Erdogan eröffnet Prestigeprojekt "Dieser Flughafen ist ein Dienst an der Welt"

In Istanbul hat der türkische Präsident Erdogan den neuen Mega-Flughafen eröffnet, der der größte der Welt werden soll. Doch noch ist das umstrittene Prestigeprojekt eine Baustelle - mit einem überraschenden Namen.

REUTERS

Von , Istanbul


Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist der neue Flughafen in Istanbul ein Symbol: "Das ist nicht nur ein Airport, das ist ein Monument des Sieges", verkündet ein Plakat am Eingang.

Die Menschen, die an diesem Montag zur Einweihung des Flughafens zu Tausenden an den nördlichen Rand der Stadt geströmt sind, bekommen hingegen vor allem eine Baustelle zu sehen: Noch immer wird überall auf dem Gelände gebaggert, gehämmert, geschraubt.

Die türkische Regierung hat alles darangesetzt, den Flughafen in einer Rekordzeit von gerade einmal viereinhalb Jahren bis zu diesem Montag, dem 95. Geburtstag der Republik, fertigzustellen. Sie hat Wort gehalten - zumindest formell: Von jetzt an werden tatsächlich die ersten Maschinen im Norden der Stadt starten und landen.

Es ist jedoch eher eine Eröffnung dem Namen nach: Lediglich drei Ziele im Inland (Ankara, Antalya und Izmir) sowie zwei im Ausland (Baku und Nordzypern) werden vorerst von dem neuen Istanbuler Flughafen aus angeflogen.

Der alte Atatürk Flughafen bleibt, anders als zunächst geplant, offen - mindestens bis Jahresende, dann will die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines an den neuen Standort umziehen. Eine Metro-Verbindung wird frühestens ab 2020 fertig sein.

Fotostrecke

10  Bilder
Fotostrecke: Der künftig größte Flughafen der Welt

Erdogan stört sich daran nicht. "Dieses Projekt ist einzigartig", sagte er am Montag im Beisein der Regierungschefs aus Serbien, Bulgarien und Albanien. "Der Flughafen ist ein Dienst an der Welt."

Erdogans Macht gründet unter anderem auf Bauprojekten. Er hat überall im Land Straßen, Krankenhäuser, Brücken errichten lassen. Doch kein Vorhaben ist mit so viel Prestige verbunden wie der neue Istanbuler Flughafen, der mit einer Fläche von 76,5 Millionen Quadratmetern acht Mal so groß ist wie der Atatürk-Flughafen. 200 Millionen Passagiere sollen den Airport ab 2028 jährlich nutzen, was Istanbul noch vor Atlanta zum weltweit wichtigsten Drehkreuz machen soll.

Menschen und Natur bezahlen für das Megaprojekt einen hohen Preis. Mehr als eine halbe Million Bäume wurden gefällt, Umweltschützer warnen, dass die Grundwasserversorgung Istanbuls gefährdet wird, da auf dem Gelände etliche Speicherseen liegen.

Arbeiter haben sich seit Monaten immer wieder über die Zustände auf der Flughafenbaustelle in Istanbul beschwert: Die Unterkünfte seien verdreckt, hieß es, Löhne würden nur unregelmäßig ausbezahlt. Der Betreiber, IGA, würde bei der Sicherheit sparen, um Zeit zu gewinnen. Immer wieder geschahen Unfälle. Laut eines Berichts der Tageszeitung "Cumhuriyet" starben seit Beginn der Bauarbeiten mehrere hundert Menschen, die Regierung räumte im Februar 27 Todesfälle ein.

Im September trat ein Viertel der 40.000 Arbeiter in Streik. "Bauarbeiter sind keine Sklaven!" "Mörder IGA!" skandierten die Protestierenden. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Noch immer sitzen 31 Arbeiter und Gewerkschafter im Hochsicherheitsgefängnis in Silivri in Untersuchungshaft, darunter der Gewerkschaftsführer Özgür Karabulut, der die Baustelle mit einem Arbeitslager verglichen hat.

Niemand weiß genau, wie es auf dem Flughafen nach der Eröffnung weitergeht und ob der Jahreswechsel als Umzugstermin zu halten ist. Eine Frage zumindest ist seit diesem Montag geklärt: Der neue Flughafen wird nicht den Namen des Präsidenten tragen, wie viele vermutet hatten. Er wird, das gab Erdogan am Montag bekannt, schlicht "Istanbul Airport" heißen.

insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spaceagency 29.10.2018
1. Ausflug nach Istanbul
da können ja dann berliner Politiker und Bauleute eine Klassenfahrt nach Istanbul unternehmen um dort zu lernen
brathbrandt 29.10.2018
2. Merkel-Land sollte nicht spotten.
In einem normalen Land wäre jemand, der Milliarde verbrennt, auch im Knast. Bei uns nicht. Klar, die große Chefin hat selbst genug auf dem Kerbholz.
dweik01 29.10.2018
3. Wenn man mal eine Sekunde....
… die Dauerkritik am Despoten vom Bosporus und die Unzulänglichkeiten beim Bau außer Acht läßt und stattdessen mal eine Weltkarte zur Hand nimmt, erkennt man unschwer daß die Türkei ein idealer platz für ein Internationales Drehkreuz ist. Ein Drehkreuz zwischen China/Fernost, Europa und Afrika. Es sei denn man wollte ein solches im Sudan, im Iran oder Saudi Arabien, in Georgien, im Nirwana Südrusslands errichten. Mit zunehmender Globalisierung, steigendem Luftverkehr und Transportzahlen ist das weitaus strategischer und weitsichtiger für die Wirtschaft der Türkei, als das, was unsere Regierung in den letzten 13 Jahren hinbekam. Von ungelösten Dauerbaustellen wie Bildung, Digitalisierung, Netze und Energiewende ganz abgesehen. noch nicht mal doppelt solange Bauzeiten schafft unser Föderalismus und unsere Regierung nicht, trotz einer Legislatur verfassunggebender Mehrheit.
babbelnet 29.10.2018
4. Super!
Den Flughafen kann dann gleich die Fraport beim kommenden Staatsbankrott für umme kriegen. Wie in Griechenland geschehen. Danke Eddy
Frank A 29.10.2018
5. Spaceagency
Was sollen Sie denn lernen? Wie man sich über Privateigentum hinwegsetzt, wie man sich über Umweltschutzmaßnahmen hinwegsetzt, wie man sich über Arbeitnehmer Schutzmaßnahmen hinwegsetzt, wie man Arbeiter nicht bezahlt, Streikende festnimmt... Ja gehts noch. Der Berliner Flughafenbau ist sicher nicht besonders glorreich für die Beteiligten, aber diesen als Beispiel zu setzen zeigt welches Geisteskind Sie sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.