Tony Hayward BP-Chef muss Ölpest-Krisenmanagement abgeben

BP zieht personelle Konsequenzen: Der heftig kritisierte Chef Tony Hayward muss die Leitung im Kampf gegen die Ölpest abgeben. Der Konzern gerät derweil wegen nicht getätigter Opfer-Entschädigungen unter Druck: Erst ein Bruchteil der Millionen-Forderungen sollen gezahlt worden sein.

BP-Chef Hayward: US-Präsident Obama sagte, er hätte ihn schon längst gefeuert
AFP

BP-Chef Hayward: US-Präsident Obama sagte, er hätte ihn schon längst gefeuert


London - Diese Woche ist besonders hart für Tony Hayward: Einen Tag nach seiner äußerst kritischen Anhörung im US-Kongress ist der umstrittene BP-Chef jetzt vom Krisenmanagement der Ölpest im Golf von Mexiko abgezogen worden. Die Aufgabe solle BP-Manager Robert Dudley übernehmen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Henric Svanberg am Freitag dem Fernsehsender Sky News. Dudley war erst kurz zuvor als Chef einer neuen BP-Abteilung für Katastrophenmanagement ernannt worden.

Hayward sei "direkt nach der Explosion dorthin gefahren und hat unsere Reaktion seither angeführt", sagte Svanberg. "Ich denke, jeder hat geglaubt, dass wir damit schneller fertig werden könnten und er dann wiederkommen könne", fügte der Aufsichtsratschef hinzu. Hayward werde das tägliche Management der Ölpest an Dudley übergeben und "mehr zu Hause sein", sagte Svanberg dem britischen Fernsehsender.

Der 53-jährige Hayward kam 1982 als Ingenieur zu BP. Vor drei Jahren wurde er Chef des Ölriesen und versprach, das Unternehmen grundlegend umzubauen und BP wieder ein besseres Image zu verpassen. Das glückte in der Krise nicht: US-Medien hatten Hayward zum "Gesicht der Ölpest" erklärt.

In einer Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag war der BP-Chef äußerst scharf angegangen worden und hatte schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Ölunfall eingestanden. Hayward war bereits zuvor in die Kritik geraten, weil er die Folgen der Katastrophe zunächst heruntergespielt und geklagt hatte, er wolle "sein altes Leben wiederhaben". Bei der Bohrinsel-Explosion waren elf Arbeiter ums Leben gekommen, deren Angehörige auf diese Äußerungen empört reagierten.

Hayward entschuldigte sich später für seinen Verbalausfall, konnte aber eine PR-Katastrophe für BP nicht mehr aufhalten - es war nicht der erste Lapsus, den sich der Konzernchef erlaubte. US-Präsident Barack Obama hatte in der vergangenen Woche gesagt, er hätte Hayward "längst gefeuert".

BP zu zögerlich mit Entschädigungen Auf Druck von Obama hatte Hayward Anfang der Woche der Einrichtung eines 20 Milliarden Dollar schweren Fonds zugestimmt, mit dessen Hilfe die Folgen der Ölpest beseitigt und Opfer entschädigt werden sollen. Der Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses bemängelt allerdings, dass diese Entschädigungszahlungen nicht schnell genug kommen. Erst zwölf Prozent der von Unternehmen und Privatpersonen eingebrachten Forderungen seien bis Dienstag erfüllt worden, hieß es am Freitag, also rund 70 Millionen von geschätzten 600 Millionen Dollar.

BP bestreitet diese Angaben des Repräsentantenhauses jedoch und nennt eigene Zahlen: Bereits etwa der Hälfte von rund 60.000 Forderungen sei man bisher nachgekommen, stellte Unternehmenssprecher Scott Dean am Freitag klar. Die ausgezahlten Entschädigungen summierten sich auf 95 Millionen Dollar.

Am 20. April war eine Ölbohrinsel von BP explodiert und zwei Tage später gesunken. Seither strömen Millionen Liter von Öl ins Meer, das einzigartige Ökosystem an der Küste von mehreren US-Bundesstaaten und die umfangreiche Fischereiindustrie trugen schweren Schaden davon.

Auch seitens der Finanzwelt gerät BP weiter unter Druck. Gleich zwei Rating-Agenturen korrigierten am Donnerstag und Freitag ihre Einstufung für die Kreditwürdigkeit des Unternehmens nach unten. Die Agentur Moody's tat dies bereits zum zweiten Mal - und vergab diesmal eine gleich drei Stufen niedrigere Note.

