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06. Oktober 2010, 15:12 Uhr

Trübe Aussichten

Fitch senkt Rating für Irland

Die horrenden Kosten für die Bankenrettung und die Konjunkturflaute schwächen Irlands Position an den Kapitalmärkten. Die Rating-Agentur Fitch stufte deshalb die Bonitätsnoten des Euro-Landes herab. Für Irland dürften Kredite nun wesentlich teurer werden.

New York - Die Rating-Agentur Fitch hat am Mittwoch die Bonitätsnote für Irland gesenkt. "Die Herabstufung von Irland spiegelt die außergewöhnlichen und unerwartet hohen fiskalischen Kosten im Zusammenhang mit der Sanierung der irischen Banken wider, vor allem für die Anglo Irish Bank", begründete Fitch den Schritt. Wegen des unsicheren Wirtschaftsausblicks und der ungewissen mittelfristigen Konsolidierungsanstrengungen sei der Ausblick als "negativ" eingestuft worden.

Die irische Zentralbank hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass die bereits mit rund 23 Milliarden Euro gestützte Anglo Irish Bank mindestens weitere sechs Milliarden Euro brauche. Es könnten allerdings auch elf Milliarden Euro werden, wenn die Geschäfte schlecht liefen. Das Staatsdefizit werde damit 2010 auf die Rekordmarke von fast einem Drittel der Wirtschaftsleistung steigen, sagte Finanzminster Brian Lenihan.

Irland will das Haushaltsdefizit bis 2014 durch weitere Sparanstrengungen auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken. Die irische Notenbank hatte zudem bekanntgegeben, dass das Wirtschaftswachstum wohl schwächer als erwartet ausfallen werde. Vor diesem Hintergrund reduzierte die Rating-Agentur das langfristige Rating von Fremdwährungsanleihen sowie das von Anleihen in Euro von zuvor AA- auf A+. Das Kurzfrist-Rating für Irland sinkt den Angaben zufolge von F1+ auf F1.

Der negative Ausblick für die langfristigen Ratings weist Fitch zufolge auf die Möglichkeit einer weiteren Herabstufung innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre hin. Der Ausblick werde auf "stabil" gesetzt, wenn es Anzeichen für eine nachhaltige Erholung und eine fiskalische Konsolidierung gebe, hieß es. Eine erneute Abstufung sei dagegen möglich, wenn die Wirtschaft stagniere und der politische Wille zur Umsetzung der Sparmaßnahmen nachlasse.

Auch die Ratings für Anleihen von Irlands staatlicher Bad Bank namens National Asset Management Agency (Nama), wurde entsprechend den Bonitätsnoten für das Land verringert. Die Nama war wegen der Finanzkrise gegründet worden, um notleidende Kredite angeschlagener Banken aufzukaufen und damit die Liquidität im Bankensektor zu erhöhen.

Die Rating-Agentur Moody's hatte bereits am Dienstag angekündigt ihr Aa2-Rating ebenfalls für eine Herabstufung zu überprüfen. Die Herabstufung sorgte unmittelbar für Reaktionen an den Finanzmärkten. Die Risikoaufschläge, die Investoren beim Kauf von irischen Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen verlangen, legten zu. An den Devisenmärkten gab der Euro gegnüber Dollar und Yen nach.

mik/dapd/Reuters

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