Mögliche Verbindungen zum organisierten Verbrechen Ukrainischer Oligarch Firtasch in Österreich festgenommen

Der ukrainische Oligarch Dmitro Firtasch wurde in Österreich verhaftet. Ihm werden Geldwäsche und Verbindungen zum organisierten Verbrechen vorgeworfen. Jetzt droht Firtasch die Auslieferung an die USA.

Dmitro Firtasch
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Dmitro Firtasch


Der ukrainische Gasunternehmer Dmitro Firtasch ist am Dienstag aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Österreich festgenommen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Wien stellte Spanien den Haftbefehl aus, das Land sucht ihn wegen Vorwürfen der Geldwäsche und Verbindungen zum organisierten Verbrechen.

Die österreichische Justiz billigte zudem Firtaschs Auslieferung an die USA, wo ihm wegen Korruption der Prozess gemacht werden soll. Das Berufungsgericht in Wien hob eine Entscheidung der Vorinstanz vom April 2015 auf, die sich gegen die Auslieferung des 51-jährigen Oligarchen ausgesprochen hatte.

Firtasch war im März 2014 auf Grundlage eines US-Haftbefehls in Österreich festgenommen worden. Zehn Tage später wurde er gegen die Zahlung einer Rekordkaution in Höhe von 125 Millionen Euro aus der Auslieferungshaft entlassen. Er musste aber zusichern, Österreich nicht zu verlassen.

Seiner Festnahme waren mehrjährige Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI vorausgegangen. Die US-Behörden werfen Firtasch vor, über US-Finanzinstitutionen bei einem Titanminen-Geschäft in Indien Beamte bestochen zu haben. Dabei sollen 18,5 Millionen Dollar Schmiergeld geflossen sein. Zuständig sieht sich die US-Justiz, weil US-Finanzinstitutionen im Spiel waren, Reisen von und in die USA getätigt wurden und Computer und Telefone in den USA zur Kommunikation genutzt wurden.

Firtasch war bei der Urteilsverkündung anwesend. Kurz danach wurde er festgenommen und leistete keinen Widerstand. Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu dem mit Spanien verbundenen Fall nicht äußern und konnte auch keine Angaben dazu machen, ob und wie die Festnahme seine Auslieferung in die USA beeinflussen könnte.

Medienberichten zufolge stellten die Behörden in Barcelona im November vergangenen Jahres einen Haftbefehl gegen Firtasch aus, weil er Verbindungen zum organisierten Verbrechen haben soll. Er soll zudem in Spanien zehn Millionen Euro Geld gewaschen haben.

Firtasch ist einer der reichsten Männer der Ukraine. Er soll früher gute Kontakte zu dem im Februar 2014 gestürzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch gehabt haben. Sein Geld machte er mit dem Unternehmen Rosukrenergo durch den Import von Gas aus Russland und Turkmenistan. Die Firma ist eng mit dem russischen Gaskonzern Gazprom verbunden.

Firtasch weist die gegen ihn vorgebrachten Bestechungsvorwürfe zurück und kritisiert die Ermittlungen als politisch motiviert. Auch die untere Gerichtsinstanz folgte im April 2015 dieser Auffassung und lehnte die Auslieferung in die USA zunächst mit Verweis darauf ab, dass die Vorwürfe "politisch motiviert" seien.

hej/AFP/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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slartibartfass2 21.02.2017
1. USA vs. Russland
Armer Kerl. Jetzt wird ihm in den USA der Prozess gemacht, weil er mit den falschen Personen (Janukowitsch) befreundet ist. Und die US-Justiz fühlt sich - rein zufällig - mal wieder allzuständig. Was für eine Farce.
sven2016 21.02.2017
2.
Wow, gleich der erste Kommentar von Putinfreunden ... das geht immer schneller. Wirtschaftskriminalität sollte aber schon aufgearbeitet werden, und auch in Amerika finden noch rechtsstaatliche Verfahren statt. Anders als in Russland, immerhin!
yossariania 21.02.2017
3. Naja,
Zitat von slartibartfass2Armer Kerl. Jetzt wird ihm in den USA der Prozess gemacht, weil er mit den falschen Personen (Janukowitsch) befreundet ist. Und die US-Justiz fühlt sich - rein zufällig - mal wieder allzuständig. Was für eine Farce.
er war auch schon mit Juschtschenko befreundet, und seine grossen Geschäfte hat er in der Juschtschenko-Ära gemacht. Seine Todfeindin war und ist Timoschenko - weil beide direkte Konkurrenten im ukrainischen Gasgeschâft waren. Klitschko und Poroschenkow waren auch an seiner Unterstützung interessiert. Beide haben ihn Ende März 2014 in Österreich besucht, kurz nachdem er auf Kaution freigelassen wurde, und haben um seine Unterstützung gebeten. Sagte zumindest Frau Timoschenko, die bei dieser Gelegenheit meinte, die Oligarchie müsse ein für alle mal weg. Das Auslieferungsbegehren der USA wurde damals auch abgelehnt, weil es nach Ansicht des Gerichtes politisch motiviert war. Wesentlicher Grund war aber die Tatsache, das die USA die erforderlichen Beweismittel nicht beinringen konnten oder wollten. Zeugenaussagen lagen nur anonym und schriftlich vor, die USA weigerten sich, die Identität der Zeugen dem Gericht preiszugeben die Richter zweifelten sogar an, das diese Zeugen überhaupt existierten. Die NYT bezeichnete das Urteil übrigens als vernichtende Rüge der Staats- und Justizbehörden.
marcus.w 22.02.2017
4. Wer sich für das Thema interessiert
... dem sei der folgende MSNBC Beitrag von Rachel Madow auf Youtube ans Herz gelegt: "Shady Oligarch's Case A Test Of President Trump's Department Of Justice | Rachel Maddow | MSNBC" - einfach nach "msnbc" und "this is a test" suchen. In diesem Beitrag wird schön herausgestellt, wieso dieser Mensch ausgerechnet JETZT an die USA ausgeliefert wird und was ihm eigentlich vorgeworfen wird.
hevopi 22.02.2017
5. Wenn die Vorwürfe stimmen und er kriminell ist,
dann ist auch die Auslieferung selbstverständlich. Jeder Mensch hat die gleichen Rechte und Pflichten, auch kriminelle Multimillionäre.
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