Umfrage zu Achtstundentag Deutsche wünschen sich feste Arbeitszeiten

Die Regeln zur Arbeitszeit stehen in der Kritik - der Chef der Wirtschaftsweisen hält sie für nicht mehr zeitgemäß. In der Bevölkerung wollen aber viele das bisherige Modell beibehalten.
Bombardier-Werk in Bautzen (Archiv)

Bombardier-Werk in Bautzen (Archiv)

Foto: Patrick Pleul/ dpa

War es als Wohltat für Arbeitnehmer gemeint - oder ging es um Interessen der Wirtschaft? Der Vorschlag des Vorsitzenden der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, sorgt jedenfalls seit Tagen für Furore. Er fordert ein Ende des starren Achtstunden-Arbeitstags. Doch was sagen die Betroffenen? Eine Mehrheit der Deutschen bevorzugt eine feste Arbeitszeitregelung. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE ergeben.

67,8 Prozent der mehr als 5000 Befragten gaben demnach an, selbst lieber an festen Arbeitszeiten festzuhalten. Die Unterschiede unter den Arten der Beschäftigung sind groß. Während sich bei Studenten mit 53,1 Prozent nur etwas mehr als die Hälfte fest geregelte Arbeitszeiten wünschen, sind es bei den Selbstständigen mit 60,9 Prozent bereits deutlich mehr, gefolgt von abhängig Beschäftigten (70,1 Prozent), Rentnern (70,3) und Arbeitslosen (74,4).

Weniger große Unterschiede gab es in den verschiedenen Altersklassen. Auch unter den Geschlechtern fiel das Bild fast gleich aus: Nur eine Minderheit will die Arbeitszeit flexibel, aber immer erreichbar gestalten. Bei den Frauen waren es 23,1 Prozent, während 25,6 Prozent der Männer dazu bereit waren. (Lesen Sie hier die Übersicht: So arbeitet Deutschland.)

Was Menschen für sich ausschließen, sollte der Umfrage zufolge aber trotzdem möglich sein: Mit 45,9 Prozent hält fast die Hälfte den Achtstundentag für nicht mehr oder eher nicht mehr zeitgemäß. Eine knappe Mehrheit von 47,6 Prozent findet ihn aber noch komplett oder zumindest eher in Ordnung. Tatsächlich ist auch unter dem bestehenden System bereits viel Flexibilität möglich.

Unter denen, die den Achtstundentag - womöglich oft in seiner Ausprägung als Job von 9 bis 5 - für besonders aus der Zeit gefallen halten, sind die Studenten, die zu 61,7 Prozent mit Nein (18,1 Prozent) oder eher nein (43,6 Prozent) geantwortet haben. Etwas weniger deutlich fällt das Bild mit 57 Prozent Ablehnung (Nein und eher nein) bei den Selbstständigen aus, die von Natur aus weniger an starre Arbeitszeitregelungen gebunden sind. Die anderen Beschäftigungsgruppen glauben mit knappen Mehrheiten jeweils weiter an die Zukunft der bestehenden Regeln.

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