Trotz Ganztagsbetreuung Alleinerziehende darf in Teilzeit arbeiten

Darf eine geschiedene Mutter in Teilzeit arbeiten, obwohl ihr Kind ganztags versorgt wird? Ja, meint das Oberlandesgericht Zweibrücken - und begründet das mit dem hohen Betreuungsaufwand für die Alleinerziehende außerhalb der Kita-Öffnungszeiten.

Mutter-Kind-Szene in einer Fußgängerzone: Vater muss mehr Unterhalt zahlen
AP

Mutter-Kind-Szene in einer Fußgängerzone: Vater muss mehr Unterhalt zahlen


Zweibrücken - Dieses Urteil stärkt Alleinerziehenden den Rücken: Nach einer Scheidung muss die Mutter eines Kindes im Vorschul- oder Grundschulalter nicht in Vollzeit arbeiten. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Pfälzischen Oberlandesgerichts (OLG) Zweibrücken hervor. Dies gilt selbst dann, wenn das Kind ganztätig in einem Kinderhort oder einer Kindertagesstätte betreut wird.

Mehr als eine Teilzeitstelle mit 30 Wochenstunden könne der Frau nicht zugemutet werden, erklärte das OLG. Denn die Betreuung eines Kindes im Vorschul- oder Grundschulalter erfordere auch außerhalb der Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen einen hohen Einsatz. Bei voller Erwerbstätigkeit könne dies den betreuenden Elternteil schnell überfordern.

Das Gericht hob mit seinem Urteil eine Amtsgerichts-Entscheidung auf. Die Mutter hatte dort vergeblich darauf geklagt, dass ihr geschiedener Ehemann mehr Unterhalt zahlen muss. Der Ex-Mann hatte das mit der Begründung abgelehnt, die Frau könne voll erwerbstätig sein, weil das fünfjährige Kind tagsüber in einer Kindertagesstätte betreut werde. (Aktenzeichen: 2 UF 32/10)

yes/dpa



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daggibaba, 03.02.2011
1. "Ganztags"-Betreuung
Vielleicht haben sich die Richter ja auch mal die sogenannte Ganztags-Betreuung angeschaut. Die endet in vielen Krippen und KiTas gegen 16 Uhr, maximal 17 Uhr. So, und dann rechnen wir mal eine Vollzeitstelle dagegen. Und zwar mit den üblichen Überstunden - denn zumindest in meinem Bekanntenkreis gibt es nirgends mehr feste Schichtzeiten oder eine 38,5-Stunden-Woche. Und die Fahrzeiten bitte auch noch dazu addieren. Schon doof, oder? Leider gab es ja auch noch ein anderes Gerichtsurteil. Da hatte eine Frau eine Stelle und einen Betreuungsplatz. Vollzeit konnte sie nicht arbeiten, weil das mit den Betreuungszeiten nicht vereinbar war. In diesem Fall meinten die Richter einfach, die Dame müsse sich halt einen Job suchen, der genau zu den begrenzten Öffnungszeiten der Kindereinrichtung paßt. Ja klar, da hat man sicher eine super Auswahl... Vereinbarkeit von Beruf und Familie, da hat Deutschland noch ganz schön Nachholbedarf.
Hardliner 1, 03.02.2011
2. Auf Kosten anderer?
Zitat von daggibabaVielleicht haben sich die Richter ja auch mal die sogenannte Ganztags-Betreuung angeschaut. Die endet in vielen Krippen und KiTas gegen 16 Uhr, maximal 17 Uhr. So, und dann rechnen wir mal eine Vollzeitstelle dagegen. Und zwar mit den üblichen Überstunden - denn zumindest in meinem Bekanntenkreis gibt es nirgends mehr feste Schichtzeiten oder eine 38,5-Stunden-Woche. Und die Fahrzeiten bitte auch noch dazu addieren. Schon doof, oder? Leider gab es ja auch noch ein anderes Gerichtsurteil. Da hatte eine Frau eine Stelle und einen Betreuungsplatz. Vollzeit konnte sie nicht arbeiten, weil das mit den Betreuungszeiten nicht vereinbar war. In diesem Fall meinten die Richter einfach, die Dame müsse sich halt einen Job suchen, der genau zu den begrenzten Öffnungszeiten der Kindereinrichtung paßt. Ja klar, da hat man sicher eine super Auswahl... Vereinbarkeit von Beruf und Familie, da hat Deutschland noch ganz schön Nachholbedarf.
Jeder kann bei uns nach seiner Fasson leben - aber nicht unbedingt auf Kosten anderer. Und hier meine ich diejenigen, die das Aufstocken oder andere Sozialleistungen finanzieren müssen. Vielleicht bekommt die Frau ja Unterhalt von ihrem Ex (was immer seltener wird). Dann käme sie mit einem Halbtagesjob aus.
Gebetsmühle 03.02.2011
3. kein tittel
Zitat von sysopDarf eine geschiedene*Mutter*in Teilzeit*arbeiten, obwohl ihr Kind ganztags*versorgt wird? Ja, meint das Oberlandesgericht Zweibrücken - und begründet das mit dem hohen Betreuungsaufwand für die Alleinerziehende*außerhalb der Kita-Öffnungszeiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743309,00.html
wieso sollte die frau das nicht tun dürfen? wie lange sie arbeitet, ist doch ihre privatsache. das hat doch nix mit der kita zum tun. es ist doch erbärmlich für dieses land, dass darüber erst ein gericht entscheiden muss.
loncaros 03.02.2011
4. t
Zitat von Gebetsmühlewieso sollte die frau das nicht tun dürfen? wie lange sie arbeitet, ist doch ihre privatsache. das hat doch nix mit der kita zum tun. es ist doch erbärmlich für dieses land, dass darüber erst ein gericht entscheiden muss.
Es ist eben nicht ihre Privatsache, weil an ihrem Einkommen gemessen wird wieviel Unterhalt der Ex zahlen muss. Man man man.
Gebetsmühle 03.02.2011
5. kein tittel
Zitat von loncarosEs ist eben nicht ihre Privatsache, weil an ihrem Einkommen gemessen wird wieviel Unterhalt der Ex zahlen muss. Man man man.
eben dieses ist auch ihre privatsache und hat mit der kitabetreuung überhaupt nix zum tun.
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