Reaktionen auf Hoeneß-Prozess "Ehrlich machen heißt zurücktreten"

18,5 Millionen Euro an Steuern hat Uli Hoeneß hinterzogen, weit mehr als bekannt. Die Reaktionen von Politikern sind heftig. Manche sind "fassungslos", andere fordern den sofortigen Rücktritt des Bayern-Präsidenten. Ein Kirchenvertreter warnt vor einer Sondermoral für Prominente.

Bayern-Präsident Hoeneß: "Ehrlich machen heißt zurücktreten"
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Bayern-Präsident Hoeneß: "Ehrlich machen heißt zurücktreten"


Berlin - Aus Politik und Kirche kommt deutliche Kritik an Uli Hoeneß, nachdem der 62-jährige Bayern-Präsident am Montag vor Gericht eingeräumt hatte, weitaus mehr Steuern als angenommen hinterzogen zu haben.

Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, forderte in der "Rheinischen Post" den sofortigen Rückzug von Hoeneß vom Präsidentenamt beim deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München. Hoeneß habe Steuern in einem unvorstellbaren Ausmaß hinterzogen, sagte Riexinger. "Er kann nun keinesfalls weiter an der Spitze des FC Bayern bleiben. Ehrlich machen heißt zurücktreten."

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) zeigte sich in den "Ruhr Nachrichten" "fassungslos", nachdem Hoeneß eingeräumt hatte, statt 3,5 Millionen Euro sogar 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Niemand habe das Recht, selbst darüber zu entscheiden, wie er Steuergelder verwende, die der Allgemeinheit zustünden: "Man kann nicht erst dem Fiskus Geld stehlen und sich dann anschließend dafür feiern lassen, was man damit für Wohltaten geleistet hat", sagte Walter-Borjans. Hoeneß hatte betont, sich trotz Steuerhinterziehung nicht als Sozialschmarotzer zu sehen, da er fünf Millionen Euro an soziale Einrichtungen gegeben habe.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, warnte in den "Kieler Nachrichten" vor einer Sondermoral für Prominente. Schneider sagte, beim Prozess in München gehe es auch um den einheitlichen ethischen Bewertungsmaßstab. "Trotz aller Verdienste um den deutschen Fußball: Daraus den Anspruch auf eine andere Moral abzuleiten, geht nicht."

Uli Hoeneß hatte am Tag eins des Steuerprozesses ein umfassendes Geständnis abgelegt (lesen Sie hier seine Aussagen im Wortlaut). Er war dabei hart mit sich selbst ins Gericht gegangen. "Ich habe gezockt und war verrückt", sagte er unter anderem. "Ich bin froh, dass jetzt alles transparent auf dem Tisch liegt. Mein Fehlverhalten bedauere ich zutiefst."

ssu/dpa

insgesamt 192 Beiträge
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Esox44 11.03.2014
1. Sozialschmarotzer
Wenn ich eine Bank überfalle, die Hälfte der Beute spende, kann ich mich anschließend als Wohltäter feiern lassen.Was ist eigentlich mit den Steuern, die er hinterzogen hat in der Zeit vor der Verjährungsfrist ?
Alexander Hempel 11.03.2014
2. Und wo...
sind die anderen 13,5 Millionen?
zyrixmatrix 11.03.2014
3. Bonus wegen Sympathie?
Es wundert mich schon ein wenig. Ob nun 3 Mio. oder 18 Mio. ?. Wenn ein anderer Steuern in diesem Ausmaß hinterzogen hätte, wäre er schon längst zum Rücktritt seiner Ämter, Posten etc. gezwungen worden. Herr Hoeneß als Sympathieträger nicht! Ist das richtig? Hat Moral zweierlei Maß! Für sympathische und für unsympathische Millionäre?
Retent 11.03.2014
4. Reue?
Zitat von sysopREUTERS18,5 Millionen Euro an Steuern hat Uli Hoeneß hinterzogen, weit mehr als bekannt. Die Reaktionen von Politikern sind heftig. Manche sind "fassungslos", andere fordern den sofortigen Rücktritt des Bayern-Präsidenten. Ein Kirchenvertreter warnt vor einer Sondermoral für Prominente. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/reaktionen-auf-hoeness-gestaendnis-a-957936.html
Wenn Hoeneß echte Reue verspürt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinen Präsidentenposten bei Bayern zu räumen, denn einen geständigen Täter in einem solchen Amt, geht überhaupt nicht!? Seiner eigenen Moralvorstellung entsprechend, bleibt nur dieser Schritt (Daum u.v.A.)
guenther.kukla 11.03.2014
5. Der Kirchenvertreter....
Zitat von sysopREUTERS18,5 Millionen Euro an Steuern hat Uli Hoeneß hinterzogen, weit mehr als bekannt. Die Reaktionen von Politikern sind heftig. Manche sind "fassungslos", andere fordern den sofortigen Rücktritt des Bayern-Präsidenten. Ein Kirchenvertreter warnt vor einer Sondermoral für Prominente. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/reaktionen-auf-hoeness-gestaendnis-a-957936.html
Sollte zuerst mal die Verbrechen der kirchlichen "Unwürdenträger" kritisieren und vor denen warnen.
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