Trotz Realschulabschluss Zehntausende suchen vergeblich einen Job

Für Berufseinsteiger sind die Zeiten schlecht: Einer Studie zufolge finden immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Betroffen sind nicht nur Hauptschüler oder Schulabbrecher, sondern mittlerweile auch Jugendliche mit Realschulabschluss.

Auszubildende in Dresden: Ohne Berufsausbildung kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt
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Auszubildende in Dresden: Ohne Berufsausbildung kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt


Gütersloh - Sie sind jung, haben einen Schulabschluss - und kommen trotzdem nicht auf dem Arbeitsmarkt unter. Allein in Westdeutschland haben rund 260.000 Realschulabsolventen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren keine Berufsausbildung. Insgesamt sind mittlerweile 1,5 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss - etwa jeder Fünfte. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung, die in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung entstanden ist.

Die Studie weist vor allem auf die fatalen Konsequenzen hin, mit denen junge Menschen ohne Ausbildungsplatz rechnen müssen. Ihre Chancen auf eine Voll- oder Teilzeiterwerbstätigkeit ist seit 1996 deutlich gesunken, ihr Arbeitslosigkeitsrisiko hat dagegen merklich zugenommen.

So waren beispielsweise im Jahr 2007 von den männlichen Realschulabsolventen ohne Ausbildungsabschluss 22,5 Prozent erwerbslos. Von den jungen Männern mit Hauptschulabschluss ohne berufliche Qualifikation war knapp ein Viertel von Erwerbslosigkeit betroffen, von den Hauptschulabsolventen mit Berufsabschluss hingegen lediglich neun Prozent.

Nur wer ein Abitur in der Tasche hat, braucht nicht unbedingt eine abgeschlossene Ausbildung. "Voraussetzung für die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist heute eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Abitur", fasst Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, die Studienergebnisse zusammen. "Ein Haupt- oder Realschulabschluss allein schützt heute nicht mehr vor Arbeitslosigkeit."

Um die Chancen der Jugendlichen zu verbessern, seien tiefgreifende Reformen in der Bildungspolitik notwendig. Nur so werde Erfolg in Schule und Ausbildung auch "unabhängig von der sozialen oder ethnischen Herkunft der Jugendlichen" möglich. Um den Mangel an Ausbildungsplätzen zu beheben, sollten neben dem dualen System auch alternative Ausbildungsformen und "Nachqualifizierungsangebote" angeboten werden.

Defizite bei der beruflichen Bildung in Deutschland sieht auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Bildungsexperten kritisierten am Dienstag die große Zahl an Jugendlichen ohne berufliche Ausbildung.

kim/Reuters/dpa



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Seite 1
kdshp 07.09.2010
1. aw
Zitat von sysopFür Berufseinsteiger sind die Zeiten schlecht: Einer Studie zufolge finden immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Betroffen sind nicht nur Hauptschüler oder Schulabbrecher, sondern mittlerweile auch Jugendliche mit Realschulabschluss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,716150,00.html
Hallo, na das ist doch leicht zu beantworten! Ausbildung kostet geld DA holt man sich doch besser den facharbeiter aus dem ausland wie von schwarz-gelb gefordert.
Kontrastprogramm 07.09.2010
2. Fragezeichen
Zitat von sysopFür Berufseinsteiger sind die Zeiten schlecht: Einer Studie zufolge finden immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Betroffen sind nicht nur Hauptschüler oder Schulabbrecher, sondern mittlerweile auch Jugendliche mit Realschulabschluss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,716150,00.html
Kann es sein, dass wir uns beim Integrationsproblem im Kreis drehen?
**Kiki** 07.09.2010
3. .
Zitat von sysopFür Berufseinsteiger sind die Zeiten schlecht: Einer Studie zufolge finden immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Betroffen sind nicht nur Hauptschüler oder Schulabbrecher, sondern mittlerweile auch Jugendliche mit Realschulabschluss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,716150,00.html
... und zwar unter den 25- bis 34jährigen, also denen, deren Schulabschluß bereits zwischen zehn und zwanzig Jahre zurückliegt. Aussagekraft bezogen auf die Schulabgänger der letzten Jahre: null. Mag sein, daß es bei denen ebenso ist, aber aus den im Artikel wiedergegebenen Daten läßt sich das so ohne weiteres nicht herleiten. Um ehrlich zu sein: ich habe das deutliche Gefühl, mit dieser sonderbaren Art der Informationsvermittlung für dumm verkauft zu werden. Aber es fehlt mir in diesem Fall an Zeit und an Lust, mich mit der Quelle, nämlich dieser ominösen Studie der noch ominöseren Bertelsmann-Stiftung, auseinanderzusetzen - mögen sich andere darum kümmern. Erstaunlich an der hohen Zahl von Realschulabsolventen ohne Ausbildung im Alter Mitte zwanzig bis Mitte dreißig ist für mich aber doch eines: Daß nämlich sämtliche Qualifizierungsbemühungen der Arbeitsagentur an den Arbeitslosen unter ihnen total vorbeigegangen sein sollen. In den letzten Jahren, spätestens seit 2005, wurden Arbeitslose ohne Ende mit "Maßnahmen" traktiert, auch die Älteren, aber vor allem war es doch Merkels Plan, insbesondere jeden arbeitslosen unter 25jährigen, der nicht schnell genug den Baum rauf war, mit Qualifizierungen zu traktieren. Ist das etwa doch nicht geschehen?
sgift 07.09.2010
4. Komisch
Komisch, haben wir nicht angeblich zu wenige Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollen? Da gab es doch kuerzlich erst einen dieser netten Artikel in denen die Industrie sich beklagt nicht genuegend Auszubildende zu finden. Und war da nicht noch der Grund warum man die jungen Menschen nicht nimmt, dass die alle keinen Schulabschluss haetten und/oder so mies waren, dass sie "nicht ausbildungsfaehig" sind. Interessant. Jetzt geht es hier aber um Realschueler, also das was frueher zusammen mit der Hauptschule die klassische Schule fuer spaetere Auszubildende gewesen ist. Und die sollen jetzt auch alle nicht ausbildungsfaehig sein? Irgendwie alles sehr merkwuerdig.
thana 07.09.2010
5. Hin und her, hoch und runter... glauben kann man nix mehr.
Zitat von sysopFür Berufseinsteiger sind die Zeiten schlecht: Einer Studie zufolge finden immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Betroffen sind nicht nur Hauptschüler oder Schulabbrecher, sondern mittlerweile auch Jugendliche mit Realschulabschluss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,716150,00.html
Gabs nicht erst neulich noch zu wenige Lehrlinge?
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