Erdogans Prestigeprojekt Lkw-Kolonnen starten Umzug zu Istanbuls neuem Superflughafen

Im Morgengrauen haben Hunderte Lastwagen ihre Touren durch Istanbul begonnen, 50.000 Tonnen Material müssen bis Sonntag vom alten Atatürk-Airport zu Recep Tayyip Erdogans neuem Großflughafen bewegt werden.

Abfertigungshalle des neuen Istanbuler Airports (Archiv)
AFP

Abfertigungshalle des neuen Istanbuler Airports (Archiv)


Es hat etwas gedauert, nun aber kommt der Bezug des neuen türkischen Superflughafens ins Rollen: Nach mehrmaligen Verschiebungen wechseln Fluggesellschaften und Personal vom alten Atatürk-Airport an den neuen Flughafen im Norden der Stadt.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, begannen noch vor dem Morgengrauen Hunderte Lastwagen ihre Touren durch die Millionenstadt, die teilweise abgesperrt wurde. Fast 50.000 Tonnen Material werden bewegt. Die Flotte der halbstaatlichen Fluggesellschaft Turkish Airlines soll größtenteils hinüberfliegen. Die beiden Airports liegen knapp 40 Kilometer auseinander.

Insgesamt soll der Umzug 45 Stunden dauern und bis Sonntag abgeschlossen sein. Dann starten und landen nach derzeitiger Planung alle Gesellschaften vom neuen Flughafen aus.

Der neue "Flughafen Istanbul" ist ein Prestigeprojekt von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Nach Angaben der Betreibergesellschaft IGA soll er zunächst rund 90 Millionen Reisende im Jahr abfertigen. Nach vollständiger Fertigstellung soll der Airport eine Kapazität von 200 Millionen Passagieren pro Jahr erreichen. Das würde ihn nach derzeitigem Stand zum größten Flughafen der Welt machen.

Der Flugverkehr ruht wegen des Umzugs an beiden Airports zwölf Stunden lang: von Samstagfrüh ein Uhr bis Samstagmittag 13 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Dann dürfen zunächst die Flieger von Turkish Airlines vom neuen "Flughafen Istanbul" abheben, wie ein Sprecher bestätigte.

Internationale Fluggesellschaften sollen in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab Mitternacht wieder fliegen dürfen. Die Betreibergesellschaft IGA empfiehlt Passagieren, sich vor Reisebeginn bei ihrem Anbieter zu informieren.

Hier geht's zu einem Hintergrundbericht über die Schwierigkeiten beim Bau von "Erdogans BER".

beb/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Meconopsis 05.04.2019
1. Eine Zumutung
...und eine Beleidigung aller säkularen und modernen Türken, wie sich hier Erdogan großformatig neben Atatürk präsentiert. Jeder der hier ankommt und abfliegt, muss sich das anschauen. Solche Präsentationen gibt es normalerweise nur in Diktaturen. Sollten Erdogan und die AKP die Wahlergebnisse in Istanbul und Ankara nicht anerkennen, sind der Hölle Tür und Tor geöffnet. Leider sind sämtliche Schlüsselpositionen in Verwaltung, Polizei und Militär inzwischen mit Erdogan-Getreuen besetzt. Wenn das Volk sich die Macht zurückholen will, dürfte das eher blutig ablaufen, denn diese Mafia hat viel zu verlieren. Man kann bloß hoffen, dass sich verfassungstreue Teile der AKP und der angesehene ehemalige Präsident Gül sich in so einem Fall öffentlich von Erdogan distanzieren und zum Widerstand aufrufen. In jedem Fall stehen der Türkei unruhige Zeiten bevor. Wenn es dort richtig kracht, und die deutschen Panzer gegen die Bevölkerung aufmarschieren, wird man wieder mal Merkels herabgezogene Mundwinkel sehen, Substanziell wird man aber nicht viel von ihr hören. Sie ist mit ihrem Flüchtlingsdeal von Erdogan erpressbar, dazu kommen die vielen Erdo-Türken in Deutschland, die längst unsere Aussenpolitik mitbestimmen.
Lontrax 05.04.2019
2. Qualität, bitte.
Wo liegt eigentlich das Problem? Viele Millionenstädte haben mehrere Flughäfen. Und warum muss immer ganz suggestiv-negativ von "Recep Tayyip Erdogans neuem Großflughafen" die Rede sein? Könnt Ihr keine Nachrichten mehr schreiben, ohne Eure persönliche Meinung drunter zu rühren? Dafür gibt es doch die Kommentare. Macht wieder Journalismus, dann geben die Leute vielleicht wieder Geld für Euer Blatt/Digitalblatt aus.
mborevi 05.04.2019
3. Könnten wir die Türken ...
... nicht bitten, auch den Berliner Flughafen fertig zu bauen? Sonst wird es nichts mehr.
pop_sin 05.04.2019
4. Konträr zu M. Popps Bericht
Erst vor zehn Tagen hat Herr Popp ein Bericht mit dem Titel „Erdogans BER“ auf SPON veröffentlicht. Einen Flughafen in dieser Dimension - in 4 1/2 Jahren Bauzeit und mit einer Verzögerung von fünf Monaten (!) - in Betrieb zu nehmen mit dem Pannen-Flughafen BER in Berlin zu vergleichen, ist entweder journalistisch unsauber oder zeugt von Voreingenommenheit.
tamna 05.04.2019
5. vor 2501 Tagen...
war der geplante, angekündigte, der Phantasie des regierenden Wowereits entsprungenen BER- Eröffnungstermin! Und es wird weitere 1000 Tage dauern. Glückliche Türkei.
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