lgr/can/AFP/AP/Reuters/dpa

insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
running_on_empty 18.06.2010
1. Das ist nicht der eigentliche Skandal!
Derzeit folgen deutsche Medien den US-amerikanischen Vorgaben: möglichst keine Infos über das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe, dafür aber das Sündenbockspiel um BP mit dem Ziel, die Obama-Administration gut aussehen zu lassen. Die Details, die mittlerweile über engagierte Blogger u.a. zu erfahren sind, lassen offen fragen, warum die US-Regierung nicht die Küstengebiete evakuiert. Stattdessen inszeniert sie sich selbst durch Schuldzuweisungen an andere, um selbst aus dem Schneider zu sein. Gerald Celente machte vorgestern in dem Zusammenhang nochmal darauf aufmerksam, daß es die vielfältig erleichterten Genehmigungsverfahren und Hilfestellungen der Obama-Administration im vergangenen Jahr waren, die erst die schlecht gesicherten Tiefseebohrungen ermöglicht haben. Um es deutlich zu sagen: es geht nicht um einen etwas "größeren" Schaden oder eine "gewöhnliche" Umweltkatastrophe im Umfeld der Ölförderung. Wenn sich Befürchtungen, die derzeit von russischen ,Wissenschaftler und anderen Experten, die vor Ort gewesen sind, bestätigen, dann erleben wir in Kürze eine Katastrophe, wie sie die Welt seit dem letzten großen Massensterben vor 65 Millionen Jahren auf diesem Planeten noch nicht gesehen hat. Dagegen war Tschernobyl ein überschaubarer Spaziergang. Und was tun unsere sogenannten "Qualitätsmedien"? Sie berichten lieber ausführlich über Fussball, die unsägliche Regierungspolitik und die Frage, wo man in Zeiten der Eurokrise am besten Geld anlegen kann.
Hovac 18.06.2010
2. Ähm
"Am 20. April war eine Ölbohrinsel von BP explodiert und zwei Tage später gesunken. Seither strömen Millionen Liter von Öl ins Meer, das einzigartige Ökosystem an der Küste von mehreren US-Bundesstaaten und die umfangreiche Fischereiindustrie trugen schweren Schaden davon." , habe ich da was verpasst, das Loch ist immer noch offen, wie kann man da von trugen sprechen. Tragen weiterhin, in welche Richtung soll hier die Berichterstattung gehen?
Klaus.G 18.06.2010
3. Hier
läuft die gigantischste Umweltvergiftung der Geschichte und die diskutieren über Krisenmanagement. Absurd, ich vermisse konkrete Vorschläge zum schließen des Bohrloches!!!
Klaus.G 18.06.2010
4. Hundertprozentige Zustimmung
Zitat von running_on_emptyDerzeit folgen deutsche Medien den US-amerikanischen Vorgaben: möglichst keine Infos über das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe, dafür aber das Sündenbockspiel um BP mit dem Ziel, die Obama-Administration gut aussehen zu lassen. Die Details, die mittlerweile über engagierte Blogger u.a. zu erfahren sind, lassen offen fragen, warum die US-Regierung nicht die Küstengebiete evakuiert. Stattdessen inszeniert sie sich selbst durch Schuldzuweisungen an andere, um selbst aus dem Schneider zu sein. Gerald Celente machte vorgestern in dem Zusammenhang nochmal darauf aufmerksam, daß es die vielfältig erleichterten Genehmigungsverfahren und Hilfestellungen der Obama-Administration im vergangenen Jahr waren, die erst die schlecht gesicherten Tiefseebohrungen ermöglicht haben. Um es deutlich zu sagen: es geht nicht um einen etwas "größeren" Schaden oder eine "gewöhnliche" Umweltkatastrophe im Umfeld der Ölförderung. Wenn sich Befürchtungen, die derzeit von russischen ,Wissenschaftler und anderen Experten, die vor Ort gewesen sind, bestätigen, dann erleben wir in Kürze eine Katastrophe, wie sie die Welt seit dem letzten großen Massensterben vor 65 Millionen Jahren auf diesem Planeten noch nicht gesehen hat. Dagegen war Tschernobyl ein überschaubarer Spaziergang. Und was tun unsere sogenannten "Qualitätsmedien"? Sie berichten lieber ausführlich über Fussball, die unsägliche Regierungspolitik und die Frage, wo man in Zeiten der Eurokrise am besten Geld anlegen kann.
eine nie dagewesene Umweltkatastrophe nimmt ihren verhängnisvollen Verlauf und nur eine Minderheit zeigt Interesse. Das ist der reine Wahnsinn. Und die Medien sind wieder Handlanger der Verbrecher indem sie das Thema klein- halten und damit mitschuldig sind. Statt dessen wird die Bevölkerung mit Fußball WM, Merkel und Co. vollgedröhnt und narkotisiert. Armes Deutschland, bin ich froh dass ich schon im fortgeschrittenen Alter angekommen bin.
Hovac 18.06.2010
5. An
der Beteiligung hier im Forum sieht man ja das es klappt. Keine Bilder in den Medien, große Zensurgeschütze auffahren, die Demokratie vorführen und dafür dann belohnt werden. Einfach peinlich. Wenn ich demnächst nicht endlich drastische Beschreibungen und Bilder in der Tagesschau sehe, werde ich mich von der GEZ abmelden. Das ist nur noch lächerlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.