- • Steuerhinterziehung: Gericht verurteilt Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft
- • Steuersünder Hoeneß: Der Narzisst
Es ist das Ende eines Prozesses - in doppelter Hinsicht. Sofern das heutige Urteil gegen Ulrich Hoeneß Rechtskraft erlangt, bedeutet das juristisch: Der Aufsichtsratschef des FC Bayern München muss tatsächlich ins Gefängnis. Anders als viele andere prominente Steuersünder kommt er nicht mit einer Bewährungsstrafe davon. Angesichts der Millionensummen, die Hoeneß hinterzogen hat, blieb dem Gericht beim Strafmaß kaum eine andere Wahl.
Gesellschaftlich zeigt das Urteil, wie sich unser Blick auf Steuerhinterziehung geändert hat: Noch vor zehn Jahren war das Schwarzgeldkonto in der Schweiz ein Kavaliersdelikt, das in einschlägigen Villenvororten häufig sogar als legitime Notwehr gegen den nimmersatten Staat gesehen wurde. Entdeckungsrisiko? Gering. Schuldbewusstsein der Täter? Null.
Das heutige Urteil macht deutlich: Steuerhinterzieher verhalten sich genauso asozial wie andere Kriminelle auch. Wie normale Kriminelle müssen sie mit Verfolgung, Entdeckung und im Extremfall eben Gefängnis rechnen - ohne Elite-Bonus. Und, bei Prominenten wie Hoeneß besonders wichtig: Wie gewöhnliche Kriminelle verdienen sie nach dem Ende ihrer Strafe alle Chancen auf Rückkehr in die Gesellschaft.
Entscheidend beigetragen haben zu diesem gesellschaftlichen Wandel die Ankäufe von Kontodaten und auch der politische Druck auf die Schweiz und deren Banken. Die stellen ihren deutschen Kunden inzwischen ziemlich rigoros den Schwarzgeld-Koffer vor die Tür. Das Risiko für die Täter ist dadurch deutlich gestiegen. Wer sich dann wie Hoeneß unter der unmittelbaren Gefahr der Entdeckung wähnt und mit einer überhasteten, lückenhaften Selbstanzeige reinzuwaschen sucht, der kann eben nicht automatisch mit Straffreiheit rechnen. Wie bei einem normalen Kriminellen hat das Gericht Hoeneß' Selbstanzeige und sein Geständnis als strafmildernd bewertet - aber nicht als strafbefreiend.
Ulrich Hoeneß' Anwälte wollen gegen das Urteil Revision einlegen. Das ist ihr gutes Recht. Doch es hätte mehr Größe bewiesen und seiner im Gerichtssaal gezeigten Reue mehr Glaubwürdigkeit verliehen, hätte Hoeneß dieses faire Strafmaß einfach akzeptiert.
Lesen Sie die Ereignisse des Prozesstages im Minutenprotokoll hier sowie Stimmen und Reaktionen zum Urteil hier.
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Kurze Beratung, dann das Urteil: Kein Prominentenbonus für Uli Hoeneß. Er muss wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen für drei Jahre und sechs Monate in Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - seine Verteidiger wollen vor den Bundesgerichtshof ziehen.
Vor dem Justizpalast in München protestieren nun Fans gegen das Urteil.
Begleitet wird Hoeneß auch am vierten Verhandlungstag von seinem Anwalt Hanns Feigen. Hoeneß hatte bereits am ersten Prozesstag gestanden, über ein Konto in der Schweiz Steuern hinterzogen zu haben. Anfang 2013 hatte er deshalb Selbstanzeige erstattet. Etwa zur gleichen Zeit wurde der Fall publik. Die Verteidigung forderte, das Verfahren einzustellen oder die Strafe zur Bewährung auszusetzen.
Richter Rupert Heindl fällte das Urteil.
Gerichtssprecherin Andrea Titz sagte später über die Begründung des Urteils: "Es handelt sich nicht um eine knapp gescheiterte Selbstanzeige." Die Unterlagen, die Hoeneß zur Verfügung gestellt hatte, hätten nicht ausgereicht. Zudem sei er getrieben gewesen von der Angst vor der Entdeckung. Hoeneß habe "auf Zeit gespielt".
Viel Unterstützung für Uli Hoeneß vor dem Justizpalast - aber in den Sozialen Medien online gibt es auch viel Häme.
Staatsanwalt Achim von Engel bezeichnete die Selbstanzeige als "schnell zusammengebastelt" und "Schnellschuss". Vielmehr habe Hoeneß mit "grobem Eigenutz" gehandelt.
Hoeneß auf dem Weg zur Anklagebank: Nachdem zunächst von 3,5 Millionen Euro hinterzogener Steuern die Rede war, erhöhte sich diese Zahl in den ersten Prozesstagen auf 27,2 Millionen Euro. Richter Heindl ging schlussendlich von 28,5 Millionen Euro aus.
Das Leid einer Familie: Susanne Hoeneß war mit ihrem Mann im Gerichtssaal, an jedem einzelnen Tag. Wird das Urteil rechtskräftig, dann muss sie ihn künftig im Gefängnis besuchen.
Gut gewählt: Der Titel von Peter Bizers Buch über Uli Hoeneß. Denn ein Nachspiel wird es geben. Die Verteidigung will den Fall neu aufrollen lassen, die Staatsanwaltschaft prüft diesen Schritt noch.
Hoeneß ist Aufsichtsratschef beim FC Bayern München. Kann er diesen Posten behalten? Heute hören wir vermutlich nichts Offizielles mehr vom Verein, lediglich eine kurze Mitteilung wurde in Aussicht gestellt. Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat haben aber gerade angekündigt, sich zeitnah zu melden.
Hoeneß mit Anwalt Markus Gotzens: War das ein Hauch von Zuversicht? Noch ist nicht alles vorbei, die Verteidigung hat angekündigt, in Revision zu gehen.
Ein Bild aus besseren Tagen: Im August 1973 nahmen die Spieler der Nationalmannschaft das Lied "Fußball ist unser Leben" auf. Das Bild zeigt (hintere Reihe, von links): Bernd Franke, Gerd Müller, Uli Hoeneß; (vordere Reihe von links): Jupp Heynckes, Jupp Kapellmann und Franz Beckenbauer.
Der Justizplast in München: Hier wurde am Donnerstagnachmittag das Urteil verkündet.
Ein Bild aus besseren Tagen: Im August 1973 nahmen die Spieler der Nationalmannschaft das Lied "Fußball ist unser Leben" auf. Das Bild zeigt (hintere Reihe, von links): Bernd Franke, Gerd Müller, Uli Hoeneß; (vordere Reihe von links): Jupp Heynckes, Jupp Kapellmann und Franz Beckenbauer.
Foto: DPAMelden Sie sich an und diskutieren Sie mit
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