Lira-Krise Türkische Wirtschaft ist im dritten Quartal deutlich langsamer gewachsen

Die Krise der Lira schlägt auf die türkische Wirtschaft durch: Ihr Wachstum hat sich zwischen Juli und September stark verlangsamt.

Ein Markt in Istanbul (Archivbild)
AP

Ein Markt in Istanbul (Archivbild)


Die türkische Wirtschaft ist im dritten Quartal dieses Jahres nur noch leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach Angaben des Statistikamts in Ankara im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent.

Im zweiten Quartal hatte die Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr noch um 5,2 Prozent zugelegt. In den ersten drei Monaten dieses Jahres war das BIP verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sogar um 7,4 Prozent gestiegen.

Die Türkei kämpft derzeit mit einer hohen Inflation: Im Oktober war sie zum ersten Mal seit 15 Jahren auf mehr als 25 Prozent angestiegen. Zwar sank die Teuerungsrate zuletzt leicht, allerdings liegt sie noch immer bei 21,6 Prozent.

Hintergrund ist der dramatische Kursverfall der türkischen Lira. Die Währung hat binnen einem Jahr mehr als 40 Prozent ihres Werts im Verhältnis zum Euro verloren. Um die Lira zu stabilisieren und die stark anziehende Inflation zu bremsen, hat die türkische Zentralbank zuletzt die Zinsen für die Kreditvergabe drastisch erhöht. Das belastet Banken und Konzerne; viele junge, gut ausgebildete Menschen verlassen das Land. Zuletzt erholte sich die Landeswährung wieder leicht und liegt bei rund 5,30 Lira für einen Dollar.

Ein inzwischen beigelegter politischer Streit mit den USA über einen in der Türkei inhaftierten US-Pastor hatte den Absturz der Währung befeuert. Die Türkei kämpft jedoch auch mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit - sie importiert also mehr Waren als sie ausführt. Die deutschen Exporte in die Türkei brachen im September im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent ein.

Im September glich die türkische Regierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr bereits an: Finanzminister Berat Albayrak rechnet für 2018 nur noch mit einem Wachstum von insgesamt 3,8 Prozent. Zuvor strebte die Regierung noch ein Wachstum von 5,5 Prozent an.

kko/dpa

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