Trübe Aussichten Fitch senkt Rating für Irland

Die horrenden Kosten für die Bankenrettung und die Konjunkturflaute schwächen Irlands Position an den Kapitalmärkten. Die Rating-Agentur Fitch stufte deshalb die Bonitätsnoten des Euro-Landes herab. Für Irland dürften Kredite nun wesentlich teurer werden.

Protest gegen die Finanzbranche: Weitere Herabstufung möglich
AP

Protest gegen die Finanzbranche: Weitere Herabstufung möglich


New York - Die Rating-Agentur Fitch hat am Mittwoch die Bonitätsnote für Irland gesenkt. "Die Herabstufung von Irland spiegelt die außergewöhnlichen und unerwartet hohen fiskalischen Kosten im Zusammenhang mit der Sanierung der irischen Banken wider, vor allem für die Anglo Irish Bank", begründete Fitch den Schritt. Wegen des unsicheren Wirtschaftsausblicks und der ungewissen mittelfristigen Konsolidierungsanstrengungen sei der Ausblick als "negativ" eingestuft worden.

Die irische Zentralbank hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass die bereits mit rund 23 Milliarden Euro gestützte Anglo Irish Bank mindestens weitere sechs Milliarden Euro brauche. Es könnten allerdings auch elf Milliarden Euro werden, wenn die Geschäfte schlecht liefen. Das Staatsdefizit werde damit 2010 auf die Rekordmarke von fast einem Drittel der Wirtschaftsleistung steigen, sagte Finanzminster Brian Lenihan.

Irland will das Haushaltsdefizit bis 2014 durch weitere Sparanstrengungen auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken. Die irische Notenbank hatte zudem bekanntgegeben, dass das Wirtschaftswachstum wohl schwächer als erwartet ausfallen werde. Vor diesem Hintergrund reduzierte die Rating-Agentur das langfristige Rating von Fremdwährungsanleihen sowie das von Anleihen in Euro von zuvor AA- auf A+. Das Kurzfrist-Rating für Irland sinkt den Angaben zufolge von F1+ auf F1.

Der negative Ausblick für die langfristigen Ratings weist Fitch zufolge auf die Möglichkeit einer weiteren Herabstufung innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre hin. Der Ausblick werde auf "stabil" gesetzt, wenn es Anzeichen für eine nachhaltige Erholung und eine fiskalische Konsolidierung gebe, hieß es. Eine erneute Abstufung sei dagegen möglich, wenn die Wirtschaft stagniere und der politische Wille zur Umsetzung der Sparmaßnahmen nachlasse.

Auch die Ratings für Anleihen von Irlands staatlicher Bad Bank namens National Asset Management Agency (Nama), wurde entsprechend den Bonitätsnoten für das Land verringert. Die Nama war wegen der Finanzkrise gegründet worden, um notleidende Kredite angeschlagener Banken aufzukaufen und damit die Liquidität im Bankensektor zu erhöhen.

Die Rating-Agentur Moody's hatte bereits am Dienstag angekündigt ihr Aa2-Rating ebenfalls für eine Herabstufung zu überprüfen. Die Herabstufung sorgte unmittelbar für Reaktionen an den Finanzmärkten. Die Risikoaufschläge, die Investoren beim Kauf von irischen Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen verlangen, legten zu. An den Devisenmärkten gab der Euro gegnüber Dollar und Yen nach.

mik/dapd/Reuters

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andrea heil 06.10.2010
1. Fitche Fitche Fatche
Nee? Echt? Etwa die Fitches, die meinten, dass gebündelte Kredite von windschiefen Holzhäusern, mit noch schieferen Darlehensnehmern, ein ganz klares AAA verdienen? Dann ist ja alles Super, im Land der Superkissenpuper.
meinefresse 06.10.2010
2. Alle für Einen?
Wie kann es sein, dass trotz unseres sauteueren Rettungsschirms einzelne EU-Länder herabgestuft werden und höhere Zinsen zahlen müssen? Die restlichen Länder bürgen doch für eventuelle Ausfälle?
holy heinz !, 06.10.2010
3. Es ist eh´ unbegreiflich,
Zitat von sysopDie horrenden Kosten für die Banken-Rettung und die Konjunkturflaute schwächen Irlands Position an den Kapitalmärkten. Die Ratingagentur Fitch stufte deshalb die Bonitätsnoten des Euro-Landes herab. Für Irland dürften Kredite nun wesentlich teurer werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,721614,00.html
dass diese Ratingagenturen immer noch eine derartige Macht haben. Die sind demokratisch in keinster Weise legitimiert und haben in der Finanzkrise völlig versagt. Warum lässt der Rest der Welt sich das gefallen? Ist die Angst vor der militärischen Supermacht USA so groß? Was ist das übrigens für ein System, dass in den am Boden liegenden noch einmal hinein tritt? Nichts anderes ist eine Zinserhöhung für die darnieder liegenden Staaten. Warum sind die Zinsen eigentlich so hoch? Ich hab´ mal gelernt, dass hohe Zinsen eine Vergütung für eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit des Wertpapieres ist. Aber die EU bürgt doch? Das Ausfallrisiko ist somit gleich Null. Einfach krank das ganze...
sozialer Bürger 06.10.2010
4. Kein Titel
Zitat von meinefresseWie kann es sein, dass trotz unseres sauteueren Rettungsschirms einzelne EU-Länder herabgestuft werden und höhere Zinsen zahlen müssen? Die restlichen Länder bürgen doch für eventuelle Ausfälle?
Genau das ist der springende Punkt. Die Ratingagenturen und Banken wittern gerade wegen diesem Rettungsfonds fette Beute. Man muss sich das mal reinziehen. erst muss der Steuerzahler bluten, um die Zockerbankster zu retten und nach der Rettung wird der Steuerzahler von den gleichen Banken durch höhere Zinsaufschläge erneut abgezockt. Und das findet sogar noch Beifall in der Bevölkerung.
holy heinz !, 06.10.2010
5. Totale Zustimmung!
Zitat von sozialer BürgerGenau das ist der springende Punkt. Die Ratingagenturen und Banken wittern gerade wegen diesem Rettungsfonds fette Beute. Man muss sich das mal reinziehen. erst muss der Steuerzahler bluten, um die Zockerbankster zu retten und nach der Rettung wird der Steuerzahler von den gleichen Banken durch höhere Zinsaufschläge erneut abgezockt. Und das findet sogar noch Beifall in der Bevölkerung.
Sie sprechen mir aus dem Herzen. Besser kann man diesen Wahnsinn nicht zusammen fassen! Sind unsere Politiker blöd? Oder korrupt? Vermutlich beides, außerdem leben wir eh´ nur noch in einer formalen Demokratie. Politologen sprechen von "Postdemokratie". Die Macht haben schon längst die Konzerne und vor allen Dingen die Finanzindustrie übernommen.
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