Korruptionsvorwürfe Türkische Staatskrise drückt Lira auf Rekordtief

Der türkische Premier Erdogan gilt als Architekt des Aufschwungs. Doch der Korruptionsskandal erschüttert das Vertrauen der Finanzmärkte, die Lira sank auf den niedrigsten bisher verzeichneten Stand. Die Regierungspartei AKP will nun kritische Mitglieder ausschließen.

Börse in Istanbul (Archivbild): Bröckelnde Fassade der Wirtschaftskompetenz
REUTERS

Börse in Istanbul (Archivbild): Bröckelnde Fassade der Wirtschaftskompetenz


Istanbul - Die Korruptionsvorwürfe gegen Mitglieder der türkischen Regierung sorgen auch unter Investoren für Unruhe: Die türkische Lira rutschte am Freitag auf ein Rekordtief. Zeitweise mussten für einen US-Dollar 2,1761 türkische Lira gezahlt werden - so viel wie noch nie. Außer der Landeswährung gerieten auch türkische Staatsanleihen und Aktien unter Verkaufsdruck, weil sich ausländische Investoren zum Teil aus dem Markt verabschiedeten.

Bei den richtungsweisenden Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stieg der Zinssatz im Vormittagshandel um 0,46 Prozent auf 10,27 Prozent. Zuvor hatte die Rendite mit 10,33 Prozent bereits den höchsten Stand seit 2010 erreicht.

Seit zehn Tagen erschüttern die Türkei Ermittlungen gegen Mitglieder der Regierung von Recep Tayyip Erdogan. Dabei geht es unter anderem um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen, mit denen Sanktionen gegen Iran unterlaufen und illegale Baugenehmigungen erteilt worden sein sollen. In diesem Zusammenhang wurden die Söhne zweier Minister festgenommen, die daraufhin zurücktraten. Insgesamt tauschte Erdogan zehn von 26 Kabinettsmitgliedern aus, seinen eigenen Rücktritt lehnt er jedoch ab.

Der Skandal ist auch deshalb für Erdogan äußerst heikel, weil er bislang als Architekt des Aufschwungs in der Türkei galt. "Die jüngsten Meldungen unterminieren die Fassade der Wirtschaftskompetenz der Regierung", sagte der US-Anlagestratege Michael Shaoul von Marketfield Asset Management.

Rücktrittsforderungen an Erdogan waren auch aus den eigenen Reihen gekommen, unter anderem von Umweltminister Erdogan Bayraktar, dessen Sohn zu den Festgenommenen zählt. Auf die interne Kritik reagierte die Regierungspartei AKP nun mit Parteiausschlussverfahren gegen drei kritische Abgeordnete. Dem bisherigen Kulturminister Ertugrul Günay sowie den Abgeordneten Erdal Kalkan und Haluk Özdalga werde vorgeworfen, Partei und Regierung mit ihren Bemerkungen geschadet zu haben, berichteten türkische Medien am Freitag.

Özdalga hatte im Korruptionsskandal an Präsident Abdullah Gül appelliert, sich in die Krise einzuschalten. Kalkan kam dem Ausschluss zuvor, indem er über Twitter seinen Austritt aus der AKP erklärte. "Unser Volk ist nicht dumm", schrieb er.

Für Schlagzeilen sorgte in der Türkei die Ablösung des Istanbuler Staatsanwalts Muammer Akkas. Er war am Donnerstag von dem Fall abgezogen worden, bei dem regierungskritischen Medien zufolge auch im Umfeld von Erdogan ermittelt wurde. Akkas untersuchte nach einem Bericht der Erdogan-kritischen Zeitung "Today's Zaman" unter anderem mögliche Manipulationen bei öffentlichen Ausschreibungen.

Akkas hatte öffentlich beklagt, auf ihn sei Druck ausgeübt worden. Die Polizei habe seine Anordnung ignoriert, Verdächtige festzunehmen. Die Regierung hat zahlreiche ranghohe Polizisten austauschen lassen, darunter den Polizeichef Istanbuls. Ihr wird vorgeworfen, die Korruptionsermittlungen zu behindern.

dab/dpa



insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dieeewahrheit 27.12.2013
1. Alles Eine Verschwörung gegen die Türkei
Ihr Leute liest hier nur die Nachrichten in den Medien und könnt nicht über den Tellerrand hinausschauen. Dies sind alles Mittel und Wege bei denen versucht wird, Erdogan unbedingt loszuwerden. Sie versuchen es immer und immer wieder. Angefangen mit den Protesten und jetzt das.Glaubt nicht alles, was ihr direkt lest, schaltet eure Köpfe ein.
Shaft13 27.12.2013
2.
Zitat von dieeewahrheitIhr Leute liest hier nur die Nachrichten in den Medien und könnt nicht über den Tellerrand hinausschauen. Dies sind alles Mittel und Wege bei denen versucht wird, Erdogan unbedingt loszuwerden. Sie versuchen es immer und immer wieder. Angefangen mit den Protesten und jetzt das.Glaubt nicht alles, was ihr direkt lest, schaltet eure Köpfe ein.
Stimmt. Erdogan ist der nette liebe Opa von nebenan,der nie was böses will. Träumen sie nur weiter.
hubertrudnick1 27.12.2013
3. Verschwörungen
Zitat von dieeewahrheitIhr Leute liest hier nur die Nachrichten in den Medien und könnt nicht über den Tellerrand hinausschauen. Dies sind alles Mittel und Wege bei denen versucht wird, Erdogan unbedingt loszuwerden. Sie versuchen es immer und immer wieder. Angefangen mit den Protesten und jetzt das.Glaubt nicht alles, was ihr direkt lest, schaltet eure Köpfe ein.
Wenn man sein persönliche und politisches Schiff sinken sieht, dann sucht man bei anderen die Schuld, auch bei uns in der untergegangenen DDR war es so, schuld war nur der Westen, nur nicht unser eigenes unfähiges politisch/wirtschaftliches System, aber das ist uns Menschen wohl schon in unsere Wiege gelegt worden, Selbstkritik wird ständig ausgeschlossen.
Eppelein von Gailingen 27.12.2013
4. Ist der kranke Mann vom Bosporus zurück?
Die EU überlegt es sich hoffentlich gründlich, mit der Türkei über eine Aufnahme als Vollmitglied zu verhandeln. Uns genügt der Kranke vom Peloponnes samt Attika, plus die vorschnell und unüberlegt aufgenommenen Bulgarien, Rumänien, Zypern, Kroatien. Selbst Slowenien ist nicht ganz koscher für die EU. Dann noch so ein instabiles Land wie die Türkei? Denkt man in Bruxelles noch in Zeiten von Konstantinopel und dem byzantinischen Reich? Sieht ganz danach aus. So alt kann die EU gar nicht werden, verglichen mit der altrömischen Dekadenz und ihrer Zeitspanne von.... Türkei: Korruptionsskandal drückt Lira auf Rekordtief - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tuerkei-korruptionsskandal-drueckt-lira-auf-rekordtief-a-940964.html)
bennysalomon 27.12.2013
5. "die"
Zitat von dieeewahrheitIhr Leute liest hier nur die Nachrichten in den Medien und könnt nicht über den Tellerrand hinausschauen. Dies sind alles Mittel und Wege bei denen versucht wird, Erdogan unbedingt loszuwerden. Sie versuchen es immer und immer wieder. Angefangen mit den Protesten und jetzt das.Glaubt nicht alles, was ihr direkt lest, schaltet eure Köpfe ein.
Hallo Herr dieewahrheit, wer sind denn "die"? Und was ist "Ihre Wahrheit"?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.