Mario Draghi EZB warnt vor Folgen politischer Krisen für die Eurozone

Die EZB hält am historisch niedrigen Leitzins fest, und ihr Präsident Mario Draghi bereitet die Eurozone auf eine schwache Konjunktur vor: Die Krisen in Syrien, im Irak und in der Ukraine bergen demnach "geopolitische Risiken".

EZB-Chef Draghi: Mahnung an Italien
AFP

EZB-Chef Draghi: Mahnung an Italien


Frankfurt am Main - Die zahlreichen internationalen Krisenherde gefährden nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wirtschaft in der Eurozone. "Erhöhte geopolitische Risiken haben gemeinsam mit der jüngsten Entwicklung in den Schwellenländern und an den Finanzmärkten das Potenzial, die Konjunktur negativ zu beeinflussen", sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

Den notwendigen Wachstumsschub sieht Draghi vor allem durch die Konflikte in Syrien, Libyen und in der Ukraine bedroht. Allerdings befinde sich der Konflikt in der Ukraine noch in einem frühen Stadium, und es sei schwer einzuschätzen, welche Auswirkungen diese Krise auf die Wirtschaft habe. Die Lage in der Ukraine und Russland dürfte aber größere Auswirkungen auf die Eurozone haben als auf den Rest der Welt, sagte Draghi.

Zuvor hatten die Währungshüter der EZB den seit Juni geltenden Leitzins von nur 0,15 Prozentbestätigt. Bereits seit Längerem müssen Banken Strafzinsen auf Geld zahlen, das sie bei der EZB parken. Das soll die Institute dazu bringen, mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben und so das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Der Notenbankchef versicherte erneut, dass die EZB im Fall von konjunkturellen Rückschlägen, die für eine Deflation in der Eurozone sorgen könnten, mit breitangelegten Anleihekäufen gegensteuern werde. Derzeit geht die Notenbank davon aus, dass sich die Konjunktur im Euroraum zwar allmählich erholen wird, die Wirtschaft in manchen Ländern jedoch weiterhin kriselt.

Besorgt äußerte sich Draghi vor allem über das in die Rezession zurückgefallene Italien - und forderte die Regierung von Matteo Renzi wegen der schwachen Verfassung der Wirtschaft zu grundlegenden Reformen auf. Die Unsicherheit am Arbeitsmarkt und in anderen Bereichen der Wirtschaft über den politischen Kurs im Land sei der wichtigste Grund für den niedrigen Stand der Privatinvestitionen, sagte Draghi.

mxw/dpa/Reuters

insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
johnsnowx26 07.08.2014
1.
Ja, schieben wir es auf "geopolitsche Risiken", statt den unvermeidlichen Frontalkurs auf eine Betonwand anzuerkennen, den die Finanzwirtschaft so zielstrebig fährt. Oh Gott, bloß keine Deflation! Wir drucken lieber noch ein paar mehr virtuelle Scheinchen. Was kann da schon schiefgehen?
Progressor 07.08.2014
2. Augenwischerei
Natürlich hat Draghi recht mit seinen Warnungen. Besonders das Embargo gegen Russland wird sich stark negativ auswirken. Das ist aber nicht der Punkt. Weltweit ist die Geldpolitik am Ende. Der auf Null gesunkene Zins bringt trotzdem nicht mehr das Sparen und die Kredite (besonders die für Konsum und Investitionen) zum Ausgleich. Das musste irgend wann so kommen und ist systemimmanent. Normal müsste jetzt der Staat mit Konjunkturprogrammen auf Pump ausgleichen. Das will man angesichts der so schon hohen Staatsverschuldungen aber verständlicherweise auch nicht. Also: Wie soll das nun weitergehen? Diese Frage kann (oder will) niemand beantworten. Deshalb harren wir den weiteren "Um den heissen Brei"-Herumredereien.
Thunder79 07.08.2014
3. @ #1
Zitat von johnsnowx26Ja, schieben wir es auf "geopolitsche Risiken", statt den unvermeidlichen Frontalkurs auf eine Betonwand anzuerkennen, den die Finanzwirtschaft so zielstrebig fährt. Oh Gott, bloß keine Deflation! Wir drucken lieber noch ein paar mehr virtuelle Scheinchen. Was kann da schon schiefgehen?
Sehen Sie eine andere Möglichkeit als Ausweg aus der Myserie? Falls ja, dürfen Sie sich gerne in den EZB Rat wählen lassen und bessere Politik machen, als von ganz weit unten heraus schlaue Forums-Beiträge zu posten.
wibo2 07.08.2014
4. Die Eurokrise ist noch nicht vorbei ...
Zitat von sysopAFPDie EZB hält am historisch niedrigen Leitzins fest, und ihr Präsident Mario Draghi bereitet die Eurozone auf eine schwache Konjunktur vor: Die Krisen in Syrien, im Irak und in der Ukraine bergen demnach "geopolitische Risiken". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ukraine-syrien-irak-ezb-chef-draghi-warnt-vor-konflikt-folgen-a-985014.html
Das will uns Draghi sagen: Bis auf weiteres muss der Steuerzahler zurück ins Risiko. Weil Investoren flüchten können, aber Steuerzahler nicht. Nichts anderes!
Deify 07.08.2014
5. Meine Güte,
nicht nur, dass es nicht stimmt, dass die Preise nicht steigen - das wäre aber endlich mal das, was die Menschen sich wünschen, denn schließlich steigen ihre Einkünnfte ja auch nicht. Was haben Leute wie Draghi, in den Banken, an den Börsen, Konzernen bloß im Kopf außer sich selbst und die nächsten 10 Minuten? Wie kann man dem nur ein Ende bereiten? Das wird wahrscheinlich nur von außen geschehen, wenn wirklich nichts mehr zu beeinflussen ist, wenn das Monopoly zu Ende ist und alles wieder auf Null steht. Natürlich nur für den Normalbürger.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.