Vor Kommunalwahlen Türkei rutscht erstmals seit 2009 in Rezession

Die türkische Wirtschaft ist 2018 deutlich langsamer gewachsen und fiel zum Jahresende sogar in eine Rezession. Der zuständige Minister gibt Spekulanten die Schuld.

Straßenszene nach einer Demonstration (Archivbild)
AFP

Straßenszene nach einer Demonstration (Archivbild)


Das Bruttoinlandsprodukt in der Türkei ist im vierten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent zurückgegangen. Das teilte die türkische Statistikbehörde Tüik mit. Da dies das zweite Quartal infolge war, in dem die Wirtschaft schrumpfte, ist die Türkei offiziell in eine Rezession gerutscht.

Der Statistikbehörde zufolge lag das Wachstum im vergangenen Jahr zwar insgesamt noch bei 2,6 Prozent - dies war aber das schwächste Plus seit neun Jahren. 2017 hatte die Konjunktur in dem Schwellenland noch mehr als sieben Prozent zugelegt.

Im Sommer 2018 war die türkische Lira inmitten einer diplomatischen Krise mit den USA stark eingebrochen. In der Folge stieg die Inflation auf bis zu 25 Prozent im Oktober an, während die Wirtschaft im dritten Quartal um 1,6 Prozent schrumpfte.

Die Türkei war zuletzt während der weltweiten Finanzkrise 2009 in die Rezession gerutscht. Wirtschaftsminister Berat Albayrak machte "spekulative Angriffe" für die Schwäche der Wirtschaft verantwortlich. Er sagte aber auch: "Das Schlimmste liegt hinter uns."

Für die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Präsident Recep Tayyip Erdogan kommen die Wachstumszahlen ungelegen - denn am 31. März finden Kommunalwahlen statt. Die Türken leiden seit Monaten unter der hohen Inflation von zuletzt knapp 20 Prozent.

Um der Preissteigerung bei Lebensmitteln zu begegnen, hat die Regierung städtische Verkaufsstände für verbilligtes Gemüse eingerichtet. Der Streit über hohe Lebensmittelpreise ist ein wichtiges Thema im Wahlkampf.

kko/AFP/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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Shine321 11.03.2019
1. Ausländische Kräfte
Für Erdogan und seinen Schwiegersohn sind natürlich immer die "ausländischen Kräfte" Schuld an der wirtschaftlichen Lage und nicht die Misswirtschaft, die starke Korruption und die nicht mehr vorhandene Gerechtigkeit schuld.
frankfurtbeat 11.03.2019
2. "Das Schlimmste liegt hinter uns".
Wirtschaftsminister BeratAlbayrak machte "spekulative Angriffe" für die Schwäche der Wirtschaft verantwortlich. Er sagte aber auch: "Das Schlimmste liegt hinter uns". Positives Wunschdenken solange die Politik sich nicht ändert. Noch wird in der Türkei von internationalen Konzernen produziert - noch - wenn auch das wegfallen sollte gibt es nicht viel mehr wie Tourismus, Datteln, Oliven und andere Agrarprodukte. Mir sind bisher keine nennenswerten Technologien oder Entwicklungen aus der Türkei bekannt ...
hansriedl 11.03.2019
3. Andere sind Schuld?
Billige Lebensmittel auf Kosten der Verkäufer wie Händler. So demoliert der Patriarch die ganze Wirtschaft. Auch in Venezuela lief es ähnlich. Firmen durften kein Personal entlassen, so machte eine Firma nach der anderen zu. So lange die Kohle reichte wurde subventioniert. Was danach kam steht in allen Medien.
Alfred Ahrens 11.03.2019
4. Super, wie Erdogan sein Land führt, ganz toll,
leider merken es seine Bürger nicht so. Flüge aus istanbul nach FRA/MUN/TXL, die früher voll waren sind deutlich leerer. Seine Maßnahmen, die Wirtschaft in Griff zu bekommen, greifen nicht genug. Sehr schade.
derLordselbst 11.03.2019
5. Vom Pragmatiker zum Autokraten
Erstaunlich, wie extrem der Wandel bei Erdogan ausfällt: Lange Jahre hatte er durch eine besonnene Wirtschaftspolitik die Türkei aufgebaut und es geschafft, das Investoren auch die Abkehr vom Laizismus nicht besorgt gestimmt hat. Jetzt agiert er wie irgendein Drittwelt-Potentat, der alles seinem Machterhalt opfert, auch das Wohl der eigenen Bevölkerung.
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