Umfrage Deutsche fordern Rückkehr zum starken Staat

Mehr Geld für Bildung und Soziales: Eine Mehrheit der Deutschen fordert laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbands die Rückkehr des starken Staates, und das über Einkommens- und Parteigrenzen hinweg. Die Reichen sollen dafür stärker zur Kasse gebeten werden.
Plattenbausiedlung in Frankfurt/Oder: Deutsche fordern mehr Geld für Bildung und Soziales

Plattenbausiedlung in Frankfurt/Oder: Deutsche fordern mehr Geld für Bildung und Soziales

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Berlin/Hamburg - Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger fordert höhere Ausgaben des Staates in der Bildung und im Sozialbereich. Gleichzeitig sollen Personen mit sehr hohen Einkommen beziehungsweise Vermögen mehr Steuern zahlen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest unter 1000 Wahlberechtigten im Auftrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

Für den Bildungsbereich fordern der Umfrage zufolge 78 Prozent der Befragten höhere Investitionen, 57 Prozent plädieren für mehr Geld für Soziales. Gerade Personen mit Hochschul- und Fachhochschulreife sprechen sich zu 86 Prozent und damit besonders häufig für höhere Ausgaben in die Bildung aus, ebenso 83 Prozent der Gutverdienenden mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3000 Euro. Doch auch Menschen mit Hauptschulabschluss oder einem entsprechenden Haushaltseinkommen unter 1500 Euro netto sind zu 68 beziehungsweise 71 Prozent dieser Ansicht. (Umfrage im PDF-Format)

Umgekehrt ist das Bild bei höheren Investitionen in den Sozialbereich. Hier liegt die Zustimmung bei höher Gebildeten und Gutverdienenden mit 53 und 49 Prozent am niedrigsten - dennoch bilden die Befürworter auch in diesen Gruppen klar die Mehrheit. Bei den niedriger Gebildeten und Menschen mit geringerem Einkommen waren 61 beziehungsweise 60 Prozent der Ansicht, der Staat investiere zu wenig in den Sozialbereich.

Drei Viertel wollen Reiche zur Kasse bitten

"Es ist hocherfreulich, dass diese Ansicht mehrheitlich in allen Bevölkerungsschichten und über alle Parteigrenzen hinweg geteilt wird", sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. So stimmten auch die Anhänger von CDU und CSU mehrheitlich höheren Ausgaben für Bildung und Sozialem zu. Die Einstellung der FDP-Wähler führt die Zusammenfassung der Umfrage allerdings nicht auf - weil ihre Zahl zu klein gewesen sei, um sie statistisch valide auszuweisen, teilte der Paritätische Gesamtverband auf Nachfrage mit. Sie fänden sich daher unter den "Sonstigen". Auch in dieser Gruppe sprach sich aber jeweils eine Mehrheit für höhere Investitionen aus.

Auch darüber, woher die nötigen Mittel kommen sollten, ergab die Umfrage ein eindeutiges Bild: 76 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass Personen mit sehr hohem Einkommen beziehungsweise Vermögen höhere Steuern zahlen sollten als bisher. Nur 20 Prozent sprachen sich dagegen aus. Allerdings wurde aus der Frage nicht deutlich, ab welcher konkreten Grenze Vermögen beziehungsweise Einkommen als "sehr hoch" angesehen werden. Es liegt nahe, dass sich die Befragten selbst im Zweifel nicht dazu rechneten und dass die Zustimmungsraten bei der Nennung konkreter Grenzen niedriger gelegen hätten.

Wie stark Umfrageergebnisse von der Art der Fragestellung abhängen, macht die Frage zur Verteilungsgerechtigkeit deutlich. Eine Hälfte der Befragten wurde schlicht gefragt, ob die Vermögensverteilung in Deutschland eher gerecht oder eher ungerecht sei - hier empfanden 66 Prozent die Situation als ungerecht. Der anderen Hälfte der Befragten wurde zusätzlich die Information gegeben, dass laut dem aktuellen Armutsbericht der Bundesregierung die zehn reichsten Prozent der Haushalte 53 Prozent der Gesamtvermögens besitzen, während die ärmere Hälfte der Haushalte lediglich ein Prozent des Vermögens besitzen - bei dieser Fragestellung empfanden mit 78 Prozent deutlich mehr Menschen die Vermögensverteilung als ungerecht.

fdi