Probleme am neuen Istanbuler Flughafen Erdogans BER

Für den türkischen Präsidenten Erdogan ist der neue Istanbuler Flughafen ein Prestigeprojekt. Doch die vollständige Eröffnung wurde mehrfach verschoben. Nun soll er Anfang April komplett in Betrieb gehen - Zweifel bleiben.
Der neue Flughafen Istanbul (Archivbild)

Der neue Flughafen Istanbul (Archivbild)

Foto: AFP PHOTO / Istanbul Grand Airport press center

Es soll jetzt angeblich so weit sein: "Turkish Airlines bereitet sich auf den großen Umzug vor", teilte die Fluggesellschaft vergangene Woche in einer Erklärung an die Presse mit. Zwischen dem 5. und 6. April werde man nun, endlich, endgültig, den Betrieb vom Atatürk-Flughafen auf den neuen Istanbuler Flughafen verlagern. Turkish-Airlines-Chef Ilker Ayci spricht vom "größten Schritt in der Geschichte der Luftfahrt".

Es ist nicht das erste Mal, dass der komplette Betriebsbeginn des neuen Flughafens angekündigt wird. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Mega-Airport bereits vergangenen Oktober mit Pomp eingeweiht. Seither beschränkt sich der Flugverkehr jedoch auf einige wenige Airlines. Die vollständige Eröffnung wurde zunächst von Oktober auf Dezember, dann auf März und schließlich auf April verschoben. Ausgang offen.

Der Flughafen ist für Erdogan ein besonderes Prestigeprojekt: Er ist mit einer Fläche von 76,5 Millionen Quadratmetern achtmal so groß ist wie der Atatürk-Flughafen. 200 Millionen Passagiere sollen ihn ab 2028 jährlich nutzen, was Istanbul noch vor Atlanta zum weltweit wichtigsten Drehkreuz machen würde.

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Die Regierung hat alles darangesetzt, den Flughafen in einer Rekordzeit von viereinhalb Jahren fertigzustellen. Sie hat Wort gehalten - zumindest formell. "Das ist nicht nur ein Airport, das ist ein Monument des Sieges", verkündet ein Plakat am Eingang. In Wahrheit ist der Flughafen jedoch auch fast ein halbes Jahr nach der "Eröffnung" eine Baustelle. Noch immer wird vielerorts gebaggert, gehämmert, geschraubt.

Es heißt, Binali Yildirim, der Spitzenkandidat der Regierungspartei AKP für das Amt des Istanbuler Bürgermeisters, habe persönlich darauf gedrungen, den finalen Umzug auf April zu verschieben, um vor den Kommunalwahlen am 31. März chaotische Szenen zu vermeiden.

Probleme haben das Bauvorhaben von Beginn an begleitet. Umweltschützer warnen, dass die Grundwasserversorgung Istanbuls gefährdet werde, da auf dem Gelände etliche Speicherseen liegen. Immer wieder geschahen Unfälle. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Cumhuriyet" starben seit Beginn der Arbeiten mehrere Hundert Menschen, die Regierung räumte im Februar 27 Todesfälle ein.

61 Flughafenarbeiter, die gegen schlechte Arbeitsbedingungen auf der Baustelle gestreikt haben, stehen seit Dezember in Istanbul vor Gericht. Ihnen werden unter anderem Widerstand gegen die Staatsgewalt und Sachbeschädigung vorgeworfen.

Die Kosten des Flughafens sind inzwischen auf 37 Milliarden Euro gestiegen. Im Januar zog sich eines der fünf Konsortiumsmitglieder wegen Finanzschwierigkeiten aus dem Projekt zurück. Türkische Medien spekulieren, das Konsortium könnte bald sämtliche Schulden auf den Staat abwälzen. Laut einer Studie der Istanbuler Bahcesehir-Universität wird es mindestens bis 2043 dauern, ehe der Flughafen profitabel ist.

Experten warnen zudem vor Gefahren bei Start und Landung von Maschinen, da der Flughafen überdurchschnittlich stark Wind und Nebel ausgesetzt sei. Im Portal "Al-Monitor" meldete unlängst selbst ein Ingenieur aus dem Transportministerium Sicherheitsbedenken an. Er würde, so sagte der Mann, nicht wollen, dass eines seiner Familienmitglieder auch nur "einen Fuß in den neuen Flughafen setzt".

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