Türkei in der Lira-Krise Erdogan untersagt Ministern Beratung durch McKinsey

Der türkische Finanzminister wollte die Währungskrise des Landes gern mit US-Beratern in den Griff bekommen. Präsident Erdogan hat das nun untersagt, wegen seiner Fehde mit Washington.

Recep Tayyip Erdogan (Archiv)
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Recep Tayyip Erdogan (Archiv)


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan manövriert gerade in einem schwierigen Spannungsfeld: Einerseits hat seine Wirtschaftspolitik zu der Währungskrise beigetragen, in der sich sein Land befindet. Die Türkei könnte deshalb Hilfe von außen gut gebrauchen. Andererseits hat sich der Staatschef lautstark mit den USA und vielen langjährigen westlichen Verbündeten zerstritten. Ein Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat Erdogan deshalb schon kategorisch ausgeschlossen.

Der Wirtschaftsblock der türkischen Regierung ist allerdings offener, wenn es um externe Ratschläge geht. Allen voran Finanzminister Berat Albayrak, Erdogans Schwiegersohn. Er soll sich türkischen Medienberichten dafür ausgesprochen haben, Unternehmensberater von McKinsey hinzuzuziehen, um die Wirtschafts- und Währungsturbulenzen wieder in den Griff zu bekommen.

Das Problem: McKinsey wurde 1926 in New York gegründet, der Konzern ist US-amerikanisch. Und mit den USA liefert sich die Türkei derzeit nicht nur einen verbalen Schlagabtausch, sondern auch einen handfesten Sanktionskonflikt. Das ist auch der türkischen Oppositionspartei CHP aufgefallen.

"Wir helfen uns selbst"

Erdogan hat deshalb ein Machtwort gesprochen. "Ich habe zu allen meinen Ministerfreunden gesagt: Du wirst von ihnen keine intellektuelle Beratung erhalten. Das ist nicht nötig. Wir helfen uns selbst", sagte Erdogan am Samstag bei einer Sitzung seiner Regierungspartei AKP nahe Ankara. "Solange ich lebe, wird niemand in der Lage sein, die Türkei unter das Joch internationaler Institutionen zu stellen", sagte Erdogan weiter.

Die Türkei steckt seit Monaten in einer Währungskrise. Die türkische Lira hat seit Jahresanfang mehr als 40 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Das geht auch auf einen politischen Streit mit den USA wegen der Inhaftierung eines christlichen Pastors und amerikanischer Sanktionen zurück. Die hohe Inflation gilt neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit als Hauptauslöser für die Lirakrise.

Verbale Angriffe Erdogans auf die Zentralbank hatten darüber hinaus internationale Investoren verschreckt. Mitte September hob die türkische Notenbank - offiziell unter Erdogans lautstarkem Protest - den Leitzins stark an, um gegen die hohe Teuerung und die Lira-Schwäche anzukämpfen.

beb/dpa



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