Umfrage Mehrheit der Deutschen ist bei der Rente ahnungslos

Künftige Rentner sind miserabel informiert: 84 Prozent der Deutschen wissen laut einer Umfrage nicht, dass sie auch im Ruhestand Steuern zahlen müssen. Dennoch meinen die meisten Befragten, dass sie genug fürs Alter vorgesorgt haben.

Rentner im Park (Archiv): Ersatzquote für das Gehalt sinkt zunehmend
DPA

Rentner im Park (Archiv): Ersatzquote für das Gehalt sinkt zunehmend


Hamburg - Deutsche Anleger sind bei der gesetzlichen Rente erschreckend unwissend. So ahnen die meisten künftigen Rentner nicht, dass sie ihre Bezüge im Alter versteuern müssen. Auch bei der Frage, wie viel Prozent ihres letzten Einkommens sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung erwarten können, liegen die meisten stark daneben. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment hervor.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • 84 Prozent der rund 500 Befragten gaben an, dass die gesetzliche Rente im Alter nicht versteuert werden muss. Immerhin: Je älter die Befragten sind, desto eher wissen sie darüber Bescheid, was sie erwartet.
  • Nur etwas mehr als jeder Dritte schätzt seine Rentenhöhe mit 30 bis 50 Prozent des jetzigen Gehalts richtig ein.
  • Gleichzeitig geben 62 Prozent der Befragten an, dass sie für ihr Alter ausreichend vorgesorgt haben. Nur 16 Prozent denken, dass sie nicht genug gewappnet sind.

Das Ergebnis der Umfrage passt zu dem, was Experten seit Jahren predigen: Die Deutschen sollten sich früher und intensiver mit ihrer Altersvorsorge befassen, damit sie als Rentner nicht in die Armutsfalle rutschen. Auch Gesellschaften wie Union Investment, die an dem Verkauf von Zusatzrenten verdienen, machen regelmäßig auf drohende Rentenlücken aufmerksam. Zuletzt hatte das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" der Deutschen Rentenversicherung zudem vorgeworfen, mit ihren jährlichen Briefen an die Versicherten an der "Rentenillusion" mitzuwirken. Denn de facto könnten heutige Arbeitnehmer nur rund drei Viertel der in den Bescheiden in Aussicht gestellten Beträge erwarten.

Volle Versteuerung der Renten ab 2040

Offensichtlich ist, dass die Rentenreform im Jahr 2005 und ihre Auswirkung auf die Altersvorsorge an den meisten Deutschen vorbeigegangen ist. Damals wurde die nachgelagerte Besteuerung von Renten eingeführt. Vorsorgeaufwendungen während des Berufslebens werden seitdem zunehmend steuerbefreit, im Gegenzug aber werden die Renteneinkünfte schrittweise besteuert. Generell gilt: Alle, die ab dem Jahr 2040 in Rente gehen, müssen ihr Einkommen grundsätzlich voll versteuern.

Allerdings: Bereits früher konnte ein Rentner, der stets den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer erzielt hat, seinen Lebensstandard im Alter nicht halten. Seine Rente deckte rund 50 Prozent des letzten Bruttogehalts ab. Diese Ersatzquote wird in den kommenden 20 Jahren auf rund 45 Prozent sinken. Tatsächlich wird die Rentenlücke aber gerade für viele junge Menschen noch weitaus größer ausfallen - denn dass Arbeitnehmer über Jahrzehnte ununterbrochen in die Rentenkasse einzahlen, ist immer seltener die Regel. Die heute 20- bis 34-Jährigen können daher nur mit einer Rente in Höhe von rund 38 Prozent ihres letzten Bruttogehalts rechnen.

Aus der aktuellen Umfrage geht jedoch hervor, dass 43 Prozent der Befragten mit einer Rente rechnen, die mehr als 50 Prozent des Einkommens beträgt. Elf Prozent erwarten eine staatliche Leistung von weniger als 30 Prozent.

Was die Deutschen als staatliches Alterseinkommen erwarten können, zeigt der Vorsorgeatlas aus diesem Jahr, den die Universität Freiburg erstellt hat. Klicken Sie auf die Grafiken, um zu sehen, wie viel Geld im Alter bleibt.

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Vorsorge-Vergleich: So viel Geld bleibt den Deutschen im Alter

