Umfrage Mehrheit im Ländle lehnt "Stuttgart 21" ab

Die lautstarken Proteste gegen den Neubau des Stuttgarter Bahnhofs kommen nicht allein von wenigen Querulanten. Einer Umfrage zufolge lehnt eine Mehrheit der Baden-Württemberger das Großprojekt ab. Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Neumann wittert bereits Morgenluft.
Baggerbesetzung in Stuttgart: Wahlentscheidende Frage

Baggerbesetzung in Stuttgart: Wahlentscheidende Frage

Foto: ddp

Hamburg/Berlin - Der milliardenschwere Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, der seit Wochen auch bundesweit für Schlagzeilen sorgt, wird von der Mehrheit der Baden-Württemberger abgelehnt. Auf die Frage, ob sie für das Großprojekt seien, antworteten in der Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" 51 Prozent mit "nein" und 26 Prozent mit "ja". 23 Prozent waren unentschieden.

Noch eindeutiger ist die Ablehnung in der Hauptstadt des Bundeslandes selbst: Zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Stuttgarter sind gegen den Umbau des Bahnhofs, 30 Prozent dafür und drei Prozent unentschieden.

Die Einstellung zum Bauprojekt in der Stuttgarter Innenstadt beeinflusst auch das Wahlverhalten für die Landtagswahl Ende März 2011. Insgesamt sagen 29 Prozent der Baden-Württemberger, das Projekt sei für sie wahlentscheidend.

Angesichts der massiven Reaktionen von Seiten der Bevölkerung sieht der Chef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, wieder Chancen, dass der umstrittene Bahnhofsneubau doch noch gekippt wird. "Die Politiker und die Bahn haben sicherlich nicht mit so viel Widerstand gerechnet", sagte er der "Berliner Zeitung". Zudem habe die CDU in Baden-Württemberg aufgrund ihrer schwindenden Mehrheiten jetzt wirklich Angst, die nächste Wahl zu verlieren. "Das könnte dazu führen, dass man dieses Projekt noch mal überdenkt und auf Planungen zurückgreift, den Kopfbahnhof zu modernisieren."

Für 90 Prozent von Nachteil

Eine solche Lösung wäre vor allem im Interesse vieler Fahrgäste, denn verkehrlich bringe "Stuttgart 21" überhaupt nichts, fügte Naumann hinzu: "Außer die Anbindung der Messe an den Fernverkehr. Aber dass Stuttgart ein international bedeutender Messestandort sein soll, das ist mir wirklich neu", sagte Naumann.

Pro Bahn fordert eine Sanierung des bestehenden Kopfbahnhofs in Stuttgart. "Das reicht, man braucht keinen unterirdischen Milliardenbau. Im Gegenteil, der bringt vielen Reisenden nur Nachteile", sagte Naumann. Der Bahnhof habe zwar für zehn Prozent der Reisenden, die aus den Fernverkehr kommen, Vorteile - aber für 90 Prozent Nahverkehrskunden sei er von Nachteil.

Auch für die Schnellbahnverbindung von Stuttgart nach Ulm forderte der Pro-Bahn-Chef ein neues "vernünftiges Gesamtkonzept, das Nah- und Güterverkehr mit einschließt". Auf der Neubaustrecke würden nur leichte Güterzüge fahren können, weil diese zu große Steigungen aufweise. Dabei gäbe es alternative Verbindungen über flacheres Gelände.

mik/dpa-AFX/AFP
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