Wirtschaftskrise Türkische Unternehmer kritisieren Erdogan

Die türkische Wirtschaft befindet sich in einem desolaten Zustand, die Lira fällt immer weiter. Unternehmerverbände fordern einen neuen politischen Kurs von Präsident Erdogan - "der Rechtsstaat muss verbessert werden".

Käsehandel in Istanbul
AFP

Käsehandel in Istanbul


In der wirtschaftlich angeschlagenen Türkei schlägt der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan verstärkt Kritik aus dem Unternehmerlager entgegen. "Die Bürger wenden sich von der Lira ab, und die Türkei verliert in Sachen Wettbewerbsfähigkeit an Boden", teilte der Unternehmerverband Tüsiad in einer Mitteilung mit. Tüsiad-Spitzenvertreter Tuncay Özilhan forderte die Politik auf, Konsequenzen zu ziehen: "Damit sich die Wirtschaft aufhellt, muss der Rechtsstaat verbessert werden."

Zuletzt hatte ein Beschluss der obersten Wahlbehörde im In- und Ausland Kritik ausgelöst, mit dem die Bürgermeisterwahl in Istanbul nach dem Sieg der Opposition auf Antrag von Erdogans Partei AKP für nichtig erklärt wurde. Das Gremium begründete dies mit Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung und ordnete eine Wiederholung für den 23. Juni an.

Bundesaußenminister Heiko Maas nannte die Entscheidung "nicht transparent und nicht nachvollziehbar". Nach dem gescheiterten Putsch 2016 hat die Regierung Zehntausende Beamte und Staatsbedienstete festgenommen oder entlassen.

Die politische Unsicherheit in der Türkei hat Folgen für die Wirtschaft. Ende 2018 ist sie so stark geschrumpft wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Oktober und Dezember binnen Jahresfrist um drei Prozent. Die Wirtschaft leidet vor allem unter dem Sinkflug der heimischen Währung: Die Lira verlor im vorigen Jahr rund 30 Prozent an Wert.

hej/Reuters

insgesamt 15 Beiträge
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apetri1 15.05.2019
1. Das wird Herrn Erdogan kaum beeindrucken
sein genialer Schwiegersohn wird das mit der Wirtschaftskrise schon wieder hinbiegen. Notfalls kann der nach Trump zweitgrößte Präsident aller Zeiten die Unternehmen ja auch peu a peu verstaatlichen, damit die Wirtschaft wieder auf Schwung kommt. Nachgeben wird er jedenfalls nicht.
mirage122 15.05.2019
2. Welcher Rechtsstaat?
Hinsichtlich der Türkei von einem Rechtsstaat zu sprechen, ist einfach abenteuerlich. Sollen die Erdogan-Fans doch endlich mal nachdenken, wer ihnen diese politische Misere eingebrockt hat. Wahrscheinlich war das wieder die EU, die Beitrittsbemühungen boykottiert oder Frau Merkel, die nicht genug Geld überweist. Aber ihr Sultan ist gegen jeden Verdacht erhaben. Wann wachen die türkischen Bürger endlich auf? Und diejenigen, die in Deutschland leben, könnten doch auch mal ein bisschen mehr überweisen, damit alles wieder nach Wunsch läuft.
meteneptun 15.05.2019
3.
Starke Währungsverluste, die hohe Inflation und die damit verbundenen hohen Zinsen machen es der türkischen Industrie extrem schwer, weiter zu existieren. Die Zahl der Konkursverfahren hat eine Rekordhöhe erreicht. Am schlimmsten wirkt sich aber der Vertrauensverlust gegenüber der türkischen Regierung.
adal_ 15.05.2019
4. Erdogan macht sich im Portemonnaie der Türken unangnehm bemerkbar
Zitat von apetri1sein genialer Schwiegersohn wird das mit der Wirtschaftskrise schon wieder hinbiegen. Notfalls kann der nach Trump zweitgrößte Präsident aller Zeiten die Unternehmen ja auch peu a peu verstaatlichen, damit die Wirtschaft wieder auf Schwung kommt. Nachgeben wird er jedenfalls nicht.
Wohl aber beeindruckt es jene Wähler, die Erdogan wegen des Wirtschaftsaufschwungs 2001 bis 2013 huldigten, z.T. sogar immer noch huldigen. Weil es aber seitdem bergab geht, verliert er Monat für Monat an wirtschaftspolitischer Glaubwürdigkeit.
Schartin Mulz 15.05.2019
5. Letztlich
kann es nur gut sein, dass die türkische Wirtschaft schwächelt. Solange es einem Land wirtschaftlich gut geht, kann eine Regierung machen, was sie will. Jetzt gerät Erdogan unter Druck. Und das ist auch gut so.
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