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24. Juli 2018, 14:29 Uhr

Inaktive Notenbank

Türkische Lira rauscht ab

Die Inflation in der Türkei ist so hoch wie seit fast 15 Jahren nicht, eigentlich müsste die Zentralbank die Zinsen anheben. Tut sie aber nicht - die Folgen sind drastisch.

Trotz einer galoppierenden Inflation hat die türkische Notenbank ihren Leitzins nicht angehoben. Das hat zu heftigen Reaktionen an den Finanzmärkten des Landes geführt.

Unmittelbar nachdem die Währungshüter den Leitzins unverändert bei 17,75 Prozent belassen hatten, brach der Kurs der türkischen Währung Lira im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro um jeweils mehr als vier Prozent ein. Allerdings erreichte die Lira keine neuen Rekordtiefs.

Die meisten Experten hatten im Schnitt mit einer Anhebung des Leitzinses auf 18,75 Prozent gerechnet.

Eine heftige Reaktion zeigte sich auch bei türkischen Staatsanleihen. Ihre Kurse gingen stark zurück, während die Renditen zulegten. Am türkischen Aktienmarkt kam es ebenfalls zu starken Kursverlusten. Der Leitindex BIST-30 verlor mehr als zwei Prozent.

Der Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute bei Zentralbanken Geld beschaffen können. Die Anhebung eines Leitzinses steht für eine restriktivere Geldpolitik. Ihr Ziel ist es, die Inflation niedrig zu halten: Für Kreditinstitute wird es teurer, sich bei den Zentralbanken mit Geld zu versorgen.

Ökonomen zufolge sind Zinsanhebungen in der Türkei eigentlich unbedingt nötig, um gegen die Rekordschwäche der Lira sowie gegen die starke Inflation anzukämpfen, die derzeit so hoch ist wie seit fast 15 Jahren nicht. Allerdings ist Staatschef Recep Tayyip Erdogan strikt gegen hohe Zinsen, weil er einen Dämpfer für die Wirtschaft fürchtet.

Mehr zum Thema: Wie Recep Tayyip Erdogan die Lira auf Talfahrt schickt

hej/dpa-AFX

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