Umfrage des WSI-Instituts der Böckler-Stiftung Angst vor Corona-Ansteckung am Arbeitsplatz wächst

Der Sommer war für viele vergleichsweise sorgenfrei, nun wächst laut einer Umfrage die Angst, sich während der Arbeit zu infizieren. Doch längst nicht alle Arbeitnehmer sind gleich bekümmert.
U-Bahn in Frankfurt: Menschen mit vielen Kontakten besonders besorgt

U-Bahn in Frankfurt: Menschen mit vielen Kontakten besonders besorgt

Foto: brennweiteffm / IMAGO

Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin steigt unter den Beschäftigten. Im November machte sich jeder Dritte Sorgen, sich bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin zu infizieren – verglichen mit jedem vierten Beschäftigten in den Monaten Juni und Juli, als die Infektionszahlen deutlich niedriger waren. Das geht aus einer Umfrage des Portals Lohnspiegel.de hervor.

Trotz Shutdowns ist der Wert im November damit fast so hoch wie im Oktober. An der Befragung von Lohnspiegel.de , das vom gewerkschaftsnahen WSI-Institut der Hans-Böckler-Stiftung wissenschaftlich betreut wird, beteiligten sich seit April 26.500 Beschäftigte. Die Umfrage ist nicht-repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die Arbeitsbedingungen in Deutschland.

Besonders verbreitet ist laut der Umfrage die Sorge vor Ansteckung unter denjenigen, die im Beruf regelmäßig engen Kontakt zu anderen Menschen haben. So gaben seit Beginn der Befragung insgesamt 55 Prozent der Beschäftigten im Bereich Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege an, sich Sorgen vor einer Infizierung mit dem Coronavirus zu machen. Es folgen Beschäftigte in der Altenpflege (48 Prozent), der Gesundheits- und Krankenpflege (46 Prozent), Human- und Zahnmediziner (47 Prozent) sowie die Mitarbeiter im Einzelhandel (41 Prozent).

Bürohengste haben weniger Sorgen

»Wenn Arbeitgeber die berechtigten Sorgen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach ignorieren, kann dies das Vertrauensverhältnis im Betrieb dauerhaft zerstören«, sagte WSI-Expertin Elke Ahlers. »Gefragt sind klare und offene Kommunikation sowie eine enge Einbindung der Beschäftigten in die Entwicklung und Umsetzung von effektiven Hygienekonzepten.« Erster Ansprechpartner hierfür sollte der Betriebsrat sein.

Deutlich seltener Sorgen um ihre Gesundheit machen sich auch Beschäftigte in den klassischen Bürotätigkeiten, etwa in Büro und Sekretariat oder dem Rechnungswesen (jeweils 24 Prozent). Eine entscheidende Erklärung hierfür ist die Nutzung des Homeoffice, die seit Ausbruch der Pandemie stark gestiegen ist. Persönlicher Kontakt zu Kunden und Kollegen sowie das Risiko auf dem Weg zur Arbeit entfallen hier komplett. Unter den Befragten, die teilweise oder vollständig im Homeoffice arbeiten, macht sich deshalb nur eine kleine Minderheit (17 Prozent) berufsbedingt Sorgen um die eigene Gesundheit. Entsprechend hoch ist in dieser Gruppe auch die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber: 82 Prozent bescheinigen ihrem Arbeitgeber uneingeschränkt, bereits ausreichende Schutzmaßnahmen umgesetzt zu haben.

Die Verantwortung für die Einhaltung des Gesundheitsschutzes im Betrieb liegt in Deutschland nach dem Arbeitsschutzgesetz beim Arbeitgeber und kann von diesem auch nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden.

apr
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