Umfrage zur Lebenszufriedenheit Das stille Glück der Generation Mitte

Sie sind noch mit dem Discman aufgewachsen - jetzt gibt es nicht mal mehr iPods: Für die heute 30- bis 59-Jährigen ist Veränderung der Normalzustand. Trotz aller Ängste blickt diese Generation überraschend optimistisch auf ihr Leben.
Mann mit Smartphone: Zukunftsmacher wider Willen

Mann mit Smartphone: Zukunftsmacher wider Willen

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Hamburg - Kennen Sie das? Sie sitzen morgens in der U-Bahn und lesen auf dem Smartphone SPIEGEL ONLINE, während Ihr Nachbar Ihnen beim umständlichen Umblättern seiner Tageszeitung den Ellbogen reinrammt. Das nervt. Aber dass Ihr Sohn keine Bücher mehr lesen will, finden Sie auch nicht gut.

Und natürlich bekommen Sie in den Nachrichten die Debatten über die abschlagsfreie Rente mit 63 mit. Aber wie Sie das später mal mit dem eigenen Ruhestand und der Finanzierung organisieren, darüber wollen Sie jetzt noch nicht so genau nachdenken.

Wenn Sie diese inneren Konflikte kennen, dann gehören Sie wahrscheinlich zur sogenannten Generation Mitte. Sie besteht aus den 30- bis 59-Jährigen. Es ist die Sandwich-Generation, die noch mit dem Walkman oder Discman aufwuchs und sich heute kein Leben ohne Smartphone mehr vorstellen möchte. Die Generation, die den funktionierenden Sozialstaat gewohnt ist - die aber auch weiß, dass ohne tiefgreifende Reformen der demografische Wandel nicht zu stemmen ist. Die Generation, die locker einen ganzen Sorgen-Katalog aufzählen kann. Die aber dennoch recht zufrieden mit dem Hier und Jetzt ist.

Mit den Einstellungen, Erwartungen und Ängsten dieser Generation hat sich eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)  befasst. 1245 Personen zwischen 30 und 59 Jahren wurden befragt, wie sie den digitalen Wandel und die demografischen Veränderungen einschätzen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Zufriedenheit nicht unbedingt mit dem Alter zu tun hat, sondern vor allem mit der eigenen wirtschaftlichen Situation. Die Generation Mitte fühlt sich größtenteils wohl in ihrem Leben. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten die Befragten ihre Zufriedenheit mit der eigenen Situation im Schnitt mit 7. Doch bei den sozial Schwachen in dieser Altersgruppe ist die Zufriedenheit deutlich geringer.

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Auch im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre zieht ein großer Teil der Befragten eine positive Bilanz. Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die ab 2007 auch Deutschland hart getroffen hat, haben 37 Prozent der Generation Mitte offenbar gut überstanden. Sie sagen, ihnen gehe es heute wirtschaftlich besser als vor fünf Jahren. Knapp ein Viertel der Befragten bewertet ihre Situation dagegen schlechter. Auch hier zeigen sich aber deutliche Unterschiede - je nach sozialen Schichten. Mehr als die Hälfte der Wohlhabenden sieht sich als Wohlstandsgewinner. Bei den sozial Schwachen dagegen sehen nur 19 Prozent eine Verbesserung, 45 Prozent bewerten ihre wirtschaftliche Situation schlechter.

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Die Umfrage zeigt auch: Die 30- bis 59-Jährigen sehen sich einem hohen Veränderungsdruck ausgesetzt. Mehr als zwei Drittel der Befragten treiben vor allem die Themen Digitalisierung und demografischer Wandel um. Die Sandwich-Generation sorgt sich vor allem wegen der wachsenden Informationsmenge und dem höheren Tempo in Beruf und Alltag. Auch private Altersvorsorge und Altersarmut werden als wichtige Themen genannt.

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Nur 23 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie im Alter keine finanziellen Sorgen haben werden. Und nur 38 Prozent halten die eigene Vorsorge für ausreichend. Doch die meisten setzen sich mit diesen Fragen erst auseinander, wenn sie die Altersgrenze von 40 Jahren überschritten haben.

Diese Widersprüchlichkeit zeigt sich auch bei der Frage nach den Auswirkungen der demografischen Veränderungen. Zwar rechnen 90 Prozent der Befragten mit Konsequenzen für Deutschland, doch nur gut ein Drittel sieht sich persönlich betroffen.

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Während der demografische Wandel für viele Mitglieder der Generation Mitte noch ein recht abstraktes Problem zu sein scheint, können sie sich dem digitalen Wandel nicht mehr entziehen. Nur noch jeder Fünfte kann sich laut der Umfrage vorstellen, ohne Internet auszukommen.

Der Einfluss der Digitalisierung durchzieht den gesamten Alltag der Sandwich-Generation. Egal ob Einkauf, Kontakt zu Familien und Freunden, Reisen oder alltägliche Erledigungen - die Vernetzung hat das Verhalten der 30- bis 59-Jährigen stark verändert.

Auch hier zeigt sich wieder, dass soziale Unterschiede eine Rolle spielen. So sehen 58 Prozent der Wohlhabenden ihre Arbeit durch die Digitalisierung beeinflusst, während es bei den sozial Schwächeren nur 13 Prozent sind. Der digitale Wandel könnte also die Spaltung der Gesellschaft noch vorantreiben.

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Die Digitalisierung und Vernetzung zeigt das Dilemma der Sandwich-Generation besonders eindrücklich: Einerseits treibt sie den Wandel mit voran, andererseits steht sie ihm skeptisch gegenüber. So rechnen 82 Prozent damit, dass der Alltag künftig noch viel stärker von Technik dominiert wird. Doch nur vier Prozent wünschen sich mehr Technik im Alltag. 61 Prozent der Befragten haben ihre persönlichen Daten an ein oder mehrere Bonusprogramme oder Kundenkarten gegeben. Zugleich haben 77 Prozent die Sorge, dass mit dem Internet das eigene Leben immer stärker überwacht wird.

"Generation Mitte - Zukunftsmacher wider Willen" haben die Macher der Umfrage die Ergebnisse zusammengefasst . Die Mitglieder der Sandwich-Generation sind zu jung, um sich dem Trend der Vernetzung noch entziehen zu können. Aber sie sind schon zu alt, um es als normal zu empfinden.