U-Bahn-Eröffnung Dubai feiert seine Luxus-Metro

52 Kilometer lang, 29 Stationen und Edelabteile für die First-Class. Dubai hat seine erste U-Bahn eröffnet - und glänzt mal wieder mit Superlativen. Doch die Mega-Metro hat ein großes Problem: Wie lockt man die Scheichs aus ihren Autos, wenn ein Liter Benzin umgerechnet nur 25 Cent kostet?

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Von , Dubai


Die Nachrichten aus Dubai waren zuletzt trübe: Nach dem rasanten Aufstieg schien das Emirat der Überflieger mit dem selben atemberaubenden Tempo in die Rezession abgestürzt zu sein. Grandiose Pläne wurden kleinlaut auf Eis gelegt, ein Heer von Immobilienmaklern war plötzlich arbeitslos, Manager aus der ganzen Welt suchten das Weite und ließen halb abbezahlte Luxusboliden am Flughafen stehen.

Nun aber neigt sich die weltweite Wirtschaftskrise dem Ende zu - und deshalb wollen die Scheichs in diesem Herbst wieder an vergangene Großtaten anknüpfen: Mit einer sorgfältig geplanten Marketing-Kampagne. Am Mittwoch, dem 9.9.2009, geht in Dubai die erste Metro auf der arabischen Halbinsel in Betrieb; die Eröffnung des Burj Dubai, des höchsten Gebäudes der Welt, ursprünglich für den gleichen Tag geplant, wurde in den Dezember verlegt - "damit man die Glocke zweimal läuten kann", wie Bernhard Solleder, ein deutscher Banker in Dubai, mutmaßt.

Kosten von mehr als fünf Milliarden Euro

Tatsächlich geht es auch danach mit dem Marketing-Feuerwerk weiter: Im November wird der Formel-1-Kurs im Nachbar-Emirat Abu Dhabi eröffnet, im Februar soll vor dem Emirat Ras al-Chaimah der America's Cup ausgetragen werden, die älteste Segelregatta der Welt. "Mal sehen, ob sich ausländische Investoren von dieser zweiten Welle wieder so mitreißen lassen wie von der ersten", sagt Solleder.

Den Anfang macht jetzt erst mal die neue Metro: 52 Kilometer lang ist die "Red Line", 29 Stationen hat sie, eigene Abteile für First-Class-Kunden und für Frauen, drahtlosen Internetempfang auf den Bahnhöfen und in den Zügen. Vor allem aber hat es nur vier Jahre gedauert, bis 30.000 Arbeiter das "längste fahrerlose, computergesteuerte Nahverkehrssystem der Welt" fertig stellten. Das ist nicht schlecht, wenn man es etwa mit der im August eröffneten Kanzler-U-Bahn in Berlin vergleicht, die 1,8 Kilometer lang ist, drei Stationen hat und - mit Unterbrechungen - 13 Jahre brauchte, bis sie fertig war.

Nicht dass in Dubai, einer Stadt, in der keine Planfeststellungsverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfungen den Fortschritt bremsen, alles glatt gegangen wäre: Die Kosten sind mit 5,25 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie veranschlagt, nur zehn Stationen werden vorläufig eröffnet - und genau auf halber Strecke zwischen dem Stadtzentrum und dem Containerhafen Jebel Ali döst ein Monument des Größenwahns in der schwülen Hitze, dessen Schicksal für die neue Metro nichts Gutes verheißt: Hier liegt die erst vor kurzem eingeweihte Hochbahn zur künstlich angelegten Halbinsel "Palm Jumeirah".

Dubai übertrifft an Autofixiertheit selbst Los Angeles

Auch diese Bahn beeindruckt mit klimatisierten Bahnhöfen und großartigen Ausblicken - es fährt nur kaum jemand damit. Die Planer haben schlicht vergessen, sie an den Rest des Nahverkehrssystems anzubinden. Außerdem haben sie unterschätzt, wie rapide die Weltwirtschaftskrise den Häuserbau auf der Palmeninsel zum Stillstand bringen würde. Ein kleiner Trost für die besonneneren Europäer: Planfeststellungsverfahren haben offenbar doch ihren Sinn.

Im übrigen muss die Metro von Dubai zwei Probleme lösen, die europäische Verkehrsplaner so nicht kennen: Wie bringt man Menschen bei über 40 Grad im Schatten ohne Hitzschlag in die U-Bahn? Und wie lockt man sie aus ihren Autos, wenn ein Liter Benzin umgerechnet nur 25 Cent kostet?

Die Antwort auf die Hitzefrage sind riesige, klimatisierte Passagierbrücken, die das elegante Muschel-Design der oberirdischen Bahnhöfe empfindlich stören - und eine Flotte von Zulieferbussen, darunter auch mehrere hundert aus Deutschland. Da die Taxi-Preise in Dubai aber relativ niedrig sind, werden viele fürs erste wohl mit dem Taxi zur U-Bahn fahren.

Die Benzinfrage dürfte das größere Problem sein - Dubai übertrifft an Auto-Fixiertheit selbst das berüchtigte Los Angeles. Nur sechs Prozent aller Bewohner nutzen bisher öffentliche Verkehrsmittel. Die Metro, sagen die Stadtväter, werde das ändern: Sie erwarten jährlich 200 Millionen Passagierfahrten, wenn im nächsten Sommer auch die zweite Linie in Betrieb geht.



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