Transparency International Korruption befeuert Aufstieg der Populisten

Korrupte Praktiken sind weltweit wieder auf dem Vormarsch, meldet Transparency International. Die Organisation warnt: Wo etablierte Politiker zu wenig gegen Korruption täten "wenden sich die Menschen Populisten zu".

Präsident Erdogans Türkei: Abstieg im Transparency-Ranking
AP/ Presidency Press Service

Präsident Erdogans Türkei: Abstieg im Transparency-Ranking


Die Organisation Transparency International (TI) warnt vor einem weltweiten Vormarsch der Korruption. Nach Verbesserungen im Vorjahr habe es 2016 deutlich mehr Länder gegeben, in denen sich korrupte Praktiken ausweiteten, als solche, in denen sich die Lage verbessert habe. 69 Prozent der 176 untersuchten Länder erreichten in dem aktuellen Korruptionsindex weniger als 50 Punkte.

Der Corruption Perceptions Index (CPI) (hier geht's zum Transparency-Bericht) reicht von 0 bis 100, wobei 100 für den niedrigsten Korruptionsgrad steht. Der CPI listet 176 Länder auf. Da korrupte Praktiken in der Regel im Verborgenen bleiben, misst der Index, wie die Korruption in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommen wird. Er stützt sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen von unabhängigen Institutionen.

Wasser auf die Mühlen von Populisten

Die ausufernde Korruption in vielen Ländern der Welt gibt nach Einschätzung von TI Populisten Rückenwind. "Die Menschen sind die zu vielen leeren Versprechungen der Politiker, etwas gegen die Korruption zu tun, leid und wenden sich populistischen Politikern zu, die einen Systemwandel versprechen", schreibt die Organisation in ihrem Jahresbericht.

Diese Hoffnungen würden sich allerdings in der Regel nicht erfüllen. "Statt den Vetternwirtschafts-Kapitalismus anzugehen, errichten diese Führer oft noch schlimmere Formen korrupter Systeme", sagt Transparency-Chef José Ugaz. Nur dort, wo es Meinungsfreiheit, Transparenz und starke demokratische Institutionen gebe, könne Korruption erfolgreich bekämpft werden.

Als Beispiele führt der Bericht Länder wie die Türkei oder Ungarn auf, die eine autoritäre Politik verfolgen. Im Korruptionsindex CPI seien diese Länder aber weiter abgerutscht. Dagegen beginne sich die Lage in Argentinien, wo eine populistische Regierung 2015 abgewählt wurde, zu verbessern.

Deutschland auf Rang 10

Im Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 2016 behauptet Dänemark den Spitzenplatz, als das Land mit der niedrigsten wahrgenommenen Korruption. Neuseeland liegt gleichauf, es folgt Finnland. Deutschland steht unverändert auf Platz 10. Am untersten Ende der Skala rangiert im zehnten Jahr hintereinander Somalia. Den vorletzten Platz belegt der Südsudan knapp unter Nordkorea.

Am stärksten verschlechtert hat sich im Jahresvergleich Katar, das 10 Punkte einbüßte. "Die Fifa-Skandale, die Ermittlungen zur Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 in Katar und Berichte über Menschenrechtsverletzungen bei Arbeitsmigranten haben die Wahrnehmung des Landes klar beeinträchtigt", so Transparency-Chef Ugaz. Verbessert habe sich die Situation unter anderem in Weißrussland, Myanmar und Afghanistan.

beb/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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dreamrohr2 25.01.2017
1.
Korruption findet immer auf hohem Niveau statt. Im alltäglichen Leben, kann die Korruption nur schwach bis gar nicht stattfinden, der kleine Bürger hat nicht die Möglichkeit in unserem System, großartig korruptiv zu agieren. Daher ist Deutschland noch auf Platz 10 zu finden. Betrachtet man dagegen die Korruption auf höherem Niveau, wird man schnell fündig. So z.B. den Bau des Berliner Flughafens, die Kosten ufern zu allen Seiten aus. Die Philarmonie in Hamburg ist ebenfalls ein Beispiel für gut funktionierende Korruption, ebenso wie z.B. das Vorhaben an der A3 eine neue Rheinbrücke zu bauen, weil die aktuelle marode ist. Soweit nichts einzuwenden, aber betrachtet man das Vorhaben, die neue Brücke auf einem Grundstück einer ehemaligen, stillgelegten Müllkippe zu bauen, so darf sich die Frage stellen lassen, weshalb man diese Müllkippe, die nachweislich Umweltgifte der Firma Bayer beherbergt, so plötzlich zur Verfügung stellt? Ganz einfach, Bayer will sich seiner Verantwortung stehlen und die Entsorgung dieser Gifte der Bevölkerung in den Schoß stellen, nebenbei verdienen die mit dem Verkauf des Grundstücks auch noch riesig. Das ist auch Korruption. Würde die fast nicht vorhandene Korruption auf Bürgerlevel nicht die Korruption im großen Stil "aufwiegen", so würde sich Deutschland bestimmt nicht unter den ersten 10 "Sauberen" Staaten wiederfinden.
steinbock8 25.01.2017
2. Populismus
ist das Ergebnis der schwachen Politik der etablierten Parteien die Wähler dieser populistischen Parteien haben gemerkt das die Politik kein wirkliches Interesse an ihnen hat die Korruption auf allen ebnen auch in der Politik tut ihr übriges
solltemanwissen 25.01.2017
3.
Paradoxerweise werden dann aber als Konsequenz Regierungen gewählt, die an Korruption alles je dagewesene mit weitem Abstand in den Schatten stellen. In den USA regiert ein Mann, der schamlos Familie mit Pöstchen ausstattet, unverhohlen Manager von Öl und Finanzindustrie an die Schalthebel setzt und ganz nebenbei noch einen eigenen Immonilienkonzern leitet, bei dem er sich weigert, den ganz offensichtlichen Interessenkonflikt aufzulösen. Dazu besteht sein Hobby darin, per Twitter Unternehmen anzuschießen und den Börsenkurs abschmieren zu lassen. Im Vergleich dazu Brüssel quasi frei von Lobbyismus.
clausbremen 25.01.2017
4. Wenn ...
... es nicht so traurig wäre, müsste man sich darüber amüsieren. Die Selbsternannten Korruptionsermittler massen sich an, über Regierungen als"populistisch" oder "autoritär" zu urteilen, also den demokratischen Zollstock zu schwingen. Wenn das richtig sein sollte, wo bleibt da der Seitenhieb auf Deutschland? Mehr Autoritätsgehabe gibt's nicht in vielen Ländern. Und die grosse Frage bleibt, wie man in Nordkorea die dort gefühlte Korruption gemessen hat. Per Telefonumfrage?
HansPa 25.01.2017
5. Nicht nur Korruption
Wo man Menschen Korruption, Gier, Rücksichtslosigkeit und Verantwortungslosigkeit als soziale Marktwirtschaft und Sozialdemokratie verkauft, wenden sich die Menschen Populisten zu.
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