Trotz Mini-Wachstum Griechischer Schuldenberg wächst und wächst

Die Wirtschaft meldet ein erstes Plus, doch auch die Schulden wachsen: Deshalb steigt Griechenlands Gesamtverschuldung laut EU auf einen neuen Rekordwert. Die Mehrheit der Griechen glaubt, das Land sei auf dem falschen Weg - viele befürchten eine weitere Verschlechterung der Lage.

Akropolis in Athen: 37 Prozent wollen nicht mehr wählen gehen
AP

Akropolis in Athen: 37 Prozent wollen nicht mehr wählen gehen


Brüssel - Zwei Zahlen wurden am Freitag zur Lage Griechenlands veröffentlicht, nur eine davon gab Grund zur Hoffnung: Laut einer ersten Schätzung des europäischen Statistikamts Eurostat ist die griechische Wirtschaft Anfang 2011 im Vergleich zum Vorquartal um 0,8 Prozent gewachsen - deutlich mehr als erwartet. Doch Entwarnung wollte die EU-Kommission in ihrer Frühjahrskonjunkturprognose nicht geben. Ihr zufolge kommt das von einer Staatspleite bedrohte Land nicht von seiner hohen Verschuldung herunter.

Die Neuverschuldung werde von 9,5 Prozent der Wirtschaftsleistung 2011 im kommenden Jahr nur geringfügig auf 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken, heißt es in dem Bericht. Der gesamtstaatliche Schuldenberg werde sogar von knapp 158 Prozent der Wirtschaftsleistung 2011 im kommenden Jahr auf gut 166 Prozent steigen. Laut den Defizitkriterien der EU darf die Neuverschuldung höchstens drei und die Gesamtverschuldung höchstens 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen.

Angesichts der nach wie vor hohen Schulden wird in der EU mittlerweile ein neues Hilfspaket debattiert, das nach bisher nicht offiziell bestätigten Informationen eine Höhe von 30 bis 60 Milliarden Euro haben könnte. Beobachter befürchten, dass Griechenland nicht wie zunächst geplant im kommenden Jahr wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren, sich also selbständig Geld leihen kann. Das Land bekommt bereits Hilfen von Europäern und dem Internationalen Währungsfonds von 110 Milliarden Euro.

Auch die Gefahr eines Zahlungsausfalls in Griechenland oder einem anderen Land der Euro-Zone ist laut dem Chef des Euro-Stabilitätsfonds EFSF, Klaus Regling, nicht gebannt. "Die Möglichkeit ist da", sagte Regling auf einer Podiumsdiskussion in München. Bislang hätten Griechenland, Irland und Portugal aber lediglich mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen. "Es geht jetzt um drei relativ kleine Staaten", sagte er. "Die brauchen weiterhin unsere Hilfe. In dem Liquiditätsfall ist es bislang nicht gerechtfertigt, private Gläubiger einzubeziehen."

Sollte allerdings die Staatsfinanzierung unmöglich werden, müssten auch private Geldgeber mit Einschnitten rechnen. "Es ist unabdingbar: Wenn eine Insolvenzsituation vorliegt, werden natürlich auch die privaten Gläubiger miteinbezogen."

Regling warb um Unterstützung für Athen. "Wir sollten den Griechen eine Chance geben." Der Königsweg, um der Staatsfinanzkrise zu entkommen, seien Privatisierungen. Griechenland peile bis 2015 Erlöse aus Verkäufen von Staatseigentum von 50 Milliarden Euro an. "Das wird nicht einfach sein", sagte er. "Mein Gefühl ist, dass das nicht ganz erreichbar sein wird. Aber mit einem Teil der Summe ist auch schon etwas erreicht."

Politikverdrossenheit der Griechen nimmt zu

In Griechenland wächst angesichts der noch immer dramatischen Lage offenbar der Pessimismus. Laut einer Meinungsumfrage sind 83 Prozent der Griechen der Ansicht, dass ihr Land sich in die falsche Richtung bewege. Knapp die Hälfte der Befragten erwartet eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in den kommenden fünf Jahren, wie die Tageszeitung "Kathimerini" auf Grundlagen von Daten des Meinungsforschungsinstituts Public Issue berichtet.

