Trotz Ölembargos Iranischer Supertanker nähert sich Shell-Raffinerie

Brisante Fracht aus Iran: Zwei Nachrichtenagenturen haben den Supertanker "Delvar" nahe einer Raffinerie von Shell Singapur lokalisiert. Hat der Energiekonzern Öl aus Teheran gekauft - und womöglich gar das Embargo verletzt? Oder ist alles ganz legal?

Öltanker "Delvar": Brisante Fracht aus Iran
REUTERS

Öltanker "Delvar": Brisante Fracht aus Iran


Hamburg - Die "Delvar" ist ein Koloss der Meere: 333,5 Meter lang, 58 Meter breit, 31 Meter tief; klassifiziert als VLCC, als "Very Large Crude Carrier", die Schwergewichtsklasse unter den Öltankern; es gibt nur wenige Schiffe, die in eine noch größere Klasse fallen.

Seit Donnerstag sorgt die "Delvar" für Aufruhr. Denn sie gehört der National Iranian Tanker Company (NITC). Die befindet sich zwar in Privatbesitzt, gehört aber zu einem Regime, gegen das die EU ein Ölembargo verhängt hat. Die Staatengemeinschaft will Druck ausüben, weil Iran vielleicht an der Atombombe bastelt - und sich den internationalen Kontrollen immer wieder entzieht.

Am Donnerstag ankerte die "Delvar" plötzlich vor der Pulau Bukom, einer Insel, die zu Singapur gehört und auf der der Energiekonzern Shell eine gewaltige Raffinerie betreibt; 500.000 Fass Öl kann sie täglich bearbeiten. Irans Supertanker wurde von zwei Nachrichtenagenturen dort lokalisiert: von Reuters und Bloomberg, die beide eigene Datendienste für solche Zwecke betreiben. Das Schiff wolle dort eine Ladung von rund 1,5 Millionen Fass Öl löschen, berichtet Reuters unter Berufung auf drei Insider.

Nimmt Shell da gerade Öl aus Iran entgegen - trotz des Embargos?

Shell-Sprecher in London und Den Haag wollen einen Kauf des Öls auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Sie teilen allerdings mit, man halte sich an die beschlossenen Sanktionen. Shell-Chef Peter Vosser hatte am 2. Februar dasselbe gesagt, sich aber gleichzeitig geweigert, transparent zu machen, wie viel Öl sein Konzern derzeit noch aus Iran bezieht.

Branchenkenner schätzen, dass Singapur im vergangenen Jahr durchschnittlich 20.000 Fass Öl pro Tag aus Iran importierte, der größte Teil sei an Shells Raffinerie in Pulau Bukom gegangen. Offizielle Statistiken gibt es nicht - so dass sich auch nicht prüfen lässt, inwieweit die Importe zurückgegangen sind.

Bei der EU-Kommission ist man ratlos. "Im Prinzip ist es Shell verboten, Öl aus Iran zu kaufen", sagt eine Mitarbeiterin der Kommission SPIEGEL ONLINE. Das Unternehmen hat seine Hauptverwaltung in Den Haag und ist ins Londoner Handelsregister eingetragen. Allerdings trete das Embargo erst am 1. Juli voll in Kraft. "Bis dahin ist es Unternehmen gestattet, iranisches Öl aus alten Lieferverträgen entgegenzunehmen."

Ob das auf die "Delvar" zutrifft - und ob sie ihre Fracht inzwischen an Shells Raffinerie gelöscht hat, ist nicht klar. Shell nimmt auch dazu nicht Stellung.

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insgesamt 28 Beiträge
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aramcoy 02.03.2012
1. Wer sind die Aktionäre?
Gehört der Konzern nicht so einer Truppe wie dem niederländischen Königshaus, dem britschen Königshaus (über seine BP-Anteile) aber auch so illusteren Aktionären wie Greenpeace?
RudiLeuchtenbrink 02.03.2012
2. Wewenn sich der Hund in den Schwanz beißt
Das ist schon blöd, wie macht man ein Embargo, ohne die eigenen Interessen zu verletzen. Beim Öl hört ja in den USA die Freundschaft auf. Bekommen die Asiaten über Shell kein ÖL gibt es in den USA gewaltigen Stunk. Deshalb also der revidierte CIA Bericht, deshalb will das US Militär keinen Krieg. Kriegsfreund Netanjaho wird samt AIPAC Freunden eine böse Überaschung erleben. B.Brecht schrieb da mal schön etwas vom Revoluzzer - Lampenputzer
fgranna 02.03.2012
3. Wow
Zitat von sysopDPABrisante Fracht aus Iran: Zwei Nachrichtenagenturen haben den Supertanker "Delvar" nahe einer Raffinerie von Shell Singapur lokalisiert. Hat der Energiekonzern Öl aus Teheran gekauft - und womöglich gar das Embargo verletzt? Oder ist alles ganz legal? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819003,00.html
Na diese Agenturen haben ja eine Hammertechnik! AIS-Schiffspositionen/-verkehr in Echtzeit (http://goo.gl/NhiYW) Die daten sind Minutenaktuell verfügbar. AIS machts möglich...
dandelion13 02.03.2012
4.
"Die Staatengemeinschaft will Druck ausüben, weil Iran vielleicht an der Atom-Bombe bastelt - und Europas Inspekteure immer wieder an der Nase herumführt.", heißt es im Artikel. Das ist natürlich Unsinn. Die IAEA ist keine europäische Institution, ihre Inspekteure sind somit auch nicht Europas Inspekteure.
ex_t_kunde 02.03.2012
5. Fehlinformation
Zitat von aramcoyGehört der Konzern nicht so einer Truppe wie dem niederländischen Königshaus, dem britschen Königshaus (über seine BP-Anteile) aber auch so illusteren Aktionären wie Greenpeace?
Haha, das ist die absurdeste Fehlinformation die ich lange in einem Forum gelesen habe. Nein, weder BP noch Greenpeace halten Aktien an Shell... BP ist sogar einer der schärfsten Konkurrenten zu Shell. Das niederländische Königshaus ist tatsächlich Grossaktionär bei Shell.
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