bundesfinanzministerium zufolge eine umfassende Sozialcharta zwischen Bund und Käufer abgeschlossen worden, die "deutlich über die geltenden Mieterschutzvorschriften" hinausgehe. Die Charta sehe vor, dass alle bestehenden Mietverträge unverändert übernommen werden. Mieter erhalten fünf Jahre Schutz vor Kündigungen wegen Eigenbedarfs sowie zehn Jahre Schutz vor Mieterhöhungen wegen Luxussanierung. Ältere und schwerbehinderte Mieter erhalten ein lebenslanges Wohnrecht.

Die TLG war 1991 als Treuhand Liegenschaftsgesellschaft gegründet worden, um nicht-betriebsnotwendige Grundstücke von DDR-Betrieben zu vermarkten. Zum Portfolio gehören neben den Wohnungen auch Büro- und Gewerbeimmobilien. Der deutsche Wohnimmobilienmarkt weckt zunehmend das Interesse ausländischer Anleger.

Kurs der TAG-Aktie sinkt

Nach Abschluss des Kaufs verfüge die Hamburger Firma TAG über rund 69.000 Wohneinheiten mit einer Gesamtfläche von 4,17 Millionen Quadratmetern und eine Bilanzsumme von über 3,6 Milliarden Euro. Die Jahresnettokaltmiete betrage dann 254 Millionen Euro. Die Aktien von TAG Immobilien fielen nachdem der Kauf bekanntgegeben wurde um 2,4 Prozent.

Auch die Gewerbeeinheiten der TLG sollen verkauft werden, offenbar noch vor Jahresende. Die Verhandlungen befinden sich nach Angaben des Bundesfinanzministeriums "in der finalen Phase". Den Zuschlag für die TLG Immobilien GmbH mit rund 1150 Gewerbeimmobilien werde es voraussichtlich in den kommenden Wochen geben, teilte das Ministerium am Montag mit und bestätigte damit Informationen aus Regierungs- und Finanzkreisen.

nck/dpa/Reuters



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spon-facebook-10000283853 19.11.2012
1. optional
Wann wird auch dem Dümmsten klar, dass staatlicher Wohnungsbau immer scheitert?
M. Michaelis 19.11.2012
2.
Zitat von spon-facebook-10000283853Wann wird auch dem Dümmsten klar, dass staatlicher Wohnungsbau immer scheitert?
Der Glaube der Deutschen in die Allmacht des Staates ist unerschütterlich, trotz Nazi- und DDR Diktatur.
mallorcafan 19.11.2012
3. Damit
Zitat von sysopDPADer Bund hat seine Immobiliengesellschaft TLG Wohnen für mehr als 470 Millionen Euro an einen Investor verkauft. Die 11.350 Wohnungen werden von einer Hamburger Firma übernommen. Die Mieter sollen mit einer Sozialcharta vor Kündigungen und Luxussanierungen geschützt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tlg-wohnen-bund-verkauft-mehr-als-11-000-wohnungen-a-868039.html
sind die Wohnungen dem Verfall geopfert und die Mieter werden vorher noch schnell abgezockt.
aleger3 19.11.2012
4. Kein Land in Europa
hat so wenig Wohneigentum wie Deutschland. Warum bietet die Treuhand-Nachfolgerin nicht die jeweilige Wohnung dem jeweiligen Bewohner an, für durchschnittlich 40k€, macht bei heutigem Zinssatz eine Abzahlung von so um die 150€ im Monat? Es ist nur traurig, dass auch nach 22 Jahren die unselige Treuhand-Politik fortgesetzt wird, also Verkauf an einen Investor, der mit Sicherheit mehr als 150€ pro Wohnung und Monat erlösen will.
elbdampfer 19.11.2012
5. Schade
Zitat von sysopDPADer Bund hat seine Immobiliengesellschaft TLG Wohnen für mehr als 470 Millionen Euro an einen Investor verkauft. Die 11.350 Wohnungen werden von einer Hamburger Firma übernommen. Die Mieter sollen mit einer Sozialcharta vor Kündigungen und Luxussanierungen geschützt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tlg-wohnen-bund-verkauft-mehr-als-11-000-wohnungen-a-868039.html
Blöd, dass die linke Genossenschaft nicht zum Zuge kam. Ich hätte mir zu gern mal (aus der Ferne) angesehen, wie die Linke die Wohnungen ihrer Klientel kostendeckend und sozialverträglich bewirtschaftet.
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