Politische Konsequenzen scheinen daraus zunächst nicht zu folgen: Die derzeit regierenden Sozialisten liegen der Umfrage zufolge noch immer drei Prozentpunkte vor der konservativen Opposition, auch wenn ihr Vorsprung im Vergleich zum April um 2,5 Punkte geschrumpft ist. Allerdings nimmt laut der Umfrage die Politikverdrossenheit der Griechen immer weiter zu: 37 Prozent der Befragten gaben an, sich bei Wahlen zu enthalten.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 60 Beiträge
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idealist100 13.05.2011
1. Wer anderes
Zitat von sysopDie Wirtschaft meldet ein erstes Plus, doch auch die Schulden wachsen: Deshalb steigt Griechenlands Gesamtverschuldung laut EU auf einen neuen Rekordwert. Die Mehrheit der Griechen glaubt, das Land sei auf dem falschen Weg - viele befürchten eine weitere Verschlechterung der Lage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,762413,00.html
Wer anderes erwartet hat ist wohl ein Rechenkünstler. 160% vom BIP mit 5% verzinst und der BIP plus 0,8% macht minus 9,xx % und soviel Wachstum werden die Griechen auch in den nächsten Zehnerdekaten wohl mit dem € nie erreichen. Also geht die Spirale ungebremst mit Erdanziehungskraft nach unten.
fritz_64 13.05.2011
2. hmmm...
da schüttelt es mich schon ein wenig: "Der Königsweg, um der Staatsfinanzkrise zu entkommen, seien Privatisierungen. Griechenland peile bis 2015 Erlöse aus Verkäufen von Staatseigentum von 50 Milliarden Euro an. "Das wird nicht einfach sein" Das soll also der Weg aus der Krise sein? Das Tafelsilber wird verschleudert und wenn es dann weg ist ist alles gut? Das sind doch keine neuen Rezepte, das Gegenteil wird der Fall sein. Kurzfristig wird Griechenland die horrende Zinslast bedienen können, aber was kommt dann? Und überhaupt, stossen sich da nicht die Banken wieder doppelt Gesund? Erst lassen sie sich ihre Zinsen von der ganzen EU-Gemeinschaft bezahlen, diese Mittel nehmen sie dann um die "privatisierung" Griechenlands umzusetzen, um die Gelder dann wieder direkt in Ihren Büchern zu verbuchen, weil Griechenland die zu erwartenden Einnahmen natürlich sofort an die Gläubiger abführen muss. Toller Plan!!!Kein Risiko und die Kohle dafür kommt auch noch von der EU...
civiszeus 13.05.2011
3. Gibt denn,
keine "Hausaufgaben" fuer das Wochenende? Das wars? 0,8 % Wachstum fuers ganze Wochenende fuer die Maerkte? Hat spon sein Humor verloren? Kann man so spekulieren?
weltbetrachter 13.05.2011
4. Streiken und schimpfen
Streik ist mit Sicherheit der falsche Weg. An diesen Tagen wird nichts für das Sozialprodukt geleistet. Schimpfen auf die Deutschen ist ebenso fehl am Platz. Schließlich fallen bei uns die Steuermilliarden auch nicht vom Himmel mit denen wir die Griechen sponsoren. . Allerdings hat Griechenland jahrzehntelang auf Kosten anderer gut gelebt - wenn auch nicht die gesamte Bevölkerung. Aber die, die die Wohltaten so lange haben über sich ergehen lassen, dürfen heute ruhig etwas mehr zur Krisenbehebung beitragen. Bei uns hat es einen Soli-OST gegeben. Das ist doch mal ein Gedanke, das die Griechen auch ihren SOLI zahlen dürfen. Ob uns das damals und heute gefallen hat, wurde ja auch nicht gefragt. Es ging und geht halt um eine gesamtstaatliche Aufgabe.
ein netter Mann 13.05.2011
5. Insolvenz!
Insolvenz und weg vom Euro für Griechenland! Unsere Politiker wollen doch nur die Banken retten, es geht ihnen nicht um das griechische Volk! Kein Cent mehr vom deutschen Steuerzahler! Genau vor einem Jahr gab es Kritiker, welche vor dem Transfer nach Griechenland gewarnt haben! Dr. Gauweiler und Prof. Schachtschabel legten Widerspruch beim Verfassungsgericht ein - und es ist genaus so gekommen, wie vorausgesagt, der grieschische Staat benötigt immer mehr Milliarden und wird n i e diese zurückzahlen können.
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