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
AuchNurEinNick 12.12.2013
1.
Zitat von sysopDPAKünftige Rentner sind miserabel informiert: 84 Prozent der Deutschen wissen laut einer Umfrage nicht, dass sie auch im Ruhestand Steuern zahlen müssen. Dennoch meinen die meisten Befragten, dass sie genug fürs Alter vorgesorgt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umfrage-mehrheit-der-deutschen-ist-bei-der-rente-ahnungslos-a-938604.html
Die Mehrheit wählt auch begeistert CDU/CSU, SPD und Grüne. Mein Mitleid hält sich bei den kommenden Rentnern also in überschaubaren Dimensionen. Die wollen das alles ganz offensichtlich so. Wer Lust auf Altersarmut hat, der soll die von mit aus auch gerne bekommen. Nicht mein Problem als Selbstständiger. Hauptsache hinterher könne wieder alle: "Das habe ich überhaupt nicht gewusst" stammeln und sich selbst in Unschuld suhlen ...
Europa! 12.12.2013
2. Verdrängung
Zitat von sysopDPAKünftige Rentner sind miserabel informiert: 84 Prozent der Deutschen wissen laut einer Umfrage nicht, dass sie auch im Ruhestand Steuern zahlen müssen. Dennoch meinen die meisten Befragten, dass sie genug fürs Alter vorgesorgt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umfrage-mehrheit-der-deutschen-ist-bei-der-rente-ahnungslos-a-938604.html
Wenn man sich vom pauschalen "Rentenpessimismus" hat anstecken lassen und den Kopf in den Sand gesteckt hat, sorgt man auch nicht richtig vor. Die alljährlichen Renteninformationen sind extrem nützlich und schaffen zumindest eine gewisse Kenntnis und auch eine gewisse Zuversicht. Sie kommen allerdings erst so spät im Leben, dass viele Möglichkeiten zur Vorsorge schon gar nicht mehr offenstehen. Deshalb: Die Renteninformationen vielleicht nur alle zwei, drei Jahre verschicken, dafür aber schon viel früher im Leben.
meinung2013 12.12.2013
3.
das ist doch so gewünscht. Deshalb gibt es jährlich einen "Kontoauszug" der mehr vorgaukelt, als es mal Rente gibt. Wievielen ist denn bewusst, dass sie auf die ausgewiesene Bruttorente Krankenkassenbeiträge zahlen müssen und Steuern? Nur wenn die Leute in Sicherheit gewiegelt werden, kann die Rentenkasse auch von den Regierenden geplündert werden.
acusticusneurinom 12.12.2013
4.
Zitat von AuchNurEinNickDie Mehrheit wählt auch begeistert CDU/CSU, SPD und Grüne. Mein Mitleid hält sich bei den kommenden Rentnern also in überschaubaren Dimensionen. Die wollen das alles ganz offensichtlich so. Wer Lust auf Altersarmut hat, der soll die von mit aus auch gerne bekommen. Nicht mein Problem als Selbstständiger. Hauptsache hinterher könne wieder alle: "Das habe ich überhaupt nicht gewusst" stammeln und sich selbst in Unschuld suhlen ...
Gerade für viele Selbstständige, die es während ihrer aktiven "Berufstätigkeit" versäumten, für Alter und Krankheit vorzusorgen, gibt es oft ein böses Erwachen. Stichwort Altersarmut. Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um zumindest die Mindestanwartschaftszeit zu erfüllen? "Nicht mein Problem - ich schenke doch "diesem Staat" kein Geld..." Dann kommen die Altersgebrechen, Diabetes etc. ...
analysatorveritas 12.12.2013
5. Selbst schuld, gewollte Uninformiertheit!
Zitat von AuchNurEinNickDie Mehrheit wählt auch begeistert CDU/CSU, SPD und Grüne. Mein Mitleid hält sich bei den kommenden Rentnern also in überschaubaren Dimensionen. Die wollen das alles ganz offensichtlich so. Wer Lust auf Altersarmut hat, der soll die von mit aus auch gerne bekommen. Nicht mein Problem als Selbstständiger. Hauptsache hinterher könne wieder alle: "Das habe ich überhaupt nicht gewusst" stammeln und sich selbst in Unschuld suhlen ...
Da ja offensichtlich die Mehrheit der Bundesbürger kaum politisch und ökonomisch informiert ist, kann dies kaum überraschen. Die privaten Fernsehsender, die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und die Bild-Zeitung leisten dazu offenbar erfolgreich ihren Beitrag. Bei der Finanzierung der Ostrenten klafft bis 2027 ein Loch in Höhe von 300 Milliarden € (Focus), die betrieblichen Renten (WiWo) haben eine Lücke von 100 Milliarden €, die bilanziell kaum erfasst sind, die sonstigen Vorsorgemaßnahmen leiden unter der anhaltenden Niedrigstzinsphase, hinzu kommen die zukünftige nachgelagerten Besteuerungen der Renteneinkünfte sowie die darauf fällig werdenden Sozialversicherungsabgaben. Und dies alles im Zeichen der Eurozonenwährungskrise. Nichts ist sicher, selbst eigenes abbezahltes Eigentum. Auch hier droht eine höhere Besteuerung, möglicherweise sogar die Beteiligung der Sparer an zukünftigen europäischen Bankensanierungen, Kapitalverkehrskontrollen und vielleicht sogar ein Besitzverbot von Edelmetallen aller Art. Leider hört man davon, erfährt man davon kaum etwas in den Medien oder in den meisten regionalen Tageszeitungen. Um 19.00 Uhr und um 20.00 Uhr erfolgt der gewohnte Mainstream, Wohlfühl, ein paar schöne Bildchen dazu und vorher noch der nette Mann oder die nette Frau von der Frankfurter Börse. Wer sich nicht informieren möchte, weiß auch nichts! Und muss dann alternativlos die Folgen tragen.
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