Vor Notenbanksitzung Türkische Lira fällt auf Sechsmonatstief

Vor der Zinsentscheidung der türkischen Notenbank steigt in der Türkei die Nervosität. Devisenhändler verkaufen die Landeswährung in großem Stil - und ein US-Ölembargo könnte das Land hart treffen.

Wechselstube in Istanbul Mitte April
SEDAT SUNA/EPA-EFE/REX

Wechselstube in Istanbul Mitte April


Die türkische Lira gerät immer mehr unter Druck. Am Tag vor der Zinsentscheidung der türkischen Notenbank haben sich Anleger aus der Währung des Landes zurückgezogen - und so den Kurs des Dollar auf ein Sechsmonatshoch von 5,8806 Lira getrieben. Ein Euro verteuerte sich auf mehr als 6,56 Lira.

"Die türkische Lira wird zum Spielball der politischen Beziehungen zwischen den USA und der Türkei", sagte Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus DailyFX. Denn: Die USA wollen ab Anfang Mai noch massiver als bislang gegen das iranische Ölgeschäft vorgehen - und dabei unter anderem die derzeit auch für die schwächelnde Wirtschaft der Türkei gültige Ausnahmegenehmigung kippen. Diese Ankündigung von Montag trieb den Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee ebenfalls auf ein Sechsmonatshoch von 74,73 Dollar je Barrel.

Gleichbleibende Zinsen trotz Inflation?

Die Regierung in Ankara kündigte bereits an, sich dem US-Embargo nicht zu beugen. "Wir akzeptieren keine einseitigen Sanktionen und Steuern in der Frage, wie wir Beziehungen mit unseren Nachbarn aufbauen", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge.

Durch diese Haltung verschärft die Türkei dem Broker Bouhmidi zufolge den Konflikt noch: "Präsident Erdogan goss gestern weiteres Öl ins Feuer, indem er unmissverständlich klarmachte, dass die Türkei in Sachen iranische Ölimporte nicht den USA gehorchen werde."

Commerzbank-Analyst Tatha Ghose sagte, die Türkei könnte in der jetzigen Situation doppelt verlieren. Zum einen heize der Ölpreisanstieg die Inflation an, diese könnte die Schwelle von 20 Prozent bald wieder überschreiten. Zum anderen gelte unter Börsianern aber als ausgemacht, dass die türkische Zentralbank den Leitzins am Donnerstag bei 24 Prozent belassen werde.

Die Sanktionen gegen Iran hatten die USA seit vergangenem Jahr sukzessive verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump im Mai einseitig aus dem Atomabkommen mit Teheran ausgestiegen war. Er betrachtet die Vereinbarung von 2015 zur Begrenzung des iranischen Nuklearprogramms als unzulänglich.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung war der Wert eines Euro mit rund 5,6 Lira angegeben. Richtig ist ein Wert von mehr als 6,56 Lira. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr/Reuters/AFP



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