Trennung vom Beratungsgeschäft EU will Macht der Wirtschaftsprüfer brechen

Weniger Einfluss und mehr Regeln: Das plant die EU-Kommission für Wirtschaftsprüfer wie Deloitte und KPMG. Sie sollen künftig keine Unternehmensberatung mehr anbieten - bislang ein lukratives Geschäft für die Firmen. So will die Brüsseler Behörde künftig Bilanzskandale verhindern.
Die Hauptzentrale der EU-Kommission in Brüssel: Unabhängige Urteile über Firmen

Die Hauptzentrale der EU-Kommission in Brüssel: Unabhängige Urteile über Firmen

Foto: © Yves Herman / Reuters

Hamburg - Die EU-Kommission will die Macht der großen Wirtschaftsprüfer mit neuen Regeln für die Branche brechen: Künftig sollten die Marktführer Deloitte, PwC, Ernst & Young und KPMG keine Unternehmensberatung mehr anbieten dürfen, berichtet die Financial Times Deutschland . Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag wolle Binnenmarktkommissar Michel Barnier im November vorlegen.

Damit will die Kommission dem Bericht zufolge sicherstellen, dass die Wirtschaftsprüfer in ihrem Urteil über Firmen unabhängig sind und sich nicht von lukrativen Beratungsaufträgen beeinflussen lassen. Künftig sollen große Konzerne zudem zwei Prüfer engagieren. Mindestens einer davon soll von einem kleineren Unternehmen kommen, das nicht zu den vier Marktführern gehört. Nach spätestens neun Jahren sollen die Unternehmen dann den Anbieter wechseln.

Mit der Regulierung reagiert die EU-Kommission auf Bilanzskandale wie die Affäre um den US-Energiekonzern Enron. Nach dessen Kollaps war dem Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen vorgeworfen worden, trotz Zweifel an Enrons Bilanzierungspraktiken nichts getan zu haben.

Derzeit bieten alle großen Wirtschaftsprüfer auch Unternehmensberatung an. Denn in der Wirtschaftsprüfung erreichen die Unternehmen seit Jahren kaum noch Wachstum, die Kunden wollen immer mehr Kosten senken. Doch das Beratungsgeschäft boomt und ist wegen hoher Gewinnmargen auch besonders profitabel. Allein in Deutschland beschäftigen die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften knapp 30.000 Mitarbeiter und erreichen einen Jahresumsatz von mehr als vier Milliarden Euro.

kpa/dapd
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