Milliardenauftrag Türkei will auch mit Russland über Raketenabwehrsystem sprechen

Neue Provokation aus Ankara: Die Türkei erwägt Angebote für einen milliardenschweren Rüstungsdeal einzuholen - auch von Russland.

Türkischer Präsident Erdogan
AFP

Türkischer Präsident Erdogan


Das Nato-Mitglied Türkei will bei der geplanten Entwicklung eines Raketenabwehrsystems auch mit Russland verhandeln. Es werde mit allen Interessenten gesprochen, sagte der für die Rüstungsindustrie zuständige Staatssekretär, Ismail Demir, am Dienstag. Dies schließe auch Russland sowie frühere Bewerber für das System mit ein.

Die Türkei hatte 2015 die Ausschreibung für ein Abwehrsystem von Langstreckenraketen im Volumen von 3,4 Milliarden Dollar abgesagt. Zunächst hatte China den vorläufigen Zuschlag erhalten, was bei den USA und anderen Bündnispartnern im Westen Besorgnis ausgelöst hatte. Falls die geplante eigenständige Entwicklung zu lange dauere, würden andere Optionen wie die Beschaffung im Ausland geprüft, betonte Demir.

Der Ankündigung, auch russische Hilfe zu erwägen, ist eine neue Provokation gegen die EU. Angesichts der Repressionsmaßnahmen gegen Opposition und Medien in der Türkei hatte sich der Ton zwischen Europa und Ankara zuletzt deutlich verschärft.

Der türkische Europaminister Ömer Celik warf dem luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn am Montag "mangelnde historische Kenntnis" vor, weil dieser den türkischen Behörden Methoden zur Last legte, "die während der Naziherrschaft benutzt wurden". Die Bundesregierung wandte sich gegen eine "Sanktionsdebatte" zum jetzigen Zeitpunkt.

Forderungen aus der EU, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, wies Celik als "rassistisch" zurück. Es sei "nicht akzeptabel", dass "einige unserer Freunde in Europa in einem Satz sagen, dass sie an unserer Seite stehen, und dann neun kritische Sätze folgen".

ssu/AFP/Reuters



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