Überweisungen an Tote Griechische Rentnerposse erzürnt Schwarz-Gelb

Die angebliche Misswirtschaft in Griechenland hat ein neues Symbol: Tausende Tote, denen der Staat noch immer Rente überweist. In Deutschland empören sich Vertreter von Union und FDP über den "unglaublichen Skandal". Die Grünen hingegen loben die Athener Regierung - weil sie die Fälle bekanntmachte.

Griechischer Senior vor dem Finanzministerium: Hundertjährige unter Verdacht
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Griechischer Senior vor dem Finanzministerium: Hundertjährige unter Verdacht


Düsseldorf/Hamburg - Es war wohl als Aufklärung gedacht, doch in Teilen der deutschen Regierungskoalition sorgt es für Empörung: Das Geständnis der griechischen Arbeitsministerin Louka Katseli, dass die Regierung für Tausende tote Griechen noch immer Rente zahlt. 4500 verstorbene Angestellte im öffentlichen Dienst erhielten noch Geld, sagte Katseli. Das koste den Steuerzahler jährlich mehr als 16 Millionen Euro. Das Ministerium wolle nun überprüfen, wie viele der offiziell etwa 9000 über Hundertjährigen tatsächlich noch leben.

Die fortgesetzten Rentenzahlungen seien "ein neues Detail des unglaublichen Skandals griechischer Regierungspolitik und Misswirtschaft", sagte der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, dem "Handelsblatt". Die Enthüllung zeige auch "wie dringend es ist, die griechischen Finanzen bis in jeden Winkel auf den Prüfstand zu stellen, bevor auch nur ein Cent bereitgestellt wird".

Laut dem Finanzexperten der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, zeigt der Rentenskandal, dass Griechenland vor tiefgreifenden Änderungen steht. "Haftung und Verantwortung müssen in Europa wieder zusammengehören", sagte Schäffler dem "Handelsblatt". Wer seinen Sozialstaat massiv ausbaue, müsse auch für die Folgen geradestehen. "Eine weitere Sozialisierung von Verantwortung in der EU muss verhindert werden", sagte Schäffler. "Dies zerstört sonst Europa."

"Abgabenbetrug gibt es auch in Deutschland"

Bei den Grünen wurden Katselis Äußerungen dagegen positiv aufgenommen. Der Finanzexperte Gerhard Schick nannte es ein gutes Zeichen, dass der griechische Staat vorhandene Missstände nun aufdecke und abzustellen versuche. Überheblichkeit sei fehl am Platz. "Abgabenbetrug zu Lasten der Ehrlichen gibt es auch in Deutschland und anderen Teilen der EU."

Schick plädierte dafür, die EU-Mitgliedstaaten sollten Athen noch deutlicher ihre Hilfe beim Aufbau eines effizienten Verwaltungs- und Steuersystems anbieten. Im vergangenen Jahr hatten ausländische Experten Griechenland bereits beim Aufbau eines unabhängigen Statistikamtes unterstützt. Als Gegenleistung für weitere Finanzhilfen ist nun eine stärkere Beteiligung internationaler Berater bei den griechischen Reformen im Gespräch.

Die Überweisungen an verstorbene Rentner waren bereits seit längerem bekannt. Schon im August 2010 hatte der Vizeminister für Arbeit und Soziales, Giorgos Koutroumanis, der Athener Presse versichert, der Staat werde juristisch gegen alle vorgehen, die "vergessen hätten", den Tod ihrer Verwandten zu melden. Eine genauere Untersuchung ergab damals mindestens 320 Fälle, in denen die Rente an Bankkonten gezahlt wurde, auf denen gar keine Transaktionen mehr stattfanden, oder die seit Jahren nur noch von Kindern oder anderen Bevollmächtigten genutzt wurden.

Unterdessen zeichnet sich in der schwarz-gelben Koalition erheblicher Widerstand gegen ein weiteres Hilfsprogramm für Griechenland ab. Der CDU-Haushaltsexperte Klaus-Peter Willsch kündigte in der "Mitteldeutschen Zeitung" an, er werde neuen Hilfen nicht zustimmen. Die Datenlage aus Athen sei eine Zumutung: "Das ist unterirdisch."

dab/dpa

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heuwender 06.06.2011
1. ohne
Zitat von sysopDie angebliche Misswirtschaft in Griechenland hat ein neues Symbol: Tausende Tote, denen der Staat noch immer*Rente überweist. In Deutschland empören sich Vertreter von Union und FDP*über den "unglaublichen Skandal". Die Grünen loben hingegen, dass die Athener Regierung die Fälle bekanntmachte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,766981,00.html
wen wundert denn das???Mich sicherlich nicht,das ist Europa.
karsten112 06.06.2011
2. Wo ist das Problem?
Zitat von sysopDie angebliche Misswirtschaft in Griechenland hat ein neues Symbol: Tausende Tote, denen der Staat noch immer*Rente überweist. In Deutschland empören sich Vertreter von Union und FDP*über den "unglaublichen Skandal". Die Grünen loben hingegen, dass die Athener Regierung die Fälle bekanntmachte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,766981,00.html
Hier in der BRD wird auch genug Kohle an Politiker überwiesen die weniger Leistung zeigen als tote griechische Rentner. Wie Morgen die Schlagzeileder BLÖD aussieht kann sich ja jeder denken...
juxeii 06.06.2011
3. ...
Es macht doch nichts, dass ein paar Unions-Abgeordnete dem neuen Hilfspaket nicht zustimmen. Es herrscht eine parteiübergreifende Geberlaune im deutschen Parlament, insbesondere die Grünen werden hier der Regierung unter die Arme helfen, damit die Milliarden weiterhin fließen können.
kdshp 06.06.2011
4. Misswirtschaft
Zitat von sysopDie angebliche Misswirtschaft in Griechenland hat ein neues Symbol: Tausende Tote, denen der Staat noch immer*Rente überweist. In Deutschland empören sich Vertreter von Union und FDP*über den "unglaublichen Skandal". Die Grünen loben hingegen, dass die Athener Regierung die Fälle bekanntmachte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,766981,00.html
Hallo, ach ja die CDU/FDP ist empört wäre sie das doch auch mal bei anderen dingen aber hier in D wie lohndumping, banken abzocke, spekulanten, monopolisten usw.
Schäfer 06.06.2011
5. Statistik
Uns wurde immer weisgemacht, die Griechen würden nach den Japanern besonders alt. Mit anderen Worten, unsere Medien *wollten*, dass wir an so viele Alte in Griechenland glauben.
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