Gasfelder vor Krim-Küste Ukraine droht Russland mit Klage

Die Ukraine besaß riesige Erdgasfelder im Schwarzen Meer - bis Russland die Krim annektierte. Jetzt fordert die Regierung in Kiew die Rohstoffvorkommen zurück und droht Moskau mit Klagen vor internationalen Gerichten.
Russische Kriegsschiffe vor Sewastopol: Milliardenschätze unterm Meer

Russische Kriegsschiffe vor Sewastopol: Milliardenschätze unterm Meer

Foto: AP/dpa

Berlin - Die Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Russland um milliardenschwere Gasvorkommen im Schwarzen Meer eskaliert. Der ukrainische Staatskonzern Naftogaz prüft einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge rechtliche Schritte gegen Russland. "Unser Konzern hat derzeit keinen Zugang zu mehreren Hochsee-Feldern", sagt Naftogaz-Chef Andrij Kobolew der Zeitung. Sie befänden sich unter der Kontrolle Russlands. Der Konzern wolle das nicht länger hinnehmen. Naftogaz prüfe den Weg vor internationale Gerichte. "Das muss kompensiert werden", fordert Kobolew.

Mit dem Vorstoß des Staatskonzerns gerät eine Facette des Konflikts an die Öffentlichkeit, die bisher kaum Beachtung fand. Denn seit der Annexion der Krim beansprucht Russland auch den Zugriff auf die Meeresgebiete um die Halbinsel, inklusive der Rohstoffvorkommen im Wert von vielen Milliarden Euro.

Die Entwicklung wirkt sich jetzt auch auf bereits angestoßene Explorationsprojekte aus. So wollte etwa ein Konsortium um den US-Konzern Exxon und den österreichischen OMV-Konzern aus dem Feld "Skifska" nach ukrainischen Plänen bereits vor 2017 Gas fördern. "Das Projekt liegt auf Eis", bestätigt ein OMV-Sprecher laut dem Zeitungsbericht.

Die Ukraine will sich in der Energiepolitik zudem künftig offenbar noch stärker von Moskau distanzieren. "Wir arbeiten daran, die Ukraine in den europäischen Gasmarkt zu integrieren", kündigt Naftogaz-Chef Kobolew an. "Von politischen Gaspreisen Moskaus werden wir uns nicht mehr erpressen lassen." Um Gasquellen kurzfristig zu diversifizieren, wünscht sich Kiew noch größere Importe aus Europa, die durch eine Umkehrung der Fließrichtung bestehender Pipelines erfolgen könnten. Auch von deutschen Lieferanten wolle die Ukraine weiterhin fast drei Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr beziehen, heißt es. Zu den Lieferanten zählt etwa Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE.

nck