Ukraine-Konflikt Russland-Sanktionen könnten Zypern-Rettung gefährden

Zypern hat vor Wirtschaftssanktionen gegen Russland gewarnt - sie könnten das Rettungsprogramm für das Euro-Land gefährden. Im "Handelsblatt" warnt Präsident Anastasiades vor "äußerst negativen Auswirkungen".
Bank in Zyperns Hauptstadt: Russlandsanktionen gefährden Rettungsprogramm

Bank in Zyperns Hauptstadt: Russlandsanktionen gefährden Rettungsprogramm

Foto: PATRICK BAZ/ AFP

Berlin - Die möglichen EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland könnten weitreichende Folgen für Zypern haben. Der Präsident des Inselstaates, Nikos Anastasiades, warnte davor, dass Sanktionen das Rettungsprogramm für das Euro-Land gefährden könnten. "Wenn Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt würden, hätte das äußerst negative Auswirkungen auf unser Anpassungsprogramm, das wir mit der Troika vereinbart haben", sagte Anastasiades dem "Handelsblatt". "Es würde all die Fortschritte gefährden, die wir seit einem Jahr mühsam erreicht haben."

Die EU erwägt im Zuge des Ukraine-Konflikts schärfere Sanktionen gegen Russland. Dessen Unternehmen haben aus Steuergründen Milliardensummen nach Zypern transferiert. Zudem hat Russland Zypern hohe Kredite gegeben. Anastasiades forderte, die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten sollten bei Entscheidungen über Strafmaßnahmen "den Schaden berücksichtigen, den sowohl die EU selbst als auch die Wirtschaft unserer Länder aufgrund solcher Sanktionen erleiden würden".

Neben Risiken gebe es aber auch Chancen für Zypern, sagte der Präsident. "Wir verfügen über Ressourcen, welche die EU unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen", sagte Anastasiades. Vor Zyperns Küste sind Gasvorkommen entdeckt worden. Sein Land werde innerhalb Europas ein wichtiger Energielieferant, sagte er.

Generell sieht Anastasiades Zypern auf dem Weg der Besserung. Ein Beleg sei, dass sich das Land kürzlich Geld bei Investoren leihen konnte. Das sei die erste Emission von Staatsanleihen seit dem Jahr 2010 gewesen, sagte Anastasiades der Zeitung. "Die Reaktionen waren positiv." Zypern hatte an private Personen Anleihen für 100 Millionen Euro verkauft. "Es wird weitere Emissionen geben", kündigte er an. "Wir wollen das auf monatlicher Basis wiederholen."

Die Notwendigkeit für ein weiteres Rettungsprogramm sieht Anastasiades nicht. Der Präsident kündigte in der Zeitung an, dass Zypern eine Förderinstitution für kleine und mittlere Unternehmen gründen will, bei der sich auch Deutschland beteiligen werde. "Dazu wird neben Zypern auch die Europäische Investitionsbank Kapital beitragen und die deutsche KfW-Bank", sagte Anastasiades. Das habe ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel angeboten.